07.11.2019 | 17:25 Uhr Bilanz zeigt Freud und Leid bei Lehrstellensuche in Sachsen

«Azubis gesucht» steht auf einem Banner am Stand einer Firma beim Forum Berufsstart Mitteldeutschland in Erfurt. Das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern will 2019 zum Jahr der Nachwuchs- und Fachkräftesicherung machen. Im Vorjahr war die Zahl neuer Ausbildungsverträge zwar auf 1980 gestiegen. Dennoch blieb etwa jede dritte Lehrstelle im Handwerk unbesetzt.
Bildrechte: dpa

In Sachsen suchen aktuell 933 junge Menschen eine Lehrstelle. Sie haben die Wahl aus derzeit 1.725 freien Ausbildungsplätzen. Das ist die Bilanz der Bundesagentur für Arbeit, die am Donnerstag in Chemnitz vorgestellt wurde. Demnach haben mehr als 21.100 Jugendliche im vergangenen Jahr mit Hilfe der Berufsberater einen Ausbildungsplatz gesucht. Bei den Agenturen für Arbeit waren im Zeitraum Oktober 2018 bis September 2019 rund 21.600 freie Berufsausbildungsstellen gemeldet.

Fest steht, dass nicht alle Lehrstellen mit einem passenden Bewerber besetzt werden können.

Klaus-Peter Hansen Vorsitzender der Geschäftsführung Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA).
Eine junge Frau blickt in der Agentur für Arbeit auf eine Aushängewand mit Zetteln für freie Ausbildungsstellen. Unternehmen klagen zum Start des Ausbildungsjahrs 2018 über fehlende Bewerber. Auf der anderen Seite ist die Zahl der jungen Menschen, die erfolglos einen Platz suchen, über die Jahre immer weiter gestiegen.
Eine junge Frau liest Aushänge mit Lehrstellenangeboten in der Agentur für Arbeit. Bildrechte: dpa

Die Bundesagentur leitet aus den Zahlen zweierlei ab: Der Fachkräftebedarf sächsischer Firmen ist ungebrochen hoch, aber nicht für jede Stelle finden sich geeignete Bewerber. "Berufsausbildung hat für beide Seiten ein Preisschild. Die Jugendlichen sind gefordert, eine gute Motivation und solide schulische Grundbildung für einen Erfolg versprechenden Ausbildungsstart mitzubringen", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, Klaus-Peter Hansen. Aber auch die Arbeitgeber sollten "besonders in den ersten Wochen der Ausbildung sorgsam mit der neuen Generation umgehen" und den Nachwuchs an ihre Betriebe binden, riet Hansen.

Positiver Trend im Handwerk - Minus bei IHK-Betrieben

Einen leichten Anstieg bei der beruflichen Ausbildung verzeichneten die drei sächsischen Handwerkskammern. Bis Ende September wurden insgesamt 5.423 neue Lehrverträge abgeschlossen. Das sind 86 neu eingetragene Lehrverhältnisse mehr (+1,6 Prozent) als im Vorjahr. "So erfreulich der Anstieg der Lehrverträge im Handwerk ist, reicht er aber nicht aus, den Fachkräftemangel im Handwerk zu lindern", urteilte der Präsident der Handwerkskammer zu Chemnitz, Frank Wagner.

Das waren die Top-Ten-Wunschberufe sächsischer Bewerber - Verkäufer/in
- Kaufmann/-frau im Einzelhandel
- Kfz-Mechatroniker - Pkw-Technik
- Kaufmann/-frau - Büromanagement
- Fachlagerist/in
- Tischler/in
- Mechatroniker/in
- Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung
- Verwaltungsfachangestellte in der Kommunalverwaltung
- Koch/Köchin

Mehr und mehr Unternehmen erhalten gar keine Bewerbungen mehr oder finden keine geeigneten Bewerber.

Dieter Pfortner Präsident IHK Chemnitz

Die Unternehmen aus dem Bereich der Industrie- und Handelskammern Chemnitz, Dresden und zu Leipzig haben 11.466 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 263 weniger als im Vorjahreszeitraum (- 2,2 Prozent).

Hier finden Interessierte Lehrstellen in Sachsen:

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2019, 17:35 Uhr

3 Kommentare

Kirchenmitglied vor 1 Wochen

"..., da sie aufgrund von Bezahlung oder Arbeitszeiten unattraktiv sind."

An den Arbeitszeiten lässt sich wenig drehen, wie z. B. Bäcker, wo der Arbeitstag um 2:00 Uhr früh beginnt. Aber was die Bezahlung betrifft - wie wäre es denn, wenn da die betreffenden Arbeitgeber endlich mal höhere Löhne zahlen würden? Im Westen, in Österreich und der Schweiz geht das doch auch!

Stealer vor 1 Wochen

@Sharis: Beides spielt eine Rolle. Bei manchen Berufen finden sich fast überhaupt keine Lehrlinge, da sie aufgrund von Bezahlung oder Arbeitszeiten unattraktiv sind. Auf der anderen Seite der Skala befinden sich solche, die gewisse Anforderungen haben, die sich nicht nur in den Noten wiederspiegeln.

Und was die potentiellen Lehrlinge angeht: da gibt es leider sehr viele, die in Sachen Motivation, Lernwillig-/fähigkeit und sozialer Kompetenz schwerlich die Lehre überstehen können - ich kenne solche Fälle auch aus meiner Firma. Junge Menschen, die studieren, fallen sowieso erstmal weg und viele andere suchen sich ihren zukünftigen Beruf halt aus, wenn sie können.

Sharis vor 1 Wochen

Zitat: "Fest steht, dass nicht alle Lehrstellen mit einem passenden Bewerber besetzt werden können."

Liegt es jetzt daran, dass es allgemein zu wenige Bewerber auf die offenen Stellen gibt, weil es allgemein zu wenig junge Leute gibt, oder an deren schulischen Leistungen? Ich kenne mich da in der Praxis nicht aus, aber nehmen Unternehmer dann lieber keinen Azubi als einen, der evtl. schulisch schlecht da steht, aber trotzdem eine Chance ergreifen könnte?

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Mehr aus Sachsen