Ein Regionalzug verlässt 2012 den Chemnitzer Hauptbahnhof.
Viel Bahnhof, wenig Zug: Chemnitz bleibt ohne Anbindung an den Fernverkehr. Die Bahnstrecke zwischen Leipzig und Chemnitz wird frühestens in zehn Jahren elektrifiziert, teilte Mittwoch ein Sprecher der Deutschen Bahn mit. Bildrechte: dpa

10.07.2019 | 15:50 Uhr Kein Fernverkehr für Chemnitz: Bahnstrecke nach Leipzig frühestens in zehn Jahren elektrifiziert

Ein Regionalzug verlässt 2012 den Chemnitzer Hauptbahnhof.
Viel Bahnhof, wenig Zug: Chemnitz bleibt ohne Anbindung an den Fernverkehr. Die Bahnstrecke zwischen Leipzig und Chemnitz wird frühestens in zehn Jahren elektrifiziert, teilte Mittwoch ein Sprecher der Deutschen Bahn mit. Bildrechte: dpa

Chemnitz bleibt ohne Anbindung an den Fernverkehr. Die Bahnstrecke zwischen Chemnitz und Leipzig wird erst in frühestens zehn Jahren elektrifiziert sein. Darüber informierte die Deutsche Bahn am Mittwoch. Er könne heute noch nicht sagen, wann der erste Spatenstich für den Ausbau erfolgen könne, erklärte Eckart Fricke, Konzernbevollmächtigter für die Region Südost am Mittwoch nach einer Bürgerversammlung in Chemnitz. "Über eines sollten wir uns sicher sein: Ein Zeitziel wird mit Sicherheit Ende der 2020er, Anfang der 2030er Jahre sein."

Für den Ausbau der Strecke gibt es zwei Trassenvarianten, die derzeit untersucht werden. Der Bund hat nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung den Verlauf über Borna in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Der Grund sei laut Fricke ein in Geithain vorhandener Fahrdraht. Der Freistaat Sachsen und die Bahn favorisieren hingegen die Strecke über Bad Lausick. Dies sei der der attraktivere Weg, erklärte Fricke.

Verlängerung der IC-Strecke von Rostock-Dresden-Chemnitz wird gerade geprüft

Mit dem neuen Zehn-Jahresziel rückt die Fernverkehrsanbindung über Leipzig in die Ferne. Auch eine Ausbau der Strecke Chemnitz-Dresden steht in den Sternen. Die einzige Hoffnung, die aktuell noch bleibt ist die neue IC-Verbindung zwischen Rostock und Dresden, die im Dezember kommen soll. Eine entsprechende Verlängerung der Intercity-Linie 17 werde gerade in zwei Varianten geprüft, erklärte Fricke. Ergebnisse würden im Herbst vorliegen

Die drittgrößte Stadt Ostdeutschlands bleibt ohne Fernzüge

Chemnitz, drittgrößte Stadt Ostdeutschlands - Berlin ausgeklammert, hat keine Fernbahnanbindung. Die Elektrifizierung der Strecke nach Leipzig ist Voraussetzungen eine IC- oder gar ICE-Verbindung. "Es geht nicht nur um eine Elektrifizierung, sondern um eine Anbindung an den Fernverkehr im Idealfall in alle vier Richtungen", sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bei der Veranstaltung.

Klimatisierte Doppelstockzüge Leipzig-Chemnitz

Ein Zug der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) fährt in den Hauptbahnhof Chemnitz.
Alte Waggons, kaputte Loks - die Linie Chemnitz - Leipzig ist kein Aushängeschild für modernen Bahnverkehr. Jetzt stellt die Bahn moderne klimatisierte Waggons in Aussicht. Sicher ist das jedoch noch nicht. Bildrechte: dpa

Einen kleinen Trost stellt Bahnmanager Eckart Fricke dennoch in Aussicht. Zwischen Chemnitz und Leipzig könnten statt der alten DDR-Wagen möglicherweise bald klimatisierte Doppelstockzüge fahren. Die Deutsche Bahn halte es für möglich, der betreibenden Mitteldeutschen Regiobahn entsprechende Waggons zur Verfügung zu stellen. "Wenn man die Anfrage jetzt zügig auf den Tisch bringt, kann ich mir vorstellen, diese Fahrzeuge zum Fahrplanwechsel 2020 hier einzusetzen. Aber auch da müssen wir noch verhandeln, es sind noch viele Details zu klären", sagte Fricke. Aber grundsätzlich sind wir bereit zu helfen, damit wir ein attraktiveres und zukunftsgerichteteres Angebot haben als heute."

Wirtschaftsminister Dulig wirbt für Landesverkehrsgesellschaft

Unterstützung dafür kann es auch vom Freistaat geben. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) erklärte seine Unterstützung: "Der Zweckverband hat entschieden, die Strecke so auszuschreiben. Das Ergebnis ist, dass hier Nostalgiezüge fahren. Das war ein Fehler. Wir sind bereit als Freistaat Sachsen zu helfen, dass bessere Wagen gekauft werden können", sagte Dulig. Den Akteuren vor Ort sei deswegen 7,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Diese seien jedoch nicht angenommen und abgelehnt worden.

Dulig übte in diesem Zusammenhang eine Generalkritik an den kleinteiligen Zuständigen im Verkehr im Schienenverkehr in Sachsen. "Man sieht, dass die Vielzuständigkeit des ÖPNV in Sachsen an seine Grenzen stößt. Das unterstützt noch einmal mein Vorhaben eine Landesverkehrsgesellschaft zu gründen, um in Sachsen ein integriertes Schienenkonzept zu etbalieren und endlich vom Kirchturmdenken wegzukommen."

Quelle: MDR/dpa/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.07.2019 | ab 15:00 Uhr in den Nachrichten

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