Ein Triebwagen des Militär- und Transportunternehmens Thales ist auf einer Testfahrt im Bahnhof Schlettau unterwegs
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17.09.2019 | 15:40 Uhr | Update Weltweit erste Testfahrt: Führerloser Zug fährt per 5G-Steuerung

Ein Triebwagen des Militär- und Transportunternehmens Thales ist auf einer Testfahrt im Bahnhof Schlettau unterwegs
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Im Erzgebirge ist am Vormittag erstmals ein Zug per Fernsteuerung über neuen neuen Mobilfunkstandard 5G gelenkt worden. Auf der Versuchsstrecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg absolvierte der führerlose Laborzug am Bahnhof Schlettau eine Aus- und Einfahrt. Gesteuert wurde der Zug über Kameras und Monitore aus mehreren hundert Metern Entfernung.

Wie bei der Modelleisenbahn

Nach Angaben des Technischen Leiters des Projekts Smart Rail Connectivity Campus, Sören Claus, ist weltweit erstmals ein Zug über 5G-Fernsteuerung gefahren worden. Über Kameras wurde das Signal aus dem Triebwagen zu einem Fahrzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt übertragen. Dort saß der Lokführer an einem ausgelagerten Führerstand - einem Koffer mit Bildschirm und Schaltknöpfen - und steuerte die Fahrt wie bei einer Modelleisenbahn aus der Ferne. Um autonomes Fahren handle es sich allerdings nicht, sagte Vodafones Technischer Leiter Ingo Willimowski. Der Zuge werde nicht von einem Computer, sondern weiter von einem Triebwagenführer gesteuert. Auch wenn der nicht mehr im Zug sitze.

Bildergalerie Zugfahren per Fernsteuerung

Thomas Kayser, Triebwagenführer vom Militär- und Transportunternehmen Thales, steuert während einer Testfahrt im Bahnhof Schlettau einen Triebwagen über einen mobilen Koffer mit Cockpit- und Streckeninformationen.
Triebwagenführer Thomas Kayser steuert den Zug aus der Ferne. Der Führerstand gleicht einem Koffer. Bildrechte: dpa
Thomas Kayser, Triebwagenführer vom Militär- und Transportunternehmen Thales, steuert während einer Testfahrt im Bahnhof Schlettau einen Triebwagen über einen mobilen Koffer mit Cockpit- und Streckeninformationen.
Triebwagenführer Thomas Kayser steuert den Zug aus der Ferne. Der Führerstand gleicht einem Koffer. Bildrechte: dpa
In Schlettau wird das fahrerlose Zugfahren erprobt.
Von diesem Wagen aus steuerte Thomas Kayser am Dienstag seinen Zug. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo
In Schlettau wird das fahrerlose Zugfahren erprobt.
Später könnte sein Arbeitsplatz einmal in diesem Container untergebracht werden. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo
In Schlettau wird das fahrerlose Zugfahren erprobt.
Doch ob Truck oder Container-Büro: Der Führerstand im Zug belibt leer. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo
In Schlettau wird das fahrerlose Zugfahren erprobt.
Über Funk wird das Signal übertragen. Dafür wurde an der Teststrecke ein Funkmast aufgebaut. Die Reichweite beträgt derzeit etwa 800 Meter. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo
Ein Triebwagen des Militär- und Transportunternehmens Thales ist auf einer Testfahrt im Bahnhof Schlettau unterwegs
Vorgesehen ist, die gesamte 24 Kilometer lange Versuchsstrecke mit 5G-Antennen auszurüsten. Bildrechte: dpa
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Das Telekommunikationsunternehmen Vodafone hatte für das Projekt den ersten temporären Funkmast mit dem 5G-Mobilfunk-Standard in Schlettau errichtet. Da er nur eine Reichweite von etwa 800 Metern hat, fuhr der Zug nur auf dem Bahnhof Schlettau. Vorgesehen ist, die gesamte 24 Kilometer lange Versuchsstrecke mit 5G-Antennen auszurüsten. Dafür veranschlagt der SRCC einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Derzeit sei man in Gesprächen mit dem Freistaat Sachsen, um Fördermittel zu bekommen, sagte Sören Claus.

Der Smart Rail Connectivity Campus mit Sitz in Annaberg-Buchholz will in den kommenden Jahren das automatisierte Bahnfahren zur Marktreife bringen.

Quelle: MDR/cnj/jr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.09.2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2019, 15:40 Uhr

3 Kommentare

Manfred vor 4 Wochen

Eigentlich ist es zum Schämen, aber nein wir geben an als ob wir das Fahrrad neu erfunden haben. Seit über 10 Jahren fährt in Dubai Stadt eine Metro führerlos, und nicht nur das auch die gesamten Stationen, einschließlich Türöffnung geht vollautomatisch. Ich vermute mal auch im asiatischen Raum gibt es Städte wo es schon funktioniert. Bringt erstmal vernünftige Züge Richtung Leipzig hin und dann nutz vorhandenes Know-how, was wie gesagt schon 10 hervorragend funktioniert!

AufmerksamerBeobachter vor 4 Wochen

Innovativ, tatsächlich - aber wenn man 3 bis 5 Jahre braucht, um eine Teststrecke von lächerlichen 24km Länge mit 5G-Technik auszurüsten, kann man das nicht ernst nehmen. In China würde so etwas etwa 1 Woche dauern! In 3 bis 5 Jahren gibts sicher schon 6G.

kennemich vor 4 Wochen

Habe ich das richtig gehört, der fährt nur im Bahnhofsgelände, weil nur ein G5-Mast steht?

Es sollen erst noch mehr G5-Masten demnächst gebaut werden, dass es mal bis Annaberg-Buchholz gefahren werden kann.

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