Ein Polizeifahrzeug steht vor einem Polizeirevier (mit Zoomeffekt)
Bildrechte: dpa

Fremdenfeindliche Beschimpfungen Iraner verletzt, "Bürgerwehr"-Mitglieder in Chemnitz festgenommen

In Chemnitz ist am Freitagabend ein junger Iraner verletzt worden. Er und seine Bekannten waren auf der Schlossteichinsel unterwegs, als sie von einer Gruppe angegriffen und fremdenfeindlich beschimpft wurden. Kurz zuvor gaben sich die Angreifer vor Geburtstagsgesellschaft als "Bürgerwehr" aus und verlangten die Ausweise.

Ein Polizeifahrzeug steht vor einem Polizeirevier (mit Zoomeffekt)
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Erneut ist es in Chemnitz zu einem mutmaßlich fremdenfeindlichen Überfall gekommen. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, wurde dabei ein 26-jähriger Iraner verletzt. Gegen sechs Mitglieder einer selbst ernannten Bürgerwehr erging Haftbefehl.

"Bürgerwehr" bedroht Geburtstagsgesellschaft

Nach Angaben der Ermittler ereignete sich der Vorfall am Freitag gegen 21:15 Uhr auf der Schlossteichinsel nahe der Promenadenstraße. Demnach waren an dem Übergriff mindestens 15 Personen beteiligt. Zunächst verlangten sie von einer zehnköpfigen Gruppe deutscher Jugendlicher, die einen Geburtstag feierten, die Ausweise. Zeugen sagten aus, die 15-köpfige Truppe hätte sich als Bürgerwehr bezeichnet. Die jungen Leute ergriffen die Flucht und alarmierten die Polizei.

Angriff auf Deutsche, Iraner und Pakistaner

Die mutmaßlichen Angreifer liefen daraufhin zu einer weiteren siebenköpfigen Gruppe auf der Schlossteichinsel und kreisten sie ein. Die Deutschen, Iraner und Pakistaner wurden nach Angaben der Polizei fremdenfeindlich beschimpft. Der 26-jährige Iraner wurde zudem durch einen nicht näher bezeichneten Gegenstand verletzt.

Sechs Tatverdächtige verhaftet

Die Polizei setzte die 15 Tatverdächtigen unmittelbar nach dem Vorfall auf der Schlossteichinsel fest und nahm sie in Gewahrsam. Während neun von ihnen die Polizeidienststelle in der Nacht verlassen durften, erging gegen sechs Tatverdächtige im Alter zwischen 27 und 33 Haftbefehl. Ihnen wird gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Landfriedensbruch vorgeworfen. Einer der Tatverdächtigen stand bereits unter Bewährung. Die Hauptverhandlungen gegen die Männer sind kommende Woche am Chemnitzer Amtsgericht geplant.

Tunesier und Afghanen attackiert

Erst am Freitag hatte die Polizei in Chemnitz mitgeteilt, dass sie nach einem Übergriff auf einen 41 Jahre alten Tunesier ermittelt. Dabei würden auch mögliche Zusammenhänge mit einer Attacke auf einen 20 Jahre alten Afghanen am 1. September im Stadtteil Markersdorf untersucht. In beiden Fällen waren die Opfer von vier Unbekannten angegriffen worden.

18 Anzeigen nach Pro-Chemnitz-Demo

In Chemnitz hatte am Freitagabend das rechte Bürgerbündnis Pro Chemnitz zu einer Demonstration aufgerufen. Wie die Polizei mitteilte, nahmen insgesamt rund 3.500 Menschen teil. Zunächst versammelten sich am Karl-Marx-Monument unter dem Motto "Wir sind mehr, wir kommen wieder!" etwa 1.000 Anhänger. Auf dem Weg durch die Innenstadt wuchs der Demozug weiter an. Sowohl die Kundgebung als auch die Demonstration verliefen nach Angaben der Polizei störungsfrei.

Allerdings nahmen die Beamten 18 Strafanzeigen auf, vorwiegend wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz sowie das Waffengesetz. So hatten mehrere Quarzhandschuhe oder Vermummungsgegenstände dabei. Gegen einen 26-Jährigeren wurde Anzeige wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gestellt. Er hatte eine Kette mit einem Hakenkreuz-Anhänger getragen. Ein weiterer Versammlungsteilnehmer soll den Hitlergruß gezeigt haben.

Die Polizei war mit insgesamt 900 Beamten im Einsatz, darunter waren auch Beamte aus Brandenburg und von der Bundespolizei. Zudem waren die Reiterstaffel der sächsischen Polizei und Wasserwerfer nach Chemnitz beordert worden.

Demonstranten mit Deutschlandfahnen ziehen durch eine Straße
Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration am Freitag weitgehend störungsfrei. Bildrechte: Härtelpress/Harry Härtel

Quelle: MDR/tfr/jr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 15.09.2018 |19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 15. September 2018, 19:51 Uhr

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