31.08.2019 | 11:02 Uhr Bürger entscheiden am Sonntag über Ausbau der Windkraftanlage in Clausnitz

Ein Mann hängt an einem Kletterseil von einem Windrad herab.
Bis zu zweihundert Meter hoch sollen die Windräder in Clausnitz werden. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Am Sonntag stimmen die Einwohner von Clausnitz nicht nur über die Landtagskandidaten im Freistaat ab. Sie befinden bei einem Bürgerentscheid auch über den Ausbau der Windkraftanlagen am Rande ihrer Ortschaft. Die Bürgerinitiative "Gegenwind" hat den Bürgerentscheid angeschoben und der Gemeinderat gab vor zwei Wochen grünes Licht dafür.

Windkraftanlage soll erneuert werden

Schon jetzt drehen sich im Windpark der Agrargenossenschaft "Bergland" sechs Windräder. Fünf von den 88 Meter hohen Anlagen sind verschlissen. Vor einiger Zeit kam ein neues, fast einhundert Meter hohes Windrat dazu. Nun will die Agrargenossenschaft noch höher hinaus und die fünf alten Anlagen durch drei neue ersetzten. Sie sollen nach Aussage von Bergland-Chef Christoph Hänel eine Höhe von rund zweihundert Meter haben. "Windkraftanlagen von unter hundert Metern sind nicht wirtschaftlich und machen auch insofern keinen Sinn, weil eine Vielzahl kleinerer Anlagen gebraucht werden würde. Die Emissionen wären dadurch einfach noch viel höher, als wenn wenige, dafür aber leistungsfähige Anlagen gebaut werden." Die Gemeinde profitiere durch die Pacht, da die Anlagen auf ihrem Boden betrieben würden. "Außerdem haben wir uns über die Pacht hinaus dafür entschieden, dass wir ein 'Bürgerwindgeld' bezahlen möchten. Das sollen bis zu 30.000 Euro sein für Infrastrukturmaßnahmen, Kindergarten, Schule, Vereine und Feuerwehr." Er sei der Meinung, das Gesamtpaket bringe viele Vorteile für den Ort und für die Region.

Bürgerinitiative bezweifelt Ankündigung des Betreibers

Luisa Gärner von der Bürgerinitiative "Gegenwind" glaubt dieser Ankündigung nicht. "Die Agrargenossenschaft hat uns erst über ihre Pläne informiert, als wir das Bürgerbegehren eingereicht haben. Versprechen werden gemacht, dass der Ort etwas von den neuen Anlagen haben wird. Die alten Anlagen stehen jetzt schon 20 Jahre. In der Zeit hat kein Anwohner etwas ins Portmonee bekommen." Auch die Kindergärten hätten davon nicht profitiert. "Wir fragen uns, ob sich das jetzt ändern wird."

Man muss einfach seine Vernunft einschalten, ein normales Maß einhalten und schauen, dass es den Bewohnern im Ort gut geht. Auch wenn man saubere Energie möchte.

Luisa Gärner Bürgerinitiative "Gegenwind"

Ein Windrad.
Die Bürgerinitiative "Gegenwind" ist nicht gegen den Windpark, will aber große Windräder verhindern. Bildrechte: colourbox

Außerdem würden von den riesigen Anlagen Gesundheitsgefahren durch sogenannten Infraschall ausgehen. Ein weiteres Kriterium für ihren Gegenwind gegen den geplanten Ausbau sei auch, dass der Wert der Grundstücke sinke. "Wir Menschen hier haben Häuschen gebaut, die wir pflegen und über Jahrzehnte abzahlen. Mit so einer riesigen Anlage im Ort findet eine kalte Enteignung statt. Und man kann einfach nichts dagegen machen."

Am Sonntag wird die Abstimmung zeigen, welche der verschiedenen Argumente sich bei den Einwohnern von Causnitz durchgesetzt haben.

Quelle: MDR/tfr/ml

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.08.2019 | 17:30 Uhr in den regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2019, 11:02 Uhr

1 Kommentar

J.Heder vor 11 Wochen

Scheinbar gehen den Windkraftgegnern die Argumente und wissenschaftlich belegbaren Gründe aus, das man mit "Infraschall" und evtl Gesundheitsproblemen beim Mensch kommen muß!? Es gibt diese Art Schall; jedoch kann der Mensch diesen NICHT wahrnehmen! Mir ist 1 Fall bekannt an 1 Photovoltaikanlage wo die Wechselrichter diesen emittiert haben und Pferde nicht mehr in den Stall gingen wenn die WR in Betrieb waren. Dies ist der einzige belegte Fall von Wirkungen durch Schall auf Lebewesen mit Regenerativer Technik. Aber dagegen gibt es technische Maßnahmen um die in Frage kommenden Frequenzen zu umgehen! Also liebe Gegner der Bürgerinitiative; lasst euch mal "bessere und BELEGBARE" Argumente einfallen! Ich habe bei Windmaschinen bisher keine Frequenzmessungen mit Infra, oder Ultraschall aus der Maschine oder deren Hilfsaggregaten zu sehen bekommen. Diese wären dann evtl auch im Strom messbar wenn es die geben sollte. Für Gesundheitsschäden müssten die sehr lange einwirken! Das ist UNSINN!!

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