04.06.2019 | 14:31 Uhr Neue Katzendreckstudie bringt keine Klarheit

Seit vielen Jahren leiden die Bürger im Erzgebirgskreis unter dem sogenannten "Katzendreckgestank"oder auch "Böhmischen Nebel". Am Montag wurde in Seiffen eine neue Studie vorgestellt, die den Ursachen auf den Grund gehen und mögliche Gesundheitsgefahren aufdecken soll.

Industrieanlagen in Sachsen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die rund 50 Bürger, die am Montag in Seiffen den Ausführungen der Wissenschaftler lauschen, schwanken zwischen Fassungslosigkeit und Wut. "Wir hatten uns eigentlich von der Odcom-Studie ein bisschen mehr erhofft und erwartet, dass die Verursacher deutlich benannt werden können", fasst Hartmut Tanneberger von der Bürgerinitiative "Für Saubere Luft im Erzgebirge" den Abend zusammen. Er ist enttäuscht. Und wie ihm geht es vielen im Saal. Ein Bürger verlässt aus Empörung sogar vorzeitig die Veranstaltung.

Die Studie "Odcom - Objektivierung der Geruchsbeschwerden im Erzgebirgskreis und Bezirk Usti" hat über drei Jahre hinweg unter Führung der TU Dresden Untersuchungen in der Region durchgeführt. Was bei der Studie herausgefunden wurde, beschreibt der Leiter Joachim Fauler so: "Wir wissen, dass die Bevölkerung unter einer Geruchsbelastung leidet und wir wissen auch, dass es Luftschadstoffe gibt, die dieses Leiden zum Teil erklären können."

Die Studie hatte sowohl die Geruchsbelästigung untersucht, als auch die Schadstoffe in der Luft. "Wenn man alles zusammennimmt und die EU-Richtwerte dazu betrachtet, liegen alle gemessenen Werte unterhalb dieser Grenzwerte", sagt Fauler. Laut ihm liegen die Verursacher nicht nur auf tschechischer Seite. Auch die erzgebirgischen Hausheizungen, in denen nicht nur abgelagertes Holz verbrannt wird, würden Schadstoffe freisetzen. Woher nun aber genau der Gestank rührt, konnte die Studie nicht herausfinden. Mögliche Verursacher seien das nordböhmische Industrierevier, aber auch zahlreiche Gewerbebetriebe auf sächsischer Seite.

"Wenn wir keine Verursacher haben, können wir keine Maßnahmen einleiten", sagt Tanneberger von der Bürgerinitiative. "Vor diesem Punkt stehen wir und da standen wir 2012 schon." Die Studie hat herausgefunden, dass es keinen Zusammenhang zwischen Krankenhausaufenthalten oder Todesfällen und der Geruchsbelästigung gibt. Eine Anfrage bei den Hausarztpraxen brachte keine Ergebnisse, da der Rücklauf viel zu gering war. Bei Geruchsereignissen sei eine höhere Partikelbelastung in der Luft zwar feststellbar, so die Wissenschaftler, diese zwei aber ungefährlich und vergleichbar mit einer städtischen Atmosphäre.

Studie findet keinen belastbaren Zusammenhang zwischen Luftmesswerten, Geruchsbeschwerden und Gesundheit

"Das Ergebnis ist für uns ziemlich schlecht. Wir müssen ja immer die Luft einatmen und wir sind wirklich krank davon", sagt eine Bürgerin. Am Montagmittag, nur einige Stunden vor der Vorstellung der Studie, sei der Gestank wieder aufgetreten. Die Kinder seien krank, wenn Südostwind herrscht.

Bei Windrichtung aus Südost treten zwar oft höhere Konzentrationen dieser Luftschadstoffe sowie anderer organischer Stoffe auf, allerdings gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen den an einzelnen Tagen gemessenen hohen Konzentrationen und den von der Bevölkerung wahrgenommenen Geruchsbeschwerden.

Pressemitteilung über die Studie Odcom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

"Wir werden uns zusammensetzen, müssen unsere Schlussfolgerungen ziehen und werden dann weitermachen, wenn wir die Kraft dazu haben", beschreibt Hartmut Tanneberger das weitere Vorgehen der Bürgerinitiavie. Aufgeben kommt bei ihnen nicht in Frage.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 03.06.2019 | 19:00 Uhr

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6 Kommentare

05.06.2019 10:03 MuellerF 6

Welche Quellen auf deutscher Seite kämen denn in Frage?
Auf deutscher Seite sind mir im Erzgebirge keine Industriebetriebe bekannt, die derartig stinkende Abgase produzieren. Falls es doch welche gibt, kann man die ja mal benennen!?
Die Mess-Station in Lom (Cz) bekommt bei Westwind (vorherrschende Windrichtung) die Luft aus Chomutov & Litvinov ab,d.h., deren Messergebnisse wären dadurch verfälscht. Auch heute noch sucht man die konkreten Ergebnisse der Studie vergeblich bei "OdCom".

04.06.2019 17:48 Maxmoritz 5

Da ich bei einem Aufenthalt in Reitzenhain bei Südwind und Nebel selber Nasenzeuge war und das Ergebnis dieser Untersuchung lese, kann ich nur sagen, mir wird es übel dabei! Keinen weiteren Kommentar!

04.06.2019 17:16 MuellerF 4

Leider findet man die Ergebnisse der Studie trotz gestriger Veröffentlichung NICHT auf der Internetseite des Projekts.

04.06.2019 16:43 na so was 3

"Bestens gelöst im Sinne der "Oberen aus Sachsen und Nordböhmen". Beide sind Schuld, wie konnte es auch anders sein. Die Laien, die ihre Freizeit geopfert haben, kommen logischerweise nicht gegen das Fachchinesisch der sogenannten unabhängigen Experten an. Wer's glaubt, … Mir kann doch keiner einreden, deutsche Wissenschaftler forschen mit an der Eroberung von Mars und anderen Himmelskörpern und hier erkennen sie nicht die Schuldigen für diesen Gestank ? Das ist sozusagen ein Abbild von, "glaube nur einer Statistik, die du selbst gefälscht hast".

04.06.2019 16:33 MuellerF 2

Ergänzung: wenn man mal bei Hochdruckwetter in der Gegend um Litvinov ist, riecht man dort GENAU DIESEN Geruch. Und komischerweise hatte ich auch jedesmal Kreislaufbeschwerden, wenn ich zu einem solchen Zeitpunkt durch diese Gegend gefahren bin. Die Studie ist für die Tonne!

04.06.2019 16:13 MuellerF 1

Da lachen ja die Hühner! Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, aber wenn der Katzendreckmief nicht aus der Petrochemie stammt, fress' ich 'nen Besen quer! Auch schlecht abgelagertes Holz verursacht nicht diesen spezifischen Gestank bei Verbrennung! Hinzu kommt, dass das Phänomen nur bei bestimmten Wetterlagen (Wind aus Süd) auftritt. Ich bekomme den Eindruck, dass nicht sein kann, was nicht sein darf- schließlich hat der fragliche Industriezweig beträchtliche Lobby-Macht. Die betroffenen Leute bilden sich weder den Gestank noch ihre Beschwerden ein. Ansonsten sind die Grenzwerte der Industrieabgase evtl. einfach zu hoch?

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