07.08.2019 | 16:37 Uhr "Begehungen" bringen Kunst in die alte Braustolzbrauerei Chemnitz

In der nächsten Woche wird die Braustolzbrauerei in Chemnitz zur Galerie. 19 Künstler aus Deutschland, Österreich und Großbritannien zeigen in den leeren Hallen Installationen, Malerei und Performancekunst.

Ein grellroter Kreis auf einer weißen Wand
Die Künstlerin Karima Klasen will den ganzen Raum in ein begehbares Kunstwerk verwandeln. Den Boden wird sie mit reflektierender Folie gestalten und hofft, dass der "Farbrausch im Auge und auch im Körper des Besuchers wirken" wird. Bildrechte: MDR/Anett Linke

"Wir sind bei der Organisation des Festivals mit großem Enthusiamus und einer Portion Wahnsinn dabei", sagt Lars Neuenfeld über das Organisationsteam des Kunstfestivals "Begehungen". Das passt zum diesjährigen Motto "Rausch". Das Thema wäre aktuell und gesellschaftlich relevant, so Festivalleiter Frank Weinhold. Es gäbe viele verschiedene Assoziationen auch abseits von Drogen und Alkohol. "Wir leben ja in einer Art permanentem Rausch und haben dieses 'Nimmersattgefühl'", sagt Weinhold. "Auch die sozialen Medien spielen da eine große Rolle."

360 Bewerbungen von Künstlern hatte das Festival in diesem Jahr. Eine Jury hat davon 19 ausgewählt, die sich in der alten Braustolzbrauerei in Chemnitz präsentieren dürfen. Die Kunstwerke reichen von Performances über Sound- und Videoinstallationen bis hin zur Malerei. Der Fokus des Festivals liegt dabei auf junger, zeitgenössischer Kunst.

Ort und Motto gehen Hand in Hand

Alte Flaschensortieranlage in der Brauerei
Alte Flaschensortieranlage in der Brauerei Bildrechte: MDR/Anett Linke

Es sei eine Herausforderung jedes Jahr einen neuen Ort zu finden, erzählt Weinhold. "Es ist sehr schön, dass die Brauerei erst seit zwei Jahren leersteht. Da gab es noch nicht viel Vandalismus." Ort- und Themenfindung gehen bei den "Begehungen" immer Hand in Hand. "Das Thema Rausch passt gut in die Brauerei, auch wenn wir natürlich über den Alkoholrausch hinausschauen." Trotzdem wird es für die Besucher ein "Rauschbier" einer lokalen Brauerei mit einem speziellen Etikett geben.

Das Rahmenprogramm fällt dieses Jahr deutlich größer aus als in den Vorjahren. Beim Wettbewerb von "Chemnitz ist weder grau noch braun" gewannen die "Begehungen" 15.000 Euro für ihr Projekt. "Wir haben viele gute Bands im Rahmenprogramm", so Lars Neuenfeld. "Die hätten wir uns sonst nicht leisten können." Ein besonderes Highlight wird der Rave sein, der im Brauereikeller stattfinden wird. Außerdem wird es Performances, Vorträge, eine Filmpräsentation und ein Kinderprogramm geben.

Katharina Bevand an ihrer Soundinstallation
Katharina Bevand wird eine Soundinstallation in den alten Biertanks präsentieren. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Inklusion wird großgeschrieben

Seit vier Jahren verfolgt das Festival auch einen inklusiven Ansatz. Es gibt Führungen in Gebärdensprache, Audioguides und überall Rollstuhlrampen. Zwei Räume, die Besucher nicht ohne Treppen erreichen können, werden in einem "Tandem-Video-Projekt" in Kooperation mit dem "Chaos Computer Club Chemnitz" für alle erlebbar gemacht. Dabei geht ein Partner die Räume mit einer Videokamera ab und der andere kann sich unten die Übertragung anschauen. Erstmalig wird es auch in Kooperation mit dem Holzkombinat drei Adaptionen von Kunstwerken geben, die die Kunst ertastbar machen sollen. Dabei werden verschiedene Farben mit unterschiedlichen Oberflächen dargestellt.

Kooperation mit der Partnerstadt Manchester

Elliot Flanagan
Elliott Flanagan wird in diesem Kellerraum der Brauerei seine Videoinstallation zeigen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Der britische Künstler Elliott Flanagan ist im Rahmen des Kunstfestivals drei Wochen in Chemnitz zu Gast. Die "Begehungen" kooperieren in diesem Jahr mit einem Kunstfestival in Manchester, um dem Festival eine europäische Dimension zu geben. Flanagan vertritt Manchester bei den "Begehungen". "Es ist toll, sich drei Wochen ganz seiner Kunst widmen zu können", erzählt er. Er versuche, die Stadt auf sich als Fremden wirken zu lassen und diese Eindrücke dann in seiner Videoinstallation zu verarbeiten. Seine Unterbringung in einem Neubaublock hilft ihm dabei. "Die Wände sind sehr dünn und ich kann alles rundherum hören."

Bereits seit zwei Wochen lebt und arbeitet er in Chemnitz. Sein Eindruck von der Stadt ist positiv. "In den Medien wird Chemnitz sehr negativ präsentiert", sagt er. "Doch die Menschen, die das Festival organisieren und die in meinem Neubaublock leben, sind sehr großzügig und offen." In seinem Wohnhaus würden Menschen verschiedener Nationalitäten leben, die ihm Essen und Kaffee gebracht hätten. Chemnitz sei viel mehr als in den Medien gezeigt werde und es habe sehr viele tolle Sachen zu bieten.

"Begehungen" vom 15. bis 18. August 2019 Das Kunstfestival "Begehungen" existiert seit 2003. Jedes Jahr findet es an einem neuen ungenutzten Ort in Chemnitz mit einem neuen Thema statt und bespielt ihn für vier Tage mit einem Kunst- und Kulturprogramm. Das Festival wird komplett ehrenamtlich organisiert und präsentiert junge, zeitgenössische Kunst.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.08.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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