Abstieg steht fest Chemnitzer FC meldet Insolvenz an

Der Fußball-Drittligist Chemnitzer FC hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte der Verein am Dienstag in einer E-Mail an alle Mitglieder. Darin heißt es unter anderem, dieser Schritt sei nach intensiven Verhandlungen, Prüfungen und Beratungen mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat einstimmig beschlossen worden. Der Verein habe Verbindlichkeiten aufgebaut, die vom Vereinsvermögen nicht mehr gedeckt seien. Am Nachmittag will die Vereinsführung in einer Pressekonferenz Stellung zu ihrer Entscheidung beziehen. In der Mitteilung drückte der Verein sein Bedauern über den nun gegangenen Schritt aus und appellierte an alle Mitglieder, Fans und Unterstützer des Vereines, "den Verein nicht fallen zu lassen, sondern gemeinsam für einen erfolgreichen Neustart zu kämpfen." 

Vier Millionen Schulden

Aufsichtsratschef Uwe Bauch sagte dazu auf einer Pressekonferenz: "Dieser Schritt tut allen himmelblauen Fans weh, er ist auch für die Stadt Chemnitz sehr traurig." Vorstand Thomas Uhlig sprach von mehr als 2,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten, dazu kämen noch 1,5 Millionen aus einem alten Kredit.

Geschäftsführer Thomas Georgi berichtete von vielen ergebnislosen Gesprächen mit den Gläubigern. Die Drittliga-Mannschaft sei am Dienstag informiert worden, sagte Georgi. Ein Insolvenzverwalter wurde bestellt. Die Gehälter bis März konnten gezahlt. Ob es auch Auswirkungen auf den Nachwuchsbereich geben wird, sei derzeit noch nicht abzusehen, ergänzt Sportvorstand Steffen Ziffert.

Nach Erfurt nun Chemnitz

Der Schritt des finanziell angeschlagenenen Vereins kam nicht überraschend. In den Medien wurde schon länger über eine drohende Insolvenz spekuliert. Mit dem Insolvenzantrag ist auch der sportliche Abstieg des Chemnitzer Fußballclubs in die Regionalliga besiegelt. Wird dem Antrag entsprochen, werden vom Deutschen Fußballbund dem gegenwärtig Drittletzten der Tabelle nach den aktuellen Regularien neun Punkte abgezogen. Damit wird nach großer Wahrscheinlichkeit nach Erfurt auch Chemnitz in die Regionalliga absteigen.

Letzte Woche noch dementiert

Noch in der vergangenen Woche dementierte der Verein Spekulationen der Bild-Zeitung über eine mögliche Insolvenz. "An dem Bericht der 'Bild' ist nichts dran", sagte CFC-Pressesprecher Maximilian Glös damals dem MDR. Man arbeite mit Hochdruck daran, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. "Wir bündeln in allen Gremien die Kräfte und arbeiten an einer sportlichen, wirtschaftlich und finanziell tragbaren Gesamtlösung", so Glös.

Interne Streitigkeiten

Zu den finanziellen Schwierigkeiten gesellten sich in der letzten Zeit auch interne Streitigkeiten. Diese traten unter anderem bei der letzten Mitgliederversammlung offen zutage. Mehrere Rücktritte von Funktionsträgern machten das Chaos perfekt. Aufsichtsrat-Chef Uwe Bauch kritisierte zudem die Zusammenarbeit mit dem Vorstand. Ex-Präsident Dr. Mathias Hänel (Ende November zurückgetreten) monierte die zu große Fluktuation in den Vereinsgremien und damit die Unruhe rund um den Klub.

Quelle: MDR/mar/tf

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 10.04.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2018, 09:11 Uhr

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31 Kommentare

11.04.2018 17:02 ORAKEL 31

@28 Is was dran wohl wahr. Also Insolvenz ist was normales und ich bitte da den Ball nicht zu hoch zu spielen. Fakt ist die erfreuliche Offenheit des Vereines und das es jetzt passiert und nicht verschleppt wird wie bei Bayern München. Es gibt also noch Möglichkeiten für den Verwalter und Handlungsspielraum. Jetzt wird aufgedeckt und gequatscht und wer weiß vielleicht ist da doch eine solide Basis. Zum Verlierer stehen, dabei zu bleiben ist doch Markenpolitur und als Werbung für Sponsoren ein Selbstläufer. Unser Ahorn Hotel Resorts liebt uns und auch dich. Jetzt Abo abstauben und aufsteigen

11.04.2018 14:03 Derfnam 30

Bei dem was da die letzten Jahre an Misswirtschaft betrieben wurde sollte sich das allgemeine Mitleid in Grenzen halten. Man hat in Chemnitz doch einen großen und auch recht erfolgreichen Breitensport – aber nein - weil ein reines Fußballstadion „mehr“ Feeling haben sollte, hat die Stadt den nutzlosen Kasten auf der Tasche (ist klar wer dafür herhalten muss, oder!) Dass man nicht von herein in eine Mehrzweckarena des ehemaligen Forums investiert hat, spricht für die planlose Kurzsichtigkeit von allen Beteiligten!

11.04.2018 10:07 Lilly 29

wenn der Schnee wegtaut, ....

11.04.2018 08:30 Spottdrossel 28

Entscheidend über Auf- und Abstieg sind eben doch die Finanzen. CFC und RWE steigen ab, da beide pleite. Da kann man sich doch gleich den Spielbetrieb sparen und den Tabellenstand an der Börse aushandeln.

10.04.2018 00:21 Andreas 27

Hallo! Faul am Systhem ist hier nichts. Ich habe 100 Euro und gebe 200 aus. Wieviel Gewinn habe ich gemacht ? Das ist das Problem halt von vielen Vereinen. Selbst in Dortmund hat man das erst bei 100 Millionen Schulden begriffen. Man hat dann halt kein Geld mehr ausgegeben für überteuerte Spieler. Erst wenn nichts mehr geht besinnt man sich. Manchmal ist es halt zu Spät.

10.04.2018 23:25 LK 26

Ich empfinde es immer so bischen als "Ossi-gejammere." Andere Vereine hat es schließlich auch erwischt - und die waren nicht minder erfolgreich.. VFB Lübeck, Wuppertaler SV oder Rot-Weiß Essen seien da nur genannt. Wie gesagt es ist sehr schade um jeden Verein denn es hengt immer viel Herzblut dran. Und die gleichen Sprüche über den Verband wird man bei den Fans der oben genannten Vereine auch hören... RICHTIG SCHADE ist es wirklich für kleinere Vereine denn die müssen in die nächst tiefere Klasse absteigen und Platz machen für "große" Vereine mit kleinem Geld... und großen Stadien... EGAL aus welcher Region sie kommen!!!

10.04.2018 22:26 fraumoe 25

Schade für die Fans. Als Chemnitzer Bürger, der FCE Fan ist, tut es dennoch weh. Da kommt die Frage auf, was wohl unsere OB Ludwig dazu sagt. Sie war es doch, die wider aller Vernunft den Kredit damals unbedingt durchboxen musste. In Chemnitz sollten sowohl Vereinsführung als auch die Politik zur Verantwortung gezogen werden.

10.04.2018 21:54 Wolfis 24

Die Grabenkämpfe in beiden Vereinen waren den Führungsetagen wichtiger als die Vereine nicht untergehen zu lassen.

10.04.2018 21:31 Paule 23

Lest mal die Tabellen der Regionalligen! Da ist man erstaunt wieviele ehemalige Bundesligisten da herumtümpeln. Es ist etwas faul im System des DFB, anders kann man das nicht erklären. Kopf hoch in Chemnitz und durch. Ihr seit nicht die ersten und auch nicht die letzten, die das System zerquetscht.

10.04.2018 19:01 Thommi Tulpe 22

Und ja: Was Erfurt und der CFC "bewerkstelligen", ist wirklich eine Frecheit gegenüber Vereinen wie Chemie Leipzig und dem VfB Auerbach, die wegen Missmanagements der Drittligisten trotz eigener sportlichen Qualifikation für die Regionalliga diese verlassen müssen. Gerade beim CFC ist das ganze Theater völlig erbärmlich: Glaubte noch jemand, 7 Punkte zum "rettenden Ufer" wären in 5 Spielen noch aufzuholen gewesen? Warum beantragte man nicht zum Ende der Saison die Insolvenz? Wohl doch nur, um die neue Saison (egal in welcher Liga!) nicht mit 9 Minuspunkten zu beginnen. Zumindest drängt sich dieser Verdacht gewaltig auf.