Zwei Fußballmannschaften halten ein Banner: Gemeinsam für demokratische Grundwerte und Fairplay
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Erstes Heimspiel nach Trauerbekundung für Neonazi Chemnitzer FC kämpft gegen rechte Ecke

Die Schlagzeilen über den Chemnitzer FC nach dem Skandal um die Trauerbekundung vom 9. März sollten am Sonnabend besser werden. Der Verein hatte sich vorbereitet und wollte sich als sportlicher, fairer CFC präsentieren.

Zwei Fußballmannschaften halten ein Banner: Gemeinsam für demokratische Grundwerte und Fairplay
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Schon vor Beginn des Spiels wurden T-Shirts mit dem Slogan "Toleranz - Weltoffenheit - Fairness" an die Zuschauer verteilt. Im Stadion präsentierten sich beide Mannschaften vor dem Anpfiff mit einem Banner, um sich "gemeinsam für demokratische Grundwerte und Fairplay" zu positionieren.

Ultras kamen zwölf Minuten später

Die Chemnitzer Ultras fehlten allerdings bis zum Beginn der 13. Spielminute. Unter dem Motto "12 Minuten für den 12. Mann" protestierten sie gegen den Rausschmiss der Fanbeauftragten, des Stadionsprechers und eines Pressemitarbeiters des CFC sowie eines Mitarbeiter des Stadtsportbundes. Die ersten Minuten des Spiels musste der CFC daher auf die lautstarke Unterstützung der Ultras verzichten. Später waren auch einige Sprechchöre gegen den Insolvenzverwalter des Vereins, Klaus Siemon, zu hören. Auch die Stadionsprecherin Kati Huhn wurde von den Ultras ausgepfiffen.

An einer halbleeren Tribüne ist "12 Minuten für den 12. Mann" zu lesen.
Die Ultras protestierten zwölf Minuten lang gegen die Personalentscheidungen des CFC nach dem Eklat vom 9. März. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

DFB-Vize als Spielbeobachter

Unterstützung bekam der Verein dagegen von DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der sich extra nach Chemnitz aufgemacht hatte. "Ich fand es ganz ganz wichtig, dass die positiven Signale von der Mannschaft bei Spielbeginn gesetzt worden sind. Ich habe in dem Moment keinerlei Pfiffe wahrgenommen." Diese Unterstützung brauche es auch in den nächsten Wochen und Monaten. Dann sei Chemnitz auch in der 3. Liga willkommen, sagte Koch.

Das Problem kann nur die deutliche Mehrheit der Gesellschaft lösen hier vor Ort in Chemnitz. Sie muss deutlich machen: Unser Chemnitz sieht anders aus als das Chemnitz, das hier vor zwei Wochen zur Schau gestellt worden ist.

Rainer Koch DFB-Vizepräsident

Im Hinblick auf den möglichen Aufstieg des CFC in die 3. Liga und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Vereins nahm DFB-Vize Koch auch den Insolvenzverwalter Klaus Siemon in Schutz. "Ich gehe davon aus, dass Herr Siemon Tag und Nacht daran arbeitet, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen Aufstieg in die 3. Liga zu schaffen." Der CFC müsse das wirtschaftliche Lizensierungsverfahren durchlaufen wie jeder andere Drittligist auch, sagte Koch. Deswegen sei es nicht hilfreich, im Stadion Stimmung gegen denjenigen zu machen, der alles daran setze, den CFC wirtschaftlich wieder in die Spur zu bringen.

DFB Vize - Präsident Rainer Koch und Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Klaus Siemon.
DFB Vize - Präsident Rainer Koch (links mit Handy) und Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Klaus Siemon. Bildrechte: IMAGO/Picture Point LE

Chemnitz ist der 3. Liga wieder ein Stück näher

Ach ja. Fußball gespielt wurde auch noch. Nach einer umkämpften, aber torlosen ersten Halbzeit erzielte Torjäger Daniel Frahn per Kopfball in der 53. Minute das Siegtor. Da die Himmelblauen diesen Vorsprung über die Zeit brachten, sind sie mit den drei Punkten dem Aufstieg in die dritte Liga wieder ein Stück näher gekommen. 4.333 Zuschauer verfolgten die Partie.

Quelle: MDR /tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.03.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 23. März 2019, 21:37 Uhr

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24 Kommentare

25.03.2019 18:58 DER Beobachter @ D.o.M. 24

Da muss man in Tat differenz. Vereinfacht: Jeder (Neo)Nazi ist ein Rechtsextrem., aber nicht jeder Rechtsextrem. ist (Neo)Nazi. Von den vielen Versuchen, Rechtsextr. zu beschreiben, nenne ich mal die: Gemeinsam ist beiden Gegnersch./Bekämpfung/Verleumdung einer demokr. Verfassung und parlament. sowie rechtsstaatl. Prinzipien, liber. Denken (jedenfalls solange es nicht ausschl. die eigene Partei betrifft) u. Gegnersch./Ablehnung des Parteienplural. Träfe alles auch auf Linksextr. zu. Bei Rechtsextr. käme dazu noch markantere Gegnersch./Ablehnung von relig. und ethn. Minderheiten sowie zur Einbindg. des eigenen Staats in internat. Systeme. Antisemit. muss kein Merkmal von Rechtsextrem. sein, ist aber oft kombin. damit. Antisemit. und Verherrlichg. oder Verleugnung von Holocausttätern, Streben nach einem Führerstaat und Verherrlichg. Hitlers und seines Wirkens macht zusätzlich zu o.G. den (Neo)Nazi aus.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

25.03.2019 18:56 Thore 23

@DER Beobachter #14
Erklären Sie bitte, was bei der Aktion der Ultras (T-Shirt-Entsorgung, Pfiffe, Zuspätkommen) "rechtsextreme bis neonazistische Propaganda" war !
Einfach die Keule schwingen, mehr fällt Ihnen nicht ein !

25.03.2019 15:29 AMJ 22

@Sonja
Bitte bemühen Sie sich wenigstens um Interpunktion! Das Lesen Ihrer Beiträge wird, trotz ihrer Kürze, dadurch erschwert.
Und um Ihre Frage zu beantworten, wer seit vielen Jahren für (was auch immer) verantwortlich ist: Wir beide, Sie und ich.

25.03.2019 13:28 DER Beobachter @ Sonja 21

Ich komme partout nicht drauf. Bitte, bitte, meine kluge Sonja, kläre du mich auf!

25.03.2019 11:22 Wachtmeister Dimpfelmoser 20

@ Kommentar der MDR-Redaktion zu 17.: Bitte genau lesen. Ich habe geschrieben, dass über die Beisetzung von Nidal R., der über ein Drittel seines Lebens hinter Gittern verbracht hatte, "weniger aufgeregt" berichtet wurde und nicht, dass sie ignoriert wurde (was so, wie sie ablief, freilich vielen lieber gewesen wäre).

25.03.2019 11:17 Kirchenmitglied 19

@Dimpfelmoser, Nidal R. hin und her, konzentrieren wir uns lieber auf unser Chemnitz. Da gibt es genug Leute mi Leichen im Keller.

25.03.2019 10:55 D.o.M. 18

@Der Beobachter 14: Bitte klären Sie uns auf, was der Unterschied zwischen rechtsextrem und neonazistisch ist, wozwischen Sie deutlich unterscheiden ? Nur so , um unsere Bildungslücken zu schließen.
Danke !

25.03.2019 10:49 Wachtmeister Dimpfelmoser 17

Als der palästinensische Flüchtling, Clanchef und Intensivstraftäter Nidal R. aus dem Libanon im September 2018 in Berlin auf offener Straße erschossen und anschließend beigesetzt wurde, nahmen etwa 2.000 Personen an dessen Beisetzung teil. Vorher prangte ihm "zu Ehren" noch kurz ein überdimensionales Graffiti mit seinem Konterfei am Tatort, dass dann aber unter Polizeischutz schnell überstrichen wurde. Kann es sein, dass die Berichterstattung darüber damals irgendwie weniger aufgeregt ausfiel?

[Lieber User, der CFC argumentierte am 10.3.: "Die Ermöglichung der gemeinsamen Trauer stellt keine Würdigung des Lebensinhalts des Verstorbenen dar." Man kann aber auf dem Friedhof trauern, muss das nicht im Stadion machen. Zu Nidal R.: Uber die Beisetzung berichten im September 2018 viele Medien. Mit freundlichen Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

25.03.2019 10:16 Sonja 16

@ 1 1 setze dein Kopf ein und denke dazu selber mal nach wir sind hier nicht in der Schule beim Oberlehrer Mediator !! vieleicht kommst du noch darauf !!

25.03.2019 08:53 D.o.M. 15

@Der Beobachter 8: Sie beziehen sich auf meinen Beitrag 2 und wollen Belege für Annahmen. Schauen Sie sich bitte nochmal meinen Beitrag genau an. Da stehen exakt 2 Sätze und beide sind mit einem Fragezeichen abgeschlossen. Fragen sind das also, keine Aussagen. Welcher Art Belege wünschen Sie sich also dafür? Sie selbst können aber gern, falls SIE Belege oder profundes Insiderwissen haben, meine Fragesätze mit "Von niemandem. " und "Nein." beantworten.

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