23.08.2019 | 07:00 Uhr Chemnitz wagt mit Bürgerfest "Herzschlag" einen Neuanfang

Einen Tag nach der Urteilsverkündung um den tödlichen Messerangriff von Chemnitz richtet sich der Blick gleich wieder in die Stadt: Am Freitag beginnt ein Bürgerfest - als Ersatz für das abgesagte Stadtfest. Besonders aber steht der Sonntag im Fokus: Denn zusätzlich zum Bürgerfest und einer großen Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds hat die rechtsextremistische Bewegung Pro Chemnitz eine Kundgebung geplant - und unmittelbar nach Urteilsverkündung auf ihrer Facebook-Seite erneut zur Teilnahme aufgefordert.

In Chemnitz beginnt heute das erste Bürgerfest. Unter dem Motto "Herzschlag" können sich die Besucher auf 13 Flächen amüsieren. Unter den 100 musikalischen Einzelkünstlern und Bands sowie 30 DJs finden sich auch der Loveparade-DJ Dr. Motte und Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel.

Mit dem Bürgerfest wollen die Organisatoren eine Art Ersatz schaffen, nachdem das Stadtfest wegen der tödlichen Messerstecherei im vergangenen Jahr abgesagt worden war. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft CWE erklärte, nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. und den anschließenden Demonstrationen und Ausschreitungen sei die Marke "Chemnitzer Stadtfest" stark beschädigt worden. Der imageprägende und identitätsstiftende Sinn der Veranstaltung sei nicht mehr gegeben.

Ein Fest von Bürgern für Bürger

Nun also das Bürgerfest, das von Bürgern für Bürger organisiert wurde. "Als die Absage für das Stadtfest kam, war für mich sofort klar, es muss weitergehen", erzählt Rico Illgen. Sein Vater war Mitbegründer des Stadtfestes. "Für uns war die Absage ein Wermutstropfen. Emotional und auch finanziell als Schausteller." Aus diesem Grund habe er sich entschlossen, mit anderen Chemnitzern einen Verein zu gründen und selbst ein Fest zu organisieren. Sebastian Thieswald, Pressesprecher des Vereins Chemnitzer Bürgerfest e.V., wünscht sich, dass das Fest Lebendigkeit in die Stadt bringt. "Wir machen ein parteineutrales, aber kein haltungsfreies Fest", sagt Thieswald. Es richte sich an alle Bürger der Stadt und schließe niemanden aus.

Für das gesamte Wochenende werden noch ehrenamtliche Helfer gesucht. "Mögliche Aufgaben wären Hol- und Bringedienste, das Sauberhalten des Geländes oder auch Künstler vom Bahnhof abzuholen und zur Bühne zu bringen", so Thieswald. "Wir suchen für jeden eine Aufgabe, die ihm auch Spaß macht." Darum solle es beim Bürgerfest auch gehen, mit Spaß etwas für seine Stadt zu tun.

Keine "Herzschlag"-Party am Kopp

Das Fest zieht sich vom Hartmannplatz über die Schmidtbank-Passage bis hin zum Neumarkt. Die Brückenstraße vor dem Karl-Marx-Monument wurde dabei bewusst freigelassen. Der Aufwand für die Sperrung und Sicherung wäre zu groß und auch zu teuer für die Organisatoren. Die Fläche wird nun am Sonnabend von der Konzertveranstaltungsreihe "Am Kopp" und am Sonntag vom Deutschen Gewerkschaftsbund für das Arbeitnehmerfest "Sunday of Summer" genutzt. Der Blick richtet sich am Sonntag auch auf eine angemeldete Kundgebung der rechtsextremistische Bewegung Pro Chemnitz. Sie hatte unmittelbar nach der Urteilsverkündung am Donnerstag erneut zur Teilnahme aufgefordert. Nach Angaben der Stadt wurde die Demonstration für 1.000 Teilnehmer angemeldet. Es sind Gegenproteste geplant.

Quelle: MDR/al/nk/mw/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.08.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 07:00 Uhr

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