Stadtfest Chemnitz
Bildrechte: MDR/Harry Härtel

Überraschende Absage Stadtfest in Chemnitz fällt dieses Jahr aus

Stadtfest Chemnitz
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In Chemnitz wird es in diesem Jahr kein Stadtfest geben. Das gab CWE-Geschäftsführer Sören Uhle am Mittwochmittag bekannt. Die Organisatoren begründeten die Absage mit den Ereignissen rund um den gewaltsamen Tod von Daniel H. Er war am Rande des Festes im vergangenen Jahr mutmaßlich von zwei Asylbewerbern erstochen worden. Seit Montag muss sich ein Syrer wegen der Tat vor Gericht verantworten. Der zweite Tatverdächtige, ein Iraker, ist auf der Flucht.

Durch die anschließenden Demonstrationen und Ausschreitungen sei die Marke "Chemnitzer Stadtfest" stark beschädigt worden, erklärten die Veranstalter. Damit sei der imageprägende und identitätsstiftende Sinn der Veranstaltung nicht mehr gegeben. Stattdessen sollen in Chemnitz neue Formate zur Belebung der Innenstadt und zur Imagebildung entwickelt werden.

Wenn ich das Ziel einer solchen Veranstaltung beschreibe, dann geht es darum, imagebildend zu sein für die Stadt Chemnitz, aber auch den Gästen ein Erlebnis zu schaffen, womit die gerne nach Hause gehen. Und die Bilder und die Botschaften, die mit diesem Stadtfest seit den Ereignissen verknüpft werden, haben nichts mehr damit zu tun.

Sören Uhle CWE-Geschäftsführer

Ausschlaggebend für die Absage sei der Beginn des Prozesses gegen einen mutmaßlichen Täter am Montag gewesen. Dadurch seien alle Bilder wieder hochgekommen, erklärt Uhle. Hinzu kämen unkalkulierbare Risiken, vor allem bezüglich der Sicherheitslage. Dafür hätten neue Sponsoren gefunden werden müssen. Da das aussichtslos gewesen wäre, "wird eine Wirtschaftlichkeit grundsätzlich infrage gestellt", so Uhle. Er betonte aber auch, dass die bestehenden Sponsoren weitergemacht hätten.

Zwei Abbrüche in der Vergangenheit

Das Chemnitzer Stadtfest ist schon zwei Mal abgebrochen worden. 2017 wurden die Feierlichkeiten wegen Pöbeleien und Rangeleien am Sonnabend vorzeitig beendet. Im letzten Jahr entschieden sich die Veranstalter aus Sicherheitsgründen nach der tödlichen Messerstecherei für den Abbruch. Die Entscheidung, die ursprünglich für August geplante Veranstaltung vorab abzusagen, sei den Verantwortlichen nicht leicht gefallen. Doch es habe keine Alternative gegeben, so Uhle.

Das sagen die Chemnitzer zur Absage

Die Meinungen der Chemnitzer zur Absage des Stadtfestes gehen auseinander. In einer Umfrage von MDR SACHSEN gab es nur teilweise Verständnis für diese Entscheidung. Ein älterer Mann fand es gut, da erst einmal wieder Ruhe in die Stadt kommen sollte. Er kritisierte vor allem die Pöbeleien von Betrunkenen. Auch ein Familienvater hielt es wegen der vorangegangenen Ereignisse für die richtige Entscheidung. Einige der Befragten bedauerten die Absage aber auch und waren traurig. Eine ältere Frau war der Meinung, dass man "deswegen nicht aufgeben soll". Eine andere Frau betonte zudem, dass Chemnitz sicher sei.

Quelle: MDR/mwa/cb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.03.2019 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz.

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Zuletzt aktualisiert: 20. März 2019, 21:25 Uhr

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74 Kommentare

22.03.2019 16:23 Chemnitzer Bub 74

@20:07 Janine: Ich gehe mal davon aus, dass Sie weder auf dem Oktoberfest waren, geschweige den jemals in Chemnitz. Bayerische Gemütlichkeit? Feiernde, fröhliche Menschen? Zitat: "Die Aggression gegen Einsatzkräfte nimmt weiterhin zu. Eine verstärkte und zielgerichtete Videoüberwachung half den Beamten hierbei zusätzlich, präventiv und beweiskräftig vorzugehen. Überschattet wurde das Fest von einer Schlägerei, die tödlich endete"
Armutszeugnis!?

Die Leute sind gar nicht so dumm, wie wir sie durchs Fernsehen noch machen werden.
Hans-Joachim Kulenkampff

22.03.2019 12:03 erstaunlich 73

@Mediator& Co versuchen Relativierungen versuchen. Zitat:"Finden sie es nicht seltsam, dass sich kein Mensch von den ca. 2500 gewaltsamen Todesfällen in Deutschland, die es seit Jahrzehnten Jahr für Jahr gibt, ernsthaft bedroht fühlt?"
Dann zeigen Sie mir bitte einen Menschen, der sich nicht ernsthaft bedroht fühlt, wenn es um Kapitalverbrechen geht. Ihrem Denkmuster folgend, bräuchte es dann sich keine Polizei, um diese Gewaltverbrechen aufzuklären? Aufschlussreich Ihre Denkstruktur, jedoch nicht zustimmungswürdig.Der Journalist Tichy gehört durchaus zu denjenigen, denen man seriösen und gut recherchierten Journalismus ans Revers heften kann. Er betreibt eben keinen Relotius-Journalismus nach dem Gusto von Demagogen. Er legt den Finger in die Wunde und beschreibt seriös recherchierte Realitäten. In Diktaturen läuft das anders nach dem Gusto der Machthaber.

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22.03.2019 10:43 Kirchenmitglied 72

@Paule (70), noch nie was vom barmherzigen Samariter gehört?

22.03.2019 10:12 Janes 71

@Semmel 53: Das Chemnitzer Stadtfest mit dem Münchner Oktoberfest zu vergleichen ist schon sehr sehr grobmotorisch.

Besucher zum Chemnitzer Stadtfest: 260.000 in 2017 (laut Freie Presse)
(2013 waren es knapp 200.000)

Besucher Oktoberfest München (2018): 6,3 Millionen, 1,1 Milliarden Umsatz (Quelle: Statista)
Die würden vermutlich eher absagen, wenn keine Ausländer mehr kommen.

21.03.2019 22:15 Paule 70

Bisher habe ich Kirchenmitglieder immer hoch geachtet. Scheinen aber allmählich zu einer merkwürdigen Sekte mutieren.

21.03.2019 21:43 Mediator an Alter Chemnitzer(67) 69

Finden sie es nicht seltsam, dass sich kein Mensch von den ca. 2500 gewaltsamen Todesfällen in Deutschland, die es seit Jahrzehnten Jahr für Jahr gibt, ernsthaft bedroht fühlt? Jeden Tag kommen in Deutschland ca. 7 Menschen gewaltsam ums Leben und das seit Jahrzehnten. Neonazis marschieren jedoch nicht jeden Tag zusammen mit einer Partei die im Bundestag sitzt durch die Straßen einer Stadt, skandieren Losungen in denen der Tod von Menschen angedroht wird und hetzten anschließend Ausländer durch die Straßen oder überfallen jüdische Restaurants.

Deswegen ist der Ruf der Stadt Chemnitz auf den Hund gekommen und nicht weil hier ein Tötungsdelikt stattgefunden hat das leider alltäglich in unserem Land ist.

21.03.2019 21:39 Fakt 68

>>Alter Chemnitzer, #67:
"..man muss sich den Ruf der Stadt nicht mit solchen kriminellen Messerstechern kaputt machen."<<
--------
Stimmt. Um den Ruf der Stadt zu schädigen reichen auch die rechten Aufzüge in Chemnitz. Und die schädigen den Ruf sicherlich mehr, als eine Straftat im vergangenen Jahr.

21.03.2019 20:59 Alter Chemnitzer 67

Alter Chemnitzer an Mediator58 Sie reden Unsinn, wenn sie behaupten das Menschen die Vorkommnisse der Messerstecher von Chemnitz ausblenden und so tun könnten das es das normalste der Welt wäre was dort geschehen ist. Die Stadt Chemnitz hat richtig entschieden, man muss sich den Ruf der Stadt nicht mit solchen kriminellen Messerstechern kaputt machen. Vor 2015 gab es auch handfeste Auseinandersetzungen auf Volksfesten, aber das was jetzt abgeht ist eine neue "Qualität" und die brauchen wir hier nicht.

21.03.2019 20:50 DER Beobachter @ Naja 2 66

Ich weiß nicht, ob Sie das Interview tatsächlich gelesen haben. Entweder lügt dieses Paar oder das Interview ist erfunden. Selbst konservative Medien wie der Cicero zweifeln an dessen Echtheit...

21.03.2019 20:41 DER Beobachter @ Naja 65

Na, dann war wohl die Rennerei der Polizisten an besagten Tagen in voller Montur bestimmt nur ein Belastungstraining unter Simulation einsatznaher Bedingungen...

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