Ein Wolf läuft durch sein Gehege im Tierpark Hellabrunn in München.
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11.11.2019 | 17:19 Uhr Wölfe greifen im Erzgebirge Schafe an

Ein Wolf läuft durch sein Gehege im Tierpark Hellabrunn in München.
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Im Erzgebirge haben Wölfe vier Schafe angefallen und verletzt. Das hat das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie am Montag bestätigt. Demnach ereignete sich die Attacke bereits am 11. Oktober in Jöhstadt. Zuerst hatte die "Freie Presse" darüber berichtet.

Nicht ausreichend gesichert

Dem Landesamt zufolge hatte wurden die verletzten Schafe gleich nach der Meldung des Angriffs von der Fachstelle Wolf begutachtet. Dabei stellte ein Experte fest, dass die Wunden mit großer Sicherheit wirklich von einem oder mehreren Wölfen verursacht worden waren. Deshalb wurden auch keine DNA-Proben genommen. Allerdings kann in diesem Fall der Schafhalter keinen finanziellen Ausgleich vom Freistaat erwarten, weil er die Mindestschutzanforderungen nicht erfüllt hatte. Der Behörde zufolge gab es weder einen 90 Zentimeter hohen Elektrozaun noch einen 120 Zentimeter hohen engmaschigen Zaun mit sogenanntem Bodenabschluss, der also nicht untergraben werden kann.

Grenzüberschreitende Wölfe

Seit dem Zwischenfall wurden keine weiteren Wolfsangriffe in der Region gemeldet. Im April waren allerdings im nahegelegenen Oberwiesenthal mehrere Schafe gerissen worden. Hier ergaben DNA-Tests, dass die Angreifer Wölfe waren. Der Stall war nach Angaben der Landesdirektion ausreichend gesichert. Die Schafe hätten die Tür vermutlich in Panik aufgedrückt, so dass die Wölfe eindringen konnten. In diesem Fall wurde der Schafhalter entschädigt.

Dem aktuellen Wolfsmonitoring zufolge gibt es auf der sächsischen Seite des Erzgebirges weder Rudel noch standorttreue Paare oder Einzeltiere. Allerdings hat sich auf tschechischer Seite in der Grenzregion bei Výsluní ein Rudel angesiedelt. Dessen Territorium reicht bis nach Sachsen hinein.

Wolfswelpen auf einer Lichtung.
Bildrechte: Lupus/SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND GEOLOGIE

Anmerkung der Redaktion: Im Absatz zu einem Wolfsangriff in Oberwiesenthal wurde auf Wunsch des Schafhalters ein Satz entfernt, in dem stand, die Wölfe seien "unter anderem in einen teilweise offenen Stall eingedrungen." Dies ist nach Angaben des Schafhalters nicht richtig. Der Stall war demnach ausreichend gesichert. Allerdings drückten die Schafe den Stall in ihrer Panik vermutlich auf, wie es im Bericht der Landesdirektion heißt.

Quelle: MDR/stt/dpa/FP/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.11.2019 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2019, 17:19 Uhr

4 Kommentare

Christian1984 vor 3 Wochen

Wenn ich den Bericht schon lese: "Nicht ausreichend gesichert".
Der Schäfer, der mit seiner Herde fast täglich umzieht, kann nicht jedesmal anfangen das ganze Areal einzuzäunen, noch dazu mit Bodenabschluss. Dann würde er den halben Tag mit Zaunaufstellen und Schachten verbringen (nichts anderes bedeutet nämlich Bodenabschluss).
Hier trifft die Theorie der Umweltverbände, welche eher durch urbanes Klientel geprägt werden, auf die Realität im ländlichen Raum. Und die Landbevölkerung muss es ausbaden.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Wiederansiedlung des Wolfes, aber er muss dem Jagdrecht unterstellt werden. Und die Landbevölkerung muss die Regeln bei der Wiederansiedlung mitbestimmen können! Denn diese hat - wie bei vielen anderen Themen (bestes Beispiel Windkraftausbau) - die unmittelbaren Folgen zu tragen. Die Arroganz und Einfalt, mit der so mancher über die daraus entstehenden Schwierigkeiten hinweg geht, ganz nach dem Motto: "Habt euch nicht so", vergiftet die Debatte.

real_silver vor 3 Wochen

Diese erzwungene Wiederansiedlung ist derart hirnrissig. Ich meine, die Menschen früher haben Jagd auf Wölfe gemacht, Könige und Fürsten haben Kopfgelder auf Wölfe ausgezahlt, und die Menschen haben es nach Jahrhunderten geschafft den Wolf zu vertreiben. Das waren Personen, die tagtäglich Umgang mit diesen Tieren hatten - aber selbstverständlich hatten die alle keine Ahnung, nicht soviel wie unsere Grünen heute, die wissen wie immer was gut für Mensch und Natur ist. Was sagen eigentlich die Tier"schützer" zu den mittlerweile massenhaft sinnlos gerissenen Haus,-Zucht-und Nutztieren? Da ist der Tierschutz dann egal, oder die Besitzer sind halt Schuld. Eine Idiotie, welche gut in die heutige Zeit passt.

Jan vor 3 Wochen

Es wird keine Fürsten und Könige mehr geben, die Kopfgelder für das Töten von Tieren ausgeben - zum Glück

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