31.05.2019 | 17:15 Uhr Bienensamenspende gegen Varroa-Milbenbefall

Bienenzuchtprogramm gegen Milbenbefall Chemnitz
Tomas Kyling fängt die Drohnen ein, denen Sperma für die künstliche Begattung entnommen werden soll. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Vorsichtig fängt Tomas Kyling eine Biene und setzt sie in eine bereitgestellte Kiste. Sein Kollegen Sandro Wittich wartet schon am Mikroskop, um den Drohnen Sperma zu entnehmen. Hintergrund ist eine seltene Aktion des Landesverbands der Buckfast-Imker im Technikmuseum Seilablaufanlage von Chemnitz.

Bis Sonntag sollen rund 300 Bienenköniginnen von 15 Züchtern aus ganz Sachsen künstlich begattet werden. Ziel ist es, Bienenvölker zu züchten, die selbst gegen die Varroa-Milbe vorgehen. Der gefährliche Parasit kann momentan nur mit Hilfe von Medikamenten bekämpft werden; allerdings mit starken Nebenwirkungen für die Bienen.

Der Befall mit Varroa-Milben führe zu Verlusten von bis zu 50 Prozent der Völker bei den Imkern, erklärt Dietmar Uhlemann, zweiter Vorsitzender des Landesverbands der sächsischen Buckfast-Imker. Das Hygieneverhalten gegen die Varroa-Milbe ist genetisch. Bienen, die diese Gene besitzen, erkennen, welche Wabe befallen ist und säubern diese. Diese sollen nun gezielt gezüchtet werden.

Bienenzuchtprogramm gegen Milbenbefall Chemnitz
Die Bienenkönigin wird unter Betäubung aufgespreizt. Dann kann ihr das vorher den Drohnen entnommene Sperma injiziert werden. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Die künstliche Begattung findet unter dem Mikroskop statt und ist ziemlich kompliziert, so Uhlemann. "Das Sperma der Drohnen wird mit einer feinen Kapillare abgenommen und dann in die Königin injiziert." Dafür braucht man eine ruhige Hand. Sandro Wittich dreht als erstes die Betäubung für die Bienenkönigin auf und biegt dann vorsichtig den Stachel aus dem Weg und injiziert das Sperma.

Auch letztes Jahr hat der Landesverband das Zuchtprogramm bereits durchgeführt. "Damals aber in einem kleineren Kreis von vier Personen. Wir haben dabei auch schon Bienenköniginnen gefunden, die die gewünschten Eigenschaften zu 100 Prozent haben", erzählt Uhlemann. Die Begattung ist der erste Schritt bei der Aktion. Mitte Juli werden die kleinen Bienenvölker mit den Milben infiziert. Ende Juli wird dann geschaut, bei welcher Zucht sich das hygienische Verhalten durchgesetzt hat. Langfristig sollen so Bienenvölker gezüchtet werden, die den Milbenbefall selbst regulieren können.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.05.2019 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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