10.03.2020 | 18:30 Uhr | Update Gerichtsentscheid: Auf Erzgebirgspyramiden dürfen sich keine Figuren aus Fernost drehen

Ein Holzhammer auf Paragrafenzeichen.
Bildrechte: imago images / Steinach

Weihnachtspyramiden, die mit Figuren aus China bestückt sind, dürfen nicht als Holzkunst aus dem Erzgebirge angeboten werden. Das ist das Ergebnis eines Prozesses, der vor dem Oberlandesgericht in Dresden am Dienstag zu Ende gegangen ist. Darin standen sich der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeugmacher und die vogtländische Firma Sigro gegenüber.

Der Firma Sigro aus Falkenstein war vom Landgericht Leipzig untersagt worden, Produkte als Erzgebirgskunst zu verkaufen, die nicht komplett im Erzgebirge gefertigt wurden. Unternehmensschef Mike Singer von Sigro wollte die Unterlassungsanordnung nicht hinnehmen. "Es gibt immer Teile, die zugeliefert werden und das ist gängige Praxis", sagte Singer MDR SACHSEN. Es werde hier versucht, eine Firma aus dem Vogtland in Misskredit zu bringen.

Wann ist ein Pyramide eine Pyramide?

Dem widerspricht der Verband der Erzgebirgischen Kunsthandwerker. Er warf der Firma Sigro Kundentäuschung vor. So war bei Pyramiden zum Beispiel das Gestell im Erzgebirge gefertigt worden, die Figuren wurden hingegen aus Asien zugekauft. Der Verband war vor Gericht gezogen und und hatte im Februar Recht bekommen. Sigro hatte argumentiert, das Pyramidengestell aus dem Erzgebirge sei der wichtigste Bestandteil einer Weihnachtspyramide.

Das sieht der Verband anders und meint, eine Pyramide sei nur mit Figuren vollständig. Der Großhändler Sigro verkauft auch Pyramiden ohne Figuren. Werden diese im Erzgebirge gefertigt, hat der Verband nach eigenen Angaben keine Probleme damit, wenn diese als Erzgebirgsware beworben werden.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.03.2020 | ab 09:00 Uhr in den Nachrichten

4 Kommentare

NormalNull vor 10 Wochen

Genau: Die von Ihnen geschilderte "gängige Praxis" legitimiert sich nicht dadurch, dass es sie gibt. *****"Assembled in Germany with parts from Germany, Taiwan and China..." wäre wenigstens ehrlich. Auch die Masche "hergestellt für Netto/Kaufland/Lidl..." ohne den Hersteller zu nennen ist ebenso eine bewußte , zumindest, Vertuschung.

zenkimaus vor 10 Wochen

Ihre Ansicht ist nachvollziehbar und verständlich. Nur dürften die meisten Produkte dann nicht Made in Germany sein. Oder Sachsenmilch. Da wird in Polen Milch zugekauft. Das zukaufen von Teilen ist gängige Praxis.

HandwerkerMarko vor 10 Wochen

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe das Thema im Radio vernommen und habe ein Handwerksbetrieb. Meine gefestigte Meinung hierzu ist:
Die erzgebirgische Volkskunst der Holz-Spielmacher und Kunsthandwerk für Weihnachtsprodukte ist eine über hundert Jahre gewachsene Tradition. Es ist eine regionale Marke und ist als solche auch zu werten. Dabei darf der Preis auch im hochwertigen Preissegment angesiedelt sein, denn es spiegelt die regionale Wirtschaftskraft über diese Fertigkeiten wieder. Für mich als Handwerker bedeutet es, es muss nicht für Jedermann zugänglich sein. Denn sonst verliert diese Handwerkskunst Ihre Besonderheit. Ich würde es beschämend finden, wenn regionale Traditionsunternehmen anfangen, Teile aus der ganzen Welt zusammenkaufen und verwenden, um es dann mit Erzgebirgischer Tradition zu labeln. So eine Handlungsweise verdient das Label nicht und das Label verdient die Handlungsweise nicht. Auch bin ich nicht dafür, solch ein Label aufzuweichen.

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