22.01.2020 | 05:45 Uhr Bahn plant Elektrifizierung Chemnitz - Leipzig bis 2028

Ein Zug der neuen RegionalExpress-Linie RE 6 Leipzig-Chemnitz steht am 16.10.2015 während einer Präsentation im Hauptbahnhof Chemnitz.
Derzeit gibt es vor allem Reichsbahn-Flair zwischen Chemnitz und Leipzig. Bildrechte: dpa

Die Deutsche Bahn will bis Ende 2028 die Eisenbahnstrecke Chemnitz - Leipzig elektrifizieren. Das geht aus einer Präsentation des bundeseigenen Verkehrskonzerns hervor, die MDR SACHSEN vorliegt. Zu Kosten und Finanzierung macht die Bahn dort keine Angaben, verweist aber auf den Entwurf des Strukturänderungsgesetzes Kohleregionen des Bundes. Die Kohlekommission hatte die Modernisierung der Bahnstrecke als Infrastrukturmaßnahme im Rahmen des Strukturwandels nach dem Braunkohle-Aus vorgeschlagen.

Nur Hälfte der Strecke zweigleisig geplant

Karte Bahn Chemnitz - Leipzig
Bildrechte: MDR/Deutsche Bahn

Wie aus der Präsentation weiter hervorgeht, soll nur die Hälfte der 80 Kilometer langen Strecke zweigleisig ausgebaut werden. Zwischen Bad Lausick und Geithain sowie Cossen und Burgstädt plant die Bahn demnach weiter mit eingleisigem Betrieb. Das schränkt die Kapazität der Schienenverbindung zwischen den beiden Großstädten ein und muss im Fahrplan berücksichtigt werden. Wichtig für Anwohner: Lärmschutz ist nur dort gesetzlich vorgeschrieben, wo die Strecke wesentlich verändert - konkret zweigleisig ausgebaut - wird.

Ferner plant die Deutsche Bahn einen neuen Haltepunkt zwischen Herrenhaide und Taura sowie die Reaktivierung der Station Cossen. Zudem soll ein neu geplanter Haltepunkt in der Chemnitzer August-Bebel-Straße in den Streckenausbau integriert werden. Unklar ist hingegen noch, ob die Bahnstrecke Rochlitz - Narsdorf wieder aktiviert wird und Anschluss bietet. Seit 2001 ist die Stadt Rochlitz ohne Schienenverkehr, zuvor war die Kleinstadt ein regionaler Eisenbahnknoten im Muldental.

Ob die Bahn künftig auch selbst finanzierten Fernverkehr auf der Verbindung plant, geht aus der Präsenation nicht hervor. Intercity- oder ICE-Anschluss fordern Kommunen und Wirtschaft in der Chemnitzer Region. In der Präsentation steht als eine der "Prämissen für die weitere Planung der Gesamtstrecke" wörtlich: "Stabile Bestellgrundlage (Freistaat Sachsen oder Bund?)". Augenscheinlich setzt die Bahn auf Nahverkehr, der wie bisher von den Verkehrsverbünden bezahlt wird, und nicht vordergründig auf eigenwirtschaftliche Fernverkehrszüge.

Anwohner sollen bis Februar informiert werden

Bis 20. Februar werden nach Angaben der Deutschen Bahn die Einwohner entlang der Strecke über den aktuellen Planungsstand informiert. Bahnreisende müssen sich während des Ausbaus auf Totalsperrungen der Strecke in zwei Abschnitten einstellen.

Derzeit fahren zwischen Chemnitz und Leipzig von Dieselloks gezogene Regionalexpress-Züge aus modernisierten Waggons der ehemaligen Deutschen Reichsbahn der DDR. Die Züge stehen seit Jahren in der Kritik, eine Umstellung auf moderne Fahrzeuge scheiterte jedoch bisher, obwohl das sächsische Wirtschaftsministerium seine Unterstützung zugesagt hatte. Die Mitteldeutsche Regiobahn als Betreiber verweist indes auf die Ausschreibung des Verkehrsverbundes Mittelsachsen. Laut dieser Ausschreibung genügen die aktuell eingesetzten Fahrzeuge.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.01.2020 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 05:53 Uhr

7 Kommentare

andreas1058 vor 3 Wochen

Erstaunlich, dass der geneigten Bevölkerung endlich einmal eine "Vorstellung" durch die DB präsentiert wird, wie die Bahnverbindung zwischen Chemnitz und Leipzig ertüchtigt werden soll. Keiner sollte sich aber der Illusion hingeben, dass dieser Termin 2028 steht, denn neben dem fehlenden Baurecht für diese Strecke kann es ja "zufällig" passieren, dass die Finanzierung fehlt....es grüßt Stuttgard 21 und oder andere viel, viel wichtigere Vorhaben der Bahn.
Dem MDR möchte ich aber ausdrücklich danken, dass das Thema Bahnanbindungen in all den unterversorgten Gebieten immer wieder aufgreift. Allerdings scheint es die Chefetagen von Bahn und Verkehrsministerium kaum zu interessieren.

Verkehrswende vor 3 Wochen

Naja. Ich finde die Planung ist kein völliger Sparplan!
Der Mdr hat falsch gerechnet. Ich habe nachgemessen. Es sind rd. 17km von 81km, die Eingleisig ausgeführt werden! Das sind unter 1/4 der Strecke!
Du musst bedenken, dass man viele der bestehenden HP (vor Leipzig z.B.) umbauen/erweitern muss. Außerdem kommen 3 neue Haltepunkte hinzu, welche alle 3 sehr sinnvoll sind! Ärgerlich sind nur die 17km.

2028 macht halt einfach leider Sinn bei unseren Planungsverfahren. Hat ja jeder Anlieger ein gewisses Mitspracherecht! Bis 2023 könnte z.B. die Planung dauern. Dann OHNE Unterbrechung des Bahnbetriebs Ausbau bis 2027. Dann Strecke testen & 2028 das Liniennetz umstellen.

Uwe2020 vor 3 Wochen

Was ist das nur für eine Schande, man kann sich einfach nur noch fremdschämen.
Nach der Wahl in Sachsen hört man von der Landesregierung gar nichts mehr - im Wahlkampf wurde vieles versprochen. Wollen wir so das 21. Jahrhundert meistern?
Was sind unsere Ziele: Bonpflicht für Brötchen, Abschaltung von wichtigen Stromerzeugern, 1/4 Jahrhundert für einen Stadtflughafen?
Es existiert so ein Gefühl das hier bald die Lichter ausgehen werden. Schade

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