Bockau Geologen finden bisher unentdecktes Zinnvorkommen im Erzgebirge

Symbolbild - Kipplore in einem Bergwerk.
Im Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf ist eine ehemalige Zinngrube im Erzgebirge. Der moderne Bergbau würde aber laut Andreas Barth, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Beak Consultants, anders aussehen. Bildrechte: imago images / Rainer Weisflog

Das Erzgebirge gilt nach Jahrhunderten Bergbau eigentlich als umfassend erkundet. Nun haben Geologen reiche Zinnvorkommen entdeckt. Der jüngste Zinnfund nahe Bockau im Erzgebirge kommt einer kleinen Sensation gleich, meint Andreas Barth. Er ist Geschäftsführer des Ingenieurbüros Beak Consultants, das sich die Rechte gesichert hat, die neue Lagerstätte zu erkunden. Gefunden wurde das Metall an einer Stelle, an der es laut gängiger Lehrmeinung gar nicht hätte sein dürfen. Normalerweise finden sich Zinnvererzungen im Umfeld von Granitgesteinen. "Das jetzt gefundene Zinnvorkommen befindet sich aber in metamorphen Gesteinen, die viel älter sind als Granit", erklärt Barth. "Nun ist die Frage, wie ist dieses Zinn in die metamorphen Gesteine gekommen ohne das Granit?"

Der Fund gehe zurück auf das Projekt "Wistamerz", dass das Ingenieurbüro gemeinsam mit der TU Bergakademie Freiberg und dem Helmholtz-Institut durchgeführt hat. Ziel sei dabei eine "Neuinventur des Rohstoffinventars des Erzgebirges" gewesen, so Barth.

"Wir haben Sedimentproben untersucht, also Sand aus den Bächen. Weil der Sand die Information, über das, was im Einzugsgebiet enthalten ist, widerspiegelt", erzählt er über die systematische Untersuchung des Gebiets. "Der Sand wird also abgespült von den Bergen und Hängen. Und in dieser kleinen Probe, die man aus dem Bach entnimmt, ist die Information gespeichert." Der Sand wurde dann auf 50 chemische Elemente untersucht, neben Antimon und Wolfram auch auf Zinn.

Ein Laptop und diverese elektronische Geräte.
In fast jedem elektronischen Gerät sind geringe Mengen Zinn verbaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vorratsmenge und Zinngehalt entscheiden über Sinn des Abbaus

Zinn ist ein weltweit gefragter Rohstoff. So stecken in fast jedem Elektrogerät kleine Mengen Zinn. "Es ist vor allem ein Element der Elektrotechnik und wird in Zukunft noch größere Bedeutung erlangen", sagt Barth. Doch ob ein Abbau wirklich Sinn ergibt, hängt von zwei Faktoren ab: der absoluten Vorratsmenge und dem Zinngehalt im Erz. "Bei den aktuellen Zinnpreisen braucht man in etwa einen Gehalt von 0,5 Prozent im Erz. Das hängt aber auch davon ab, wie gut extrahierbar das Erz aus dem Gestein ist", so Barth. "Die Vorratsmenge sollte schon bei 30.000 bis 40.000 Tonnen Zinnmetallinhalt liegen, um lukrativ zu werden."

EU finanziert weitere Untersuchungen

Die Untersuchungen stehen noch am Anfang. Erste Proben stimmen Barth und sein Team zuversichtlich. Teilweise liege der Zinngehalt bei über einem Prozent. Weitere Erkundungen sollen nun Gewissheit bringen. Die finden zunächst an der Erdoberfläche statt, in einem zweiten Schritt über Bohrungen im Erdinneren. Das nötige Geld für die ersten Schritte kommt von der EU im Rahmen des Projektes "Goldeneye". Perspektivisch hofft Barth auch auf private Investoren.

Der Abbau des Zinnvorkommens würde sich auch auf die Region auswirken. "Ein moderner Bergbau würde auf alle Fälle anders aussehen, als der uns allen bekannte Wismut-Bergbau", sagt Barth. "Irgendwoher müssen die Metalle ja kommen. Wir können den Kopf in den Sand stecken und sagen, wir kaufen das im Kongo ein, in Ruanda, in Nigeria oder sonst wo." Aber das sei nicht unbedingt die Lösung. "Zum anderen sollte man sich insbesondere bei diesen Technologiemetallen unabhängig von 'kritischen' Ländern machen. Und heimische Vorkommen können dazu definitiv beitragen."

EU-Projekt "Goldeneye" Die EU fördert das dreijährige Projekt "Goldeneye" mit 8,4 Millionen Euro. Dabei wollen 16 internationale Firmen eine Plattform für Künstliche Intelligenz zur Überwachung und Analyse von Bergbaustandorten in ganz Europa entwickeln. Damit sollen Lösungen für Sicherheit, Umwelteinflüsse und Rentabilität verbessert werden. In fünf Standorten in Europa werden dazu Tests der Technologien durchgeführt. Im Erzgebirge geht es um die mineralogische Kartierung und Rohstoffhäufigkeitsprognose.

Quelle: MDR/al/jh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.11.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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