Selbstloser Einsatz Plauen ehrt Jugendliche für Hilfe bei Hausbrand

Man kann nur erahnen, welche Angst die Mieter eines Fünfgeschossers in der Plauener Trockentalstraße Ende Dezember durchlebt haben, als ihr Haus in Flammen stand. Zwei Jugendliche, die auf dem Weg zu einer Party zufällig vorbeikamen, wurden Zeugen des Brandes. Ohne Zögern halfen sie den deutschen und ausländischen Bewohnern bei der Evakuierung. Auf der Straßenseite gegenüber standen derweil Gaffer und pöbelten. Für ihren selbstlosen Einsatz erhielten die Jugendlichen nun ein Dankeschön.

Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer steht neben zwei Jugendlichen, die als Brandhelfer ausgezeichnet wurden
Julian Walther (l.) und Maurice Fabrizius (M.) wurden von Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (r.) für ihren Helfereinsatz gewürdigt. Bildrechte: MDR/Roland Kühnke

Die Stadt Plauen hat zwei Jugendliche für einen Hilfseinsatz während eines Hausbrandes am 29. Dezember 2017 geehrt. Die 18 und 19 Jahre alten Schüler hatten die Rettungskräfte unterstützt und Anwohner in Sicherheit gebracht.

Rathaus-Chef voller Respekt

Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer lobte den Einsatz der beiden Schüler Julian Walther und Maurice Fabrizius sowie zweier weiterer Brandhelferinnen. "Es ist in unser heutigen Zeit immer wieder notwendig, dass man zulangt und nicht lange überlegt, wenn Hilfe nötig ist und Menschen in Gefahr sind."

Das sollte normal sein. Das hat nichts mit Heldentum zu tun.

Maurice Fabrizius, freiwilliger Brandhelfer

Die beiden jungen Männer Julian und Maurice sehen sich nicht als Helden. Sie sind einfach froh, dass sie helfen konnten. Maurice Fabrizius: "Wir waren an dem Abend nicht die einzigen Helfer. Es gab auch andere, von denen nicht gesprochen wird."

Durch Zufall Zeuge geworden  

Julian und Maurice waren im Auto auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier, als sie an dem brennenden Haus vorbeikamen. Ohne lange zu überlegen, hielten sie an, alarmierten die Feuerwehr und halfen den Anwohnern, sich aus dem Haus zu retten.

Brandschäden an einem Wohnhaus in Plauen
Das Feuer hat das Haus unbewohnbar gemacht. Bildrechte: MDR/Ellen Liebner

Dramatische Szenen spielten sich ab, wie Julian berichtet. Dicker Rauch quoll aus dem Haus, Flammen loderten. In Panik hielt ein Mann im zweiten Stock ein kleines Kind aus dem Fenster. Julian reagierte geistesgegenwärtig: "Das Kind hat geschrien, ich wusste, jetzt passiert gleich was. Er hat dann das Kind fallen gelassen und ich konnte es in meinen Armen auffangen."

Gaffer pöbeln Retter an

In dem Haus lebten zum Zeitpunkt des Feuers 40 Menschen, darunter Roma aus der Slowakei. Während die Rettungsaktion lief, sammelte sich auf der Straßenseite gegenüber eine Gruppe Schaulustiger.

Brandschäden an einem Wohnhaus in Plauen
Während der Rettungsaktion pöbelten auf der Straßenseite gegenüber Gaffer. Bildrechte: MDR/Ellen Liebner

Einer der Gaffer soll "Sieg Heil" gerufen haben. Andere hätten gefragt, warum man den Mietern helfe, man solle sie lieber verbrennen lassen. Auch ein Polizist sei tätlich angegangen worden. Für Julian ein unverständliches Verhalten: "In dem Moment ist man geschockt, weil es um Menschenleben geht. Da zweifelt man an der Menschlichkeit solcher Leute."

Gegen zwei Männer aus der Gaffergruppe wird wegen Beleidigung, versuchter Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

Brand sorgt für Schlagzeilen

Das Feuer in der Plauener Trockentalstraße hatte für Schlagzeilen gesorgt. Das Haus war mutwillig in Brand gesteckt worden. Da Ausländer im Haus Mieter waren, stand ein fremdenfeindlicher Hintergrund im Raum. Als mutmaßlicher Täter wurde ein 25 Jahre alter Mann ermittelt. Er soll ebenfalls in dem Haus gewohnt haben. Ein Streit mit dem Vermieter wird als Motiv vermutet.

Mitte Januar hatte sich der Verein "Romano Sumnal" mit einem offenen Brief an den Landrat des Vogtlandes, den Plauener Oberbürgermeister sowie an die Öffentlichkeit gewandt. Die Selbstorganisation der in Sachsen lebenden Roma machte darin auf die Lage der in Plauen lebenden Roma aufmerksam. Sie seien in schlechten Wohnungen untergebracht, es fehle an Unterstützung und man sorge sich um die Sicherheit.

In einer Antwort an den Verein verwiesen die Stadt und der Landkreis darauf, dass den Hausbewohnern – Deutschen und Roma gleichermaßen – umgehend geholfen worden sei mit Notquartieren, Kleidung, Möbeln und Lebensmitteln. Zudem seien Sozialarbeiter zur Unterstützung bei Behördengängen im Einsatz gewesen. Die Stadt Plauen habe zudem die Geschehnisse in der Brandnacht verurteilt. Plauen und der Vogtlandkreis stellten sich seit Jahren gegen rechte Taten und Äußerungen, hieß es in dem Schreiben.

Quelle: MDR/mv

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN – Das Sachsenradio | 30.01.2018 | ab 12:30 Uhr | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2018, 17:24 Uhr

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2 Kommentare

01.02.2018 12:48 MuellerF 2

@1: >> Somit finde ich es unangebracht, hier die übliche Vorurteilsschiene zu bedienen, MDR<<

Sorry, aber Sie tun GENAU DAS- Vorurteile bedienen! Natürlich nicht explizit, sondern nur in Andeutungen:
>>Details muss ich jedoch außen vor lassen<<
>>kann man sich gut vorstellen, wie es in und an diesem Haus ausgesehen hat<<

Und warum der MDR angeblich Vorurteile bedient, wenn er widerliche Äußerungen von Anwohnern gegenüber den Helfern & der Polizei wiedergibt, bleibt auch Ihr Geheimnis...

30.01.2018 16:56 Morchelchen 1

Den Helfern Dank und Hochachtung.
Schlimm, wie es hätte ausgehen können. Ich musste nach dem Lesen aber an ein beispielgebendes Projekt denken im tschechischen Litvinov in den 80ern. Da konnten viele Roma-Familien in Neubaublocks einziehen. Man gab den Männern Arbeit, die Kinder wurden eingeschult. Also alles paletti, könnte man meinen. Doch einige Jahre später trat Ernüchterung ein. Alle Förderung und Bemühungen hatten nicht das Ergebnis erbracht, das man erwartet hatte. (Details muss ich jedoch außen vor lassen). Somit finde ich es unangebracht, hier die übliche Vorurteilsschiene zu bedienen, MDR. Und die übliche Masche rassistischer Ressentiments bei Anwohnern in den Vordergrund zu rücken. Braune Spinner natürlich ausgeschlossen. Doch nicht nur als Kenner des Litvinover Modells kann man sich gut vorstellen, wie es in und an diesem Haus ausgesehen hat. Natürlich nicht im Bezug zu dem schrecklichen Brand, sondern hinsichtlich der Beschwerde über angeblich minderwertige Unterbringung.