Eine Gedenkplatte mit der Aufschrift «Daniel H. - 26.08.2018» an der Stelle der Gewalttat unweit des Karl-Marx-Monumentes.
Seit Ende Dezember erinnert eine Gedenkplatte an den gewaltsamen Tod von Daniel H. Seine Familie hat die Öffentlichkeit darum gebeten, keine Blumen, Kerzen oder andere Gegenstände mehr hier abzulegen. Die Angehörigen wollen privat trauern. Bildrechte: dpa

Mehr als 100 Zeugen vernommen Staatsanwaltschaft Chemnitz erhebt Anklage im Fall Daniel H.

26. August 2018: Am Rande des Stadtfestes Chemnitz kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe von Deutschen und Asylbewerbern. Der 35 Jahre alte Daniel H. wird dabei tödlich verletzt. Nun hat die Staatsanwaltschaft gegen einen der Tatverdächtigen Anklage erhoben. Ein zweiter ist weiter flüchtig. Gegen einen dritten Mann läuft ein weiteres Verfahren, über das demnächst entschieden werden soll. Die Ereignisse jener Nacht haben Chemnitz mit einem Schlag verändert, auch, weil rechte Gruppen die Tat für ihre Zwecke missbrauchten.

Eine Gedenkplatte mit der Aufschrift «Daniel H. - 26.08.2018» an der Stelle der Gewalttat unweit des Karl-Marx-Monumentes.
Seit Ende Dezember erinnert eine Gedenkplatte an den gewaltsamen Tod von Daniel H. Seine Familie hat die Öffentlichkeit darum gebeten, keine Blumen, Kerzen oder andere Gegenstände mehr hier abzulegen. Die Angehörigen wollen privat trauern. Bildrechte: dpa

Im Fall des im August in Chemnitz getöteten Daniel H. hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Wie die Behörde am Dienstag mitteilte, muss sich der Syrer Alaa S. wegen gemeinschaftlichen Totschlags in Tatmehrheit mit gemeinschaftlichem versuchten Totschlag und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen verantworten. Alaa S. werde zur Last gelegt, am 26. August 2018 gegen 3:15 Uhr auf der Brückenstraße in Chemnitz "im Zuge eines Streits ohne rechtfertigenden Grund" mit einem Messer bewusst vier Mal in den Brustbereich und einmal in den Oberarm von Daniel H. eingestochen zu haben. Außerdem haben nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Alaa S. und der derzeit noch flüchtige Iraker Farhad R.A. einem Begleiter von Daniel H. in den Rücken gestochen. "Der Angeschuldigte nahm hierbei zumindest billigend in Kauf, die beiden Geschädigten tödlich zu verletzen", so die Staatsanwaltschaft.

Laut Anklage starb Daniel H. an den Folgen der schweren Stichverletzungen in Herz und Lunge. Sein Begleiter Dimitri M. erlitt eine drei bis vier Zentimeter lange lebensgefährliche Stichverletzung im linken Rückenbereich und musste mehrere Tage stationär behandelt werden.

Ereignisse mit Hilfe von mehr als 100 Zeugen rekonstruiert

Um die Ereignisse des 26. August 2018 zu rekonstruieren, hat die Staatsanwaltschaft mehr als 100 Zeugen vernommen, einige von ihnen mehrfach. Demnach war der noch flüchtige Iraker Farhad R.A. in jener Nacht auf die Gruppe um Daniel H. gestoßen. Etwas abseits der Gruppe habe er sich mit Daniel H. unterhalten und sei in Streit geraten. "Worum es bei diesem Streit ging, konnte bislang nicht aufgeklärt werden", so die Staatsanwaltschaft. "Im Rahmen der lautstarken Auseinandersetzung, bei der es auch zu wechselseitigen Tätlichkeiten der beiden Beteiligten gekommen war, kam der Beschuldigte Farhad R.A. schließlich zu Fall." Erst zu diesem Zeitpunkt soll der Angeklagte Alaa S., der sich bis dahin in einem nahegelegenen Döner-Imbiss aufgehalten hatte, auf die beiden aufmerksam geworden und Farhad R.A. zur Hilfe gekommen sein. Nach einer kurzen Unterhaltung zwischen dem Syrer und dem Iraker seien die beiden schließlich auf Daniel H. zugegangen und hätten auf ihn eingestochen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die Verfahren gegen Farhad R.A., der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, und seinen Landsmann Yousif I.A. abgetrennt. Yousif I.A. saß zunächst in Untersuchungshaft, wurde aber am 15. September entlassen. Über sein Verfahren werde in "absehbarer Zeit" entschieden, so die Staatsanwaltschaft. Welche Rolle er in der nächtlichen Auseinandersetzung spielte, darüber machte die Staatsanwaltschaft zunächst keine Angaben.

Rechte Gruppen instrumentalisierten Tod von Daniel H.

Der Tod des 35 Jahre alten Daniel H. hatte im Spätsommer zahlreiche Proteste nach sich gezogen. Wochenlang stand die drittgrößte Stadt Sachsens im Fokus, nachdem rechte Gruppen die Tat instrumentalisierten. Es kam zu fremdenfeindlichen Übergriffen, rechten Demonstrationen sowie Anschlägen auf ausländische Restaurants.

Quelle: MDR/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.01.2019 | ab 12:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 08.01.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2019, 12:11 Uhr

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