Kunstfestival in Chemnitz "Begehungen" bringen Kunst in den Plattenbau

Ab Donnerstag werden eine alte Kaufhalle und ein Plattenbau im ehemaligen Fritz-Heckert-Gebiet zur Galerie. 23 Künstler und Künstlerinnen zeigen in den leeren Hallen und Wohnungen Installationen, Malerei und Performancekunst.

Campinganhänger
Bildrechte: MDR/Anett Linke

Überall an und in der alten Kaufhalle im ehemaligen Fritz-Heckert-Gebiet in Chemnitz wird gewerkelt. Ab Donnerstag wird hier das Kunstfestival "Begehungen" stattfinden. In diesem Jahr stand das Organisationsteam vor besonderen Herausforderungen. "Es war lange nicht klar, ob es überhaupt klappt", erzählt Festivalleiter Frank Weinhold. Doch mit Hygienekonzept und einer Umstrukturierung des Festivalprogramms können die Begehungen in angepasster Form duchgeführt werden.

Ort und Motto gehen Hand in Hand

"Hier im Wohngebiet ist Kunst kein sehr großes Thema", sagt Weinhold. Das diesjährige Motto "Entwüfnisse: Ring 8" sei ein Kunstwort, das gleich mehrere Bedeutungen habe. Ring 8 stehe dabei für den letzten Bebauungsring des ehemaligen Fritz-Heckert-Gebiets, in dem sich auch die Festivalorte befinden. "Entwürfnisse setzt sich aus Entwurf und Zerwürfnisse zusammen", erzählt Weinhold. "Die Idee des Plattenbaugebiets stand einmal für Utopie und wurde nach der Wende von der Realität eingeholt."

Neubaublock
In den Erdgeschosswohnungen dieses Plattenbaus präsentiert jeweils ein Künstler seine Werke. Nach dem Kunstfestival soll der Block saniert werden. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Das Rahmenprogramm ist trotz der Corona-Einschränkungen das umfangreichste, das die Begehungen je hatten. "Wir haben versucht die Geschichte und den Umbruch des Gebiets aufzugreifen", sagt Mitorganisator Lars Neuenfeld. Geplant sind zum Beispiel Gesprächsrunden und Konzerte, die im Hof der Kaufhalle stattfinden sollen. 100 Personen können pro Programmpunkt teilnehmen.

Erfahrungsgemäß rechnet das Team mit Stoßzeiten am Sonnabend- und Sonntagnachmittag. "Unter Umständen kann es zu Wartezeiten kommen", so Neuenfeld. In die Kaufhalle können 70, in die Plattenbauwohnungen je fünf Personen gleichzeitig eingelassen werden. "Deswegen bieten wir auch Rundgänge und Vorträge an", sagt Neuenfeld. "So können wir alles entzerren und die Besucher haben die Möglichkeit den Stadtteil und seinen besonderen Charme kennenzulernen."

Frau neben Regal voller Fernseher
Künstlerin Constanze Klar hat sich für ihre audiovisuelle Installation von ihrer Kindheit im Plattenbau in Ostberlin und einem Text von Heiner Müller inspirieren lassen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Digitaler Künstleraufenthalt in Chemnitz

Die Aufenthalte, bei denen internationale Künstler einige Wochen in Chemnitz verbringen, konnten aufgrund von Corona fast ausschließlich an in Deutschland lebende Künstler vergeben werden. Zwei Künstler und Künstlerinnen sind ausschließlich digital anwesend und lassen ihre Kunst von Agenten vor Ort ausführen.

Christoph Mügge aus Schweden musste 14-Tage in Quarantäne, um bei dem Festival dabei zu sein. Sein erstes Projekt seit Beginn der Corona-Pandemie, ein Schilderwald aus Abstands-Piktogrammen und Grenzübergangsschildern, zeigt seine Interpretation des Pandemie-Themas.

Mann hält Zeitungen
Christoph Mügge arbeitet an seinem Kunstwerk im Hintergrund. Bis zur Eröffnung am Donnerstag muss es fertig sein. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Inklusion wird großgeschrieben

Seit fünf Jahren verfolgt das Festival auch einen inklusiven Ansatz. Es gibt Führungen in Gebärdensprache, Audioguides und überall Rollstuhlrampen. Die Wohnungen, die zu beengt für Rollstühle sind, werden in einem "Tandem-Video-Projekt" in Kooperation mit dem "Chaostreff Chemnitz e.V." für alle erlebbar gemacht. Dabei geht ein Partner die Räume mit einer Videokamera ab und der andere kann sich unten die Übertragung anschauen.

"Begehungen" vom 13. bis 16. August 2020 Das Kunstfestival "Begehungen" existiert seit 2003. Jedes Jahr findet es an einem neuen ungenutzten Ort in Chemnitz mit einem neuen Thema statt und bespielt ihn für vier Tage mit einem Kunst- und Kulturprogramm. Das Festival wird komplett ehrenamtlich organisiert und präsentiert junge, zeitgenössische Kunst.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.08.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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