Forschungsprojekt TU Chemnitz testet autonome Shuttle im ländlichen Raum

Autonomes Shuttle der TU Chemnitz
Sechs Shuttles sind im Rahmen des Forschungsprojekts auf drei Teststrecken in Hof, Kronach und Rehau in Oberfranken auf den Straßen unterwegs. Bildrechte: IN-VISIONEN

Öffentlicher Nahverkehr ist im ländlichen Raum an vielen Orten nur sehr eingeschränkt verfügbar. Eine Lösung dafür könnten autonome Shuttles sein. Die Technische Universität Chemnitz forscht derzeit in dem Verbundprojekt Shuttle-Modellregion Oberfranken (SMO) daran, in Zukunft selbstfahrende Shuttles auf die Straße zu bringen. Sechs Shuttles sind im Rahmen des Forschungsprojekts auf drei Teststrecken in Hof, Kronach und Rehau in Oberfranken auf den Straßen unterwegs. Sie sollen zukünftig auch mit Fahrgästen getestet werden. Das verhindert aber die aktuelle Corona-Infektionslage.

Die Forscher in Chemnitz beschäftigen sich in dem Forschungsprojekt damit, wie man dem Fahrzeug ein Gefühl für die Fahrzeugumgebung vermitteln kann. "Die Shutttles in dem Projekt können bereits einprogrammierte Strecken selbstständig fahren", erklärt Philipp Lindner, der gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeitern an dem Projekt in Chemnitz forscht. "Wir wollen erreichen, dass sich das automatisierte Fahrzeug sicher und komfortabel im Straßenverkehr bewegt."

Vorausschauendes Fahren ermöglichen

Bislang erfasse die Sensorik der Fahrzeuge nur, was im Sichtbereich von etwa 50 Metern liegt. "Aber Menschen können vorausschauend fahren, da sie wissen, was an Hindernissen auf der Strecke auf sie zukommt", so Lindner. Das können zum Beispiel schwer einsehbare Kreuzungen sein, an die der Mensch dann sein Fahrverhalten anpasst. Lindner vergleicht das bisherige Können der Shuttles mit einem einäugigen Fahrer ohne Ohren: "Er würde langsam fahren und stärker bremsen. Das Fahren wäre möglich, aber nicht erstrebenswert."

Autonomes Shuttle der TU Chemnitz - Innenansicht
Jedes Shuttle bietet insgesamt elf Sitzplätze. Aktuell gibt es zwar keinen Fahrer mehr, aber einen Operator, der alle Vorgänge überwacht. Bildrechte: IN-VISIONEN

Das Ziel der Chemnitzer Forscher ist, die Wahrnehmung der Shuttles auf 500 Meter bis zu einem Kilometer zu erweitern. "Eine Möglichkeit dazu ist, dass das Shuttle mit anderen Fahrzeugen im Umfeld kommuniziert", sagt Lindner. Darüber könnte mitgeteilt werden, wie es auf der Strecke aussieht, ob es neue Verkehrszeichen, Hindernisse oder Staus gibt. Moderne Autos haben mit verschiedenen Fahrassistenzsystemen bereits jetzt die Möglichkeit, Informationen auf der Strecke zu sammeln. "Aber die Informationen bleiben im Moment im eigenen Fahrzeug", so Lindner. In Zukunft sollen diese dann mit anderen Fahrzeugen geteilt werden können. "Das sind aber Lösungen weit in der Zukunft."

Reale Forschungsbedingungen

In dem Forschungsprojekt geht es im ersten Schritt darum, Daten und Sensorinformationen aufzuzeichnen, wenn die Shuttles eine bestimmte Strecke fahren. Daraus sollen dann im Labor Algorithmen entwickelt werden. Im zweiten Schritt werden die Ergebnisse in einem der Shuttles ausprobiert. "Der Vorteil ist, dass wir mit Sensorinformationen aus der Realität und nicht mit Laborbedingungen arbeiten können", sagt Lindner.

Intelligente und vernetzte Mobilität ist für ihn ein Zukunftsmarkt. "Langfristig sind die Systeme so ausgelegt, dass sie mindestens so gut sind wie der Mensch", erzählt er. Rund alle zwei Jahre würden in Autos neue Assistenzsysteme und Funktionen freigeschalten, die der nächste Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren seien. "Es wird aber immer nur das freigeschalten, was wirklich funktioniert", so Lindner. "Es ist ein evolutionärer Weg."

Shuttle-Modellregion Oberfranken Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderte Forschungsprojekt Shuttle-Modellregion Oberfranken (SMO) verfolgt das Ziel, den Betrieb von insgesamt sechs hochautomatisiert fahrenden Shuttles im öffentlichen Straßenraum zu erproben. Die Fahrzeuge bieten jeweils Platz für maximal zehn Fahrgäste und werden ab 2021 in Kronach, Hof und Rehau mit Fahrgästen unterwegs sein. Die verschiedenen Anwendungsfälle touristischer Verkehr (Kronach), Anbindung Bahnhof-Innenstadt (Hof), beide als Ergänzung zum örtlichen Personennahverkehr, sowie der Werksverkehr in Rehau helfen dabei, die innovative Mobilitätsform im Livebetrieb zu erproben und neue Marktmodelle zu entwickeln.

Quelle: MDR/al

2 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 5 Wochen

...und in Nürnberg (der ungeliebten Kulturhauptstadt-Bewerbungs-"Konkurrentin") gibt's autonomes Fahren schon viel länger ! Ganze U-Bahn-Linien sind dort schon "führerlos" unterwegs ....

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 5 Wochen

In Gera (siehe mdr-thueringen-Bericht)

rollt der autonome Kleinbus "EMMA"

schon seit Monaten...


...und die TU "testet" noch immer ?!

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