Beratungstische und Aufsteller in einem Foyer mit Kunden
Beim Aktionstag zum Thema Demenz konnten sich die Besucher über die Angebote verschiedener Einrichtungen informieren. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

21.09.2019 | 19:05 Uhr Demenznetzwerk in Chemnitz will Angehörige unterstützen

Zum Weltalzheimertag haben am Sonnabend in Chemnitz das DemenzNetz_C und der Verein Landesinitiative Demenz Sachsen zu einem Aktionstag in der TU Chemnitz eingeladen. Bei Vorträgen und an Informationsständen verschiedener Akteure sollten Barrieren im Umgang mit Demenz abgebaut und Möglichkeiten im Umgang mit der Krankheit erörtert werden. Das Motto der Veranstaltung lautete dementsprechend "Demenz. Einander offen begegnen."

Beratungstische und Aufsteller in einem Foyer mit Kunden
Beim Aktionstag zum Thema Demenz konnten sich die Besucher über die Angebote verschiedener Einrichtungen informieren. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Jan Schneider, beim Dozent beim Klinikum Chemnitz. Er ist Experte für Demenz und klärte bei dem Aktionstag über die Symptome der Demenz auf. "Es ist natürlich unstrittig, dass bei den meisten Menschen die kognitive Leistungsfähigkeit im höheren Alter abnimmt. Das muss man natürlich trennen von der klinischen Demenz. Es gibt da auch nicht nur eine, sondern verschiedene Arten von Demenz. Grob kann man sagen, dass es vaskuläre, also gefäßbedingte Demenzen gibt und nichtvaskuläre, zu der die Alzheimer-Erkrankung zählt."

Die Symptome kann man drei Säulen zuordnen:

1. kognitive Symptome die die Hirnleistung betreffen (Lesen, Schreiben, Rechnen, das Auffassen und das Ableiten von Handlungen daraus)

2. nicht-kognitive Symptome, also Verhaltensauffälligkeiten

3. die verloren gegangene Fähigkeit, die Aktivitäten des täglichen Lebens zu bewältigen

In all diesen Bereichen können Symptome auftreten, die am Ende eine solche Diagnose begründen.

Typisch für Demenz ist noch nicht, dass ich nicht weiß, wo ich meinen Schlüssel hingelegt habe. Das kennt jeder von uns. Aber im Winter bei minus 20 Grad in einer kurzen Hose an der Bushaltestelle zu stehen, das ist etwas anderes. Diese Fehleinschätzung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Jan Schneider Klinikum Chemnitz

Ina Platzer und Jan Schneider stehen nebeneinander
Ina Platzer vom Chemnitzer Sozialamt und Dozent Jan Schneider vom Klinikum Chemnitz Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Pflegende Angehörige überlasten sich zu häufig

Ina Pelzer, im Sozialamt Chemnitz für den Fachbereich Senioren- und Behindertenhilfe zuständig, will mit dem DemenzNetz_C für das Thema Demenz sensibilisieren. "Das Demenznetz hat sich 2016 gegründet und besteht aus Trägern, Diensten, der öffentlichen Verwaltung, Krankenhäusern und allen, die sich mit dem Thema Demenz beschäftigen. Wir erfassen die Angebote in der Stadt und kümmern uns darum, wie die Informationen zu den Betroffenen kommen."

Dazu gebe es auch spezielle Nachmittage für pflegende Angehörige. Das seien 'Sorgenkinder', die sich selbst bei der Pflege nur wenig selbst entlasten würden. "Mit diesen Themennachmittagen versuchen wir, mit den Angehörigen in Kontakt zu kommen. Die Pflegebedürftigen werden in dieser Zeit von einem Pflegedienst hier betreut. Damit sollen die Angehörigen für eine gewisse Zeit Entspannung finden." Gleichzeitig solle ihnen vermittelt werden, dass sie die Hilfe von Pflegediensten und der Tagespflege in Anspruch nehmen könnten.

"Die Schwierigkeit besteht darin, die Angehörigen erst einmal zu erreichen. Wir haben in diesem Jahr alle Hausärzte der Stadt aufgesucht. Dazu arbeiten mit Apotheken und Reha-Häusern zusammen, also mit den Einrichtungen, zu denen die pflegenden Angehörigen möglicherweise kommen. Dort erhalten sie dann unsere Informationen."

Hilfe für Betroffene in Chemnitz

Das Sozialamt Chemnitz berät Hilfesuchende am Demenztelefon unter der Nummer 0371 488-5555.

Wöchentlich wird donnerstags zwischen 14.00 und 18.00 Uhr im Chemnitzer Sozialamt auf der Bahnhofstraße 53 eine Demenz-Beratung für Betroffene und Angehörige angeboten. Interessenten werden gebeten, unter der Nummer 0371 488-5564 einen Termin zu vereinbaren .

In einem Hörsaal sitzen Zuhörer bei einem Vortrag
Die Vorträge beim Demenz-Aktionstag waren gut besucht. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Sachsen fördert Alltagsbegleiter

Sachsen geht einen eigenen weg bei der Betreuung von Menschen mit Demenz. Hier sollen sie so lange wie möglich im eigenen Haushalt leben. "So fördern wir als einziges Bundesland die Alltagsbegleiter", so Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch. Sie stehen Menschen ab einem Lebensalter von 60 Jahren und bereits auch ohne Pflegegrad im Alltag in ihrer eigenen Häuslichkeit unterstützend zur Seite. Sie können die Betroffenen beim Einkaufen, bei Behördengängen oder bei Arztbesuchen begleiten. Auch eine gemeinsame Freizeitgestaltung mit Spaziergängen, Karten spielen oder Vorlesen ist so möglich.

Menschen mit Demenzerkrankung haben die vielfältigsten Bedürfnisse, Ängste, Unterstützungsbedarfe. Ich halte es für einen entscheidenden Schritt, den Menschen, die an dieser Krankheit erkrankt sind, mit Offenheit zu begegnen, ihre Nöte zu akzeptieren

Barbara Klepsch Gesundheitsministerin Sachsen

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR Sachsenspiegel | 21.09.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2019, 19:05 Uhr

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