CFC-Fans trauern um Hooligan
Bildrechte: Harry Härtel

Brisanter Chat-Verlauf Zweifel an Nötigungs-Vorwürfen des Chemnitzer FC vor Trauerbekundung

Nach der Trauerbekundung für einen gestorbenen Hooligan in Chemnitz hat der Verein Strafanzeige wegen Nötigung gestellt. Ein Chat-Verlauf von Verantwortlichen erweckt einen anderen Eindruck. Insolvenzverwalter Siemon verteidigt das Vorgehen des Vereins. Der Veranstaltungsleiter sei erpresst worden.

CFC-Fans trauern um Hooligan
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Was genau ist vor dem Regionalliga-Heimspiel des Chemnitzer FC gegen den VSG Altglienicke passiert? Ist der Verein tatsächlich zu der Trauerbekundung für einen bekannten Rechtsextremisten genötigt und der Veranstaltungsleiter bedroht worden, wie es der Verein darstellt? Chat-Protokolle von Verantwortlichen stellen diese Version in Frage.

Lengtat: Chat-Protokoll lässt keine Bedrohung erkennen

Das ehemalige Mitglied des Ehrenrates, Mario Lengtat, bestätigte MDR SACHSEN ein in den Medien kursierendes Chat-Protokoll, das der Darstellung einer "akuten Bedrohungslage" widerspricht. Veranstaltungsleiter und Geschäftsführer Thomas Uhlig habe vor dem Spiel die Whatsapp-Chatgruppe eingerichtet. Neben den entlassenen Mitarbeitern und Ehrenamtlern seien zudem der Sicherheitsbeauftragte, der Pressesprecher, der Leiter des Ordnungsdienstes und der Leiter der Marketingabteilung Mitglieder der neu gegründeten Gruppe gewesen.

Dort habe Uhlig zur Diskussion gestellt, ob man dem an ihn herangetragenen Wunsch nachkommen soll, ein Trauerlied abzuspielen und ein Foto auf der LED-Wand des Stadions zu zeigen.

Sowohl aus dem Verlauf der Nachrichten als auch aus der 'Stimmung' der Erörterung sind jedoch keinerlei Anzeichen für eine tatsächliche oder gar akute Bedrohungslage zu erkennen

Mario Lengtat Anwalt und ehemaliges Mitglied des Ehrenrates

Vielmehr sei das Ansinnen von wesentlichen Teilnehmern aufgrund angenommener Verdienste des Verstorbenen weitgehend wohlwollend betrachtet, nur teilweise seien auch Bedenken geäußert worden. Schließlich habe sich die Gruppe auf eine Erklärung geeinigt, die verlesen werden sollte, so Lengtat. Der Text stamme letztlich von Spieltagsleiter Uhlig mit folgenden Worten: "Dieser oder kein Text wird es. Ist auch mit behördlichen Instanzen abgesprochen."

Insolvenzverwalter Siemon verteidigt Darstellung

Insolvenzverwalter Klaus Siemon bleibt dabei: Veranstaltungsleiter Thomas Uhlig sei vor dem Spiel erpresst worden. Auf einer Pressekonferenz in Chemnitz bekräftigte er seine Aussage:

Klaus Siemon
Insolvenzverwalter Klaus Siemon Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich gehe davon aus, dass es eine massive Beeinflussung des freien Willens der zuständigen Herren gegeben hat. Deshalb habe ich Strafanzeige erstattet. Ein solches Regionalligaspiel findet auf der Basis eines so genannten Sicherheitskonzeptes statt.  Da werden bestimmte Abläufe festgeschrieben, es gibt bestimmte Zuständigkeiten. Es sind bestimmte Entscheidungswege, die da festgelegt sind. Es gibt dann einen Veranstaltungsleiter, der letztendlich die Alleinentscheidungskompetenz hat.

Auf die Chatverläufe angesprochen sagte Siemon lediglich, dass diese keine Rolle spielen würden. Er habe seine Erkenntnisse über eine Bedrohung der Polizei mitgeteilt. Über den Inhalt wolle er nichts sagen. Er vertraue den Ermittlungen der Behörden.

Uhlig weiter in der Geschäftsführung tätig

Veranstaltungsleiter Thomas Uhlig soll trotz seines Rücktritts weiter in der Geschäftsführung des Vereins arbeiten, sagte Siemon. Das betreffe die Buchhaltung und die Geschäftsstelle. Nur als Veranstaltungsleiter werde er nicht mehr tätig sein. Ob dieser richtig oder falsch gehandelt habe, würden die Ermittlungen der Polizei zeigen.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.03.2019 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 18:35 Uhr

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43 Kommentare

16.03.2019 17:51 MuellerF 43

@14: Es geht einfach um vereinsschädigendes Verhalten! Herr Frahn hat sich vertraglich verpflichtet, Regeln von DFB, NOFV & CFC einzuhalten- und dann dagegen verstoßen.
Die möglichen Strafen dafür sind ebenfalls vorher festgelegt. Alles juristisch korrekt.

16.03.2019 13:38 Gerd Müller 42

warum wird nicht reagiert - warum protestieren die Fußballer und Clubs der NOFV-Oberliga Nord nicht - mit Braune muss niemand Spielen - wie viele Schubse braucht DVB noch 'Tritt in Hintern'

16.03.2019 11:04 Thomas 41

Es ist doch durchaus naheliegend, dass den Verantwortlichen des CFC bewusst gewesen sein dürfte, wer für die Sicherheit im Stadion zuständig war oder ist.

Wenn man in anderen Beiträgen dann durch die Blume liest, dass sowohl von Fan-Beauftragten als auch der Polizei bekannt war, dass Rechte gezielt wegen des Anlasses angereist sind, geht es halt nur noch drum, sich irgendwie aus der Nummer zu nehmen und den Ruf zu wahren.

Vielleicht ist ja der inzwischen ebenfalls komplett abgelöste Sicherheitsdienst einer der Gründe, dass bei bestimmten Blöcken auch das "verbotene Zeugs" wie Pyro in die Stadien gelangen kann.

Gehen sie weiter, es gibt nichts zu sehen und die Verbinden zwischen Sport, dessen Umfeld und rechter Szene nur Zufall und Einzelfälle, aber keinesfalls bekanntes System auch durch die Offiziellen, die sich hier versuchen herauszuwinden...

16.03.2019 09:53 MuellerF 40

Die Äußerungen von Uhlig, Schellenberger, Laudeley & anderen, sowie der Umstand, dass die Haller-Security sowohl im CFC-Stadion, als auch bei Stadt- & Pressefesten jahrelang eingesetzt wurde, offenbart das Problem der rechten Unterwanderung.
Man könnte es so zusammenfassen: "Uns tun diese Leute ja nichts & sie sind auch immer nett. Was sie sonst so treiben & wen sie damit schädigen, ist uns egal. Was man nicht weiß,..."

16.03.2019 08:21 KölscheJung 39

Das Ganze erinnert mich etwas an ein Kunstwerk von Martin Kippenberger, das den Titel trgt:

"Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen".

Beim Chemnitzer FC kam wohl einiges zusammen. Eine Fanbeauftragte (SPD-Mitglied !!!!!!!!), die wohl selber den Rechten nahe steht. Ein Stadionsprecher, der mal eben eine Schweigeminute für einen Neonazi einlegt. Ein Fussballprofi, der behauptet, er kenne die politische Einstellung der Hooligans nicht. Und eine Vereinsführung, die sich angeblich vor der Gewaltdrohung von Fans einschüchtern ließ anstatt einfach mal die Polizei zu verständigen. Aber, wie gesagt, man kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen. Wie auch, es guckt ja anscheinend niemand hin, außer natürlich dem MDR. Dafür darf man zumindest dankbar sein.

15.03.2019 20:22 Peter W. 38

In Chemnitz verzettelt man sich anscheinend immer weiter in fadenscheinigen Ausreden. Jetzt soll die Angst vor massiven Ausschreitungen der Grund für die Akzeptanz der Gruselshow gewesen sein. Da kann man nur sagen: niemals darf man sich so erpressen lassen. Sollen sie doch randalieren und prügeln, dann sehen die Leute wenigstens klar und deutlich, was für gefährliche und kranke Typen hier eine ganze Stadt in Geiselhaft nehmen wollen.

15.03.2019 15:19 Martin Vomberg 37

@ Hans Frieder Leistner Nr. 31
"Da lierst man aber keine empörenden Beiträge."

Ich schätze mal, dass es in den einschlägig bekannten Foren jede Menge empörte Beiträge dazu gibt. Was im Übrigen diese Meldung mit den Vorgängen rund um den Tod eines Neonazis zu tun haben sollen, will sich mir spontan nicht so recht erschließen!

15.03.2019 14:24 Mediator 36

@Fränki(32): Für was braucht man bitte einen Sündenbock? Im Stadion des CFC wurde eines stadtbekannten geweltbereiten und mehrfach vorbestraften Neonazis gedacht weiterhin machte ein Spieler des CFC mit einem T-Shirt Werbung für gewaltbereite Neonazis aka Hooligans. So etwas ist schlicht und ergreifend ein Skandal und die dafür Verantwortlichen müssen ermittelt und entsprechend gemaßregelt werden.

@Leistner(31): Schlagen sie einfach einmal den Atlas auf und überprüfen sie ob Berlin im Bereich des MDR liegt. Radio Eriwan berichtet ja auch nicht über Chemnitz.

@meier(30): Die Indizierung eines Liedes nach Jugendschutzgesetz bedeutet nicht, dass die Interpreten in irgendeiner Weise extremistisch sind. Also nicht immer Äpfel mit Birnen verwechseln.

@data(28): Gesamtgesellschaftlcihes Problem - JA .. aber der CFC gehört zu dieser Gesellschaft dazu und muss in SEINEM Verantwortungsbereich damit umgehen. Das kann die Sparkasse nicht für ihn lösen.

15.03.2019 13:29 Fränki 35

Noch ein ein Nachtrag, einfach Mal Google nachschauen was plötzlich die taz online berichtet. Ein gewisser Herr Haller war wo der Justiz im NSU Prozess bekannt und was er so gegründet und gemacht hat .Normaler Weise wäre jetzt die Zeit das ganz andere Leute die Karten auf den Tisch legen und gegen ganz andere Leute ermittelt wird,gelinde ausgedrückt. Man könnte nur noch kotzen bei der Berichterstattung in diesem Land.

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15.03.2019 13:13 MuellerF 34

@32: Da wurden zur Schweigeminute hunderte CFC-Fanschals in die Höhe gehalten- haben sich die angeblichen Nicht-CFC-Fans diese extra gekauft? Das glauben Sie doch selbst nicht!

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