Bahnverkehr Sachsen investiert in Strecke Chemnitz-Leipzig

Sachsen will den Ausbau der Eisenbahnstrecke Chemnitz-Leipzig vorantreiben. Die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, Isabell Siebert, bestätigte MDR 1 RADIO SACHSEN, dass der Freistaat eine Beteiligung als Investor an dem Projekt plant. Vorgesehen sei ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag. Damit solle der eigentlich zuständige Bund ermuntert werden, das Vorhaben ebenfalls zu unterstützen, erklärte Siebert. Ziel sei, die Trasse schnellstmöglich zu elektrifizieren, um Chemnitz besser an den Fernverkehr und das künftige mitteldeutsche S-Bahn-Netz anzubinden.

Erst Strom, dann zweites Gleis

Wirtschaftsminister Sven Morlok erklärte in der "Freien Presse", neben dem Bund sollten sich auch die betroffenen Nahverkehrsverbände und Kommunen als Geldgeber an dem Projekt beteiligen. Hauptaufgabe ist demnach die Elektrifizierung des 36 Kilometer lange Teilstücks zwischen Geithain und Chemnitz. Der Beginn der dreijährigen Arbeiten sei für 2015/16 geplant. Die Kosten werden auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt. In einem weiteren Schritt plant das Wirtschaftsministerium den zweigleisigen Ausbau der gesamten Strecke von Leipzig über Borna und Geithain nach Chemnitz. Morlok zufolge gibt es zur Anbindung von Chemnitz an den Knoten Leipzig keine alternative Schienentrasse. Derzeit sind viele Abschnitte nur eingleisig und mit Dieselloks befahrbar.

Bund sieht sich bislang nicht in der Pflicht

Chemnitz ist seit Jahren vom schnellen Fernverkehr der Bahn abgekoppelt. Genauso lange gibt es schon Proteste dagegen. In die 240.000-Einwohner-Stadt führt keine einzige ICE-Verbindung. Erst am Donnerstag kritisierten Kommunalvertreter bei einem Treffen mit dem für Sachsen zuständigen Bahnbevollmächtigten, Artur Stempel, Bund und Land hielten zwar eine Verbesserung für notwendig, fühlten sich selbst aber nicht dafür zuständig. Zudem wies die Region die Behauptung der Deutschen Bahn zurück, dass für eine Fernverkehrsanbindung die Nachfrage fehle. Verärgerung löste auch die Argumentation der Bahn aus, ein Anschluss an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz sei wegen der fehlenden Oberleitungen nach Leipzig nicht möglich. Schließlich drängt die Region mit insgesamt 1,6 Millionen Einwohnern seit zehn Jahren genau auf diesen Ausbau.

Der Einstieg Sachsens könnte ein erster Schritt sein, einen der wachstumsstärksten Ballungsräume Deutschlands vom Abstellgleis zu holen. Mit der gleichen Methode hatte der Freistaat auch schon bei der Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale Erfolg. Bis zum Bahngipfel mit Konzernchef Rüdiger Grube und Ministerpräsident Stanislaw Tillich fordert die Region aber weitere konkrete Schritte von Bahn, Bund und Land.

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2012, 17:30 Uhr

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4 Kommentare

06.04.2013 22:12 Volker Birth 4

Wichtig war sicherlich der 1.Ausbau der Strecke C-L, da sie von vielen Pendlern genutzt wird. 20 Minuten von C nach Narsdorf sind wirklich ein wahrer Gewinn, besser kann man es kaum haben. Warum hat man die Elektrifizierung nicht gleich damals schon durchgeführt??! Für Monate waren die beiden Teilabschnitte jeweils gesperrt und 2015 droht das mit C-GHA erneut!!! Wenn es nachher 5 min. weniger sind, wird es keinem auffallen. Bisher habe ich in C immer meinen Anschlusszug nach DD erreicht, obwohl es nur 5 min. Umsteigezeit sind. An anderen Bahnhöfen wären Pendler sicher neidisch. Es wird an anderswo an wichtigen Stellen gespart, damit hier elektrifizierte Strecken aus dem Boden gestampft werden können, die so schon längst hätten entstehen können. Und das mit erheblich weniger Verärgerung, weil 2015 vermutlich erneut Streckensperrungen nötig werden.

30.01.2012 12:44 Reinhard Milewski 3

Es wird zeit,das endlich auf der Strecke Leipzig-Chemnitz etwas passiert und wären die Herren in Dresden mal auf das eingegangen,was vor 2 Jahren diskutiert wurde,so wäre die Strecke Borna- Geithain bereits entsprechend ausgebaut. Es wäre nun allerdings wünschenswert,diese Pläne zu beschleunigen,denn Planung und Ausführung bis 2020,ich denke das geht schneller.

29.01.2012 17:56 Hans Dampf 2

Hier zeigt sich mal wieder die geringe Sachkenntnis des Herrn M. Es mangelt keineswegs an leistungsfähiger Infrastruktur zwischen C und LE. Die Fahrzeiten, die dank Neigetechnik erreicht werden, wären mit keinem verfügbaren E-Fahrzeug zu erreichen - im Gegenteil. Der Fahrdraht ermöglicht allenfalls Fahrten direkt in den Citytunnel (mit entsprechender Fahrzeitverlängerung). Damit wären die Anschlüsse in LE passé.
C ist als Fernverkehrsendpunkt darüber hinaus nicht lukrativ - man fährt ja Auto! Das weiß auch Die Bahn und wird mit recht sicher nicht mal über eigenwirtschaftlichen Verkehr zwischen LE und C nachdenken, erst recht nicht vor dem Hintergrund der A72-Fertigstellung.
Der Treppenwitz ist, dass das Ministerium gerade den Zweckverbänden die vorgesehenen Regionalisierungsmittel vorenthält, sodass diese Verkehr abbestellen müssen. So stampft man die verbliebene Nachfrage ein, um andererseits neue Infrastrukturmaßnahmen anschieben zu wollen. Das passt vorn und hinten nicht zusammen.

29.01.2012 10:12 Sandro Kirchhübel 1

Zeit wird es ! In "Monopolregionen" wie Dresden und Leipzig wurden Millionen Euro gepumt und die Region Chemnitz scheint vergessen worden zu sein. Leider erscheint dieser Eindruck auch bei den Berichterstattungen des MDR, obwohl die Region um Chemnitz landschaftlich und touristisch sicher zu den schönsten in Sachsen zählt ! Man brauch sich doch nur Rochlitz, Wechselburg, Rochsburg oder Waldenburg anschauen. Historisch sicher eine der interressantesten Gegenden Sachsens, aber wer weiß zum Beispiel schon, das es in der Nähe von Wechselburg eine Komturei des Kreuzritterordens gab ? Die Komturei "Zschillen". Heute Altzschillen. Wenn niemand darüber berichtet wird es auch keiner groß erfahren !!!!!!! Und genauso sieht es mit verbesserten Verkehrsanbindungen aus. Wenn sich "da oben" keiner groß dafür interressiert, wird sich auch nichts ändern . . . . . .