07.01.2020 | 13:00 Uhr Kulturhauptstadtbewerbung Chemnitz: Jahr der Entscheidung

12. Dezember 2019: Chemnitz schafft es auf die Shortlist zur deutschen Kulturhauptstadtbewerbung. Die Jubelschreie der vielen Akteure und der Knall der Sektkorken waren noch nicht verklungen, da saß das Bewerbungsteam am Morgen danach bereits beim nächsten Arbeitstreffen. Eine Weihnachtspause sollte es nicht geben, sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig nach dem Überwinden der ersten Hürde. Bereits im Mai muss das zweite Bewerbungsbuch (Bidbook) fertig sein. Was ist noch zu tun? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Plakat mit der Aufschrift Chemnitz Kulturhauptstadt Europa 2025
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Der Chemnitzer Ratssaal war übervoll am 12. Dezember, viele verfolgten dort zusammen über Livestream die Entscheidung der Deutschen Kulturstiftung mit. Fünf von acht Städten kommen auf die Shortlist, hieß es zunächst in Berlin. Dann steigerte sich die Spannung in Chemnitz auf ein schier unerträgliches Maß, denn die Stadt wurde erst als vierte genannt. Der Jubelschrei der Akteure im Ratssaal offenbarte deutlich, wie engagiert viele im Vorfeld an der Bewerbung mitgearbeitet und mitgefiebert hatten.

Den Kritikern gezeigt, dass Chemnitz Chancen hat

Doch viele eben auch nicht. Es gab und gibt sicher auch immer noch viele Zweifler. Leute, die sich verwundert die Augen reiben, wenn sie sich in Chemnitz umsehen und dabei vorstellen sollen, dass diese Stadt ein Jahr lang quasi die Kulturmetropole Europas werden soll. Doch "denen haben wir es gezeigt", sagt Hartwig Albiro, Theaterurgestein der Stadt. Er war einer der zehn Botschafter, die die Bewerbung in Berlin vor der Jury präsentiert hatten. Der 88-Jährige meint, dass Chemnitz auf der Shortlist steht, gebe einen mächtigen Schub. Es sei eine Bestätigung auch allen Zweiflern gegenüber: "Es gab ja einige, nicht nur in der Stadt, auch außerhalb, die gesagt haben: 'Was traut ihr euch denn?'".

Einladung mitzumachen

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig geht noch einen Schritt weiter. Sie lädt diejenigen ein, die das Treiben bisher nur beobachtet haben und nun gemerkt haben, dass die Bewerbung Chancen hätte, sich dazuzugesellen, mitzumachen, Ideen einzubringen. Es soll im Januar und Februar Angebote geben, um solche Nachzügler noch einzusammeln. "Ein Programm für 365 Tage - da gibt's ganz viel Platz. Und wir haben eben auch Mittel", so Ludwig.

Zweites Bidbook

Ein Programm für 365 Tage - das muss im Wesentlichen der Inhalt des zweiten Bidbooks sein. Dieses soll 100 Seiten haben, so die Vorgabe. Das erste ist 60 Seiten dick. In einer Art Fragen und Antworten-Katalog hatte Chemnitz darlegen müssen, wieso die Stadt Kulturhauptstadt werden sollte. Das Konzept hatte die Jury immerhin mehr überzeugt als das von Mitbewerbern, wie Dresden oder Zittau. Doch ein Programm auszuarbeiten, ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. Denn im zweiten Bidbook müssen nun die allgemeinen Vorhaben aus dem ersten Teil präzisiert werden. Insbesondere die künstlerischen Inhalte, mit denen Chemnitz im Kulturhauptstadtjahr auf sich aufmerksam machen will, müssen detailliert aufgelistet werden. Auch eine Marketingstrategie gehört dazu. Kurz: Aus den allgemeinen Absichtserklärungen des ersten Bidbooks müssen jetzt konkrete, geplante Projekte werden.

Oberbürgermeisterin Ludwig und Ferenc Csak, Leiter des Büros, gemeinsam mit dem Logo vor dem Büro.
Gehören zum Bewerbungsteam: Chef Ferenc Csák (r.) und Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Jury besucht Chemnitz im Herbst

Doch das ist nur die halbe Miete. Denn das Bidbook fließt nur zu etwa 50 Prozent in die Entscheidung der Jury ein. Zur anderen Hälfte zählt der Eindruck vor Ort. Der Besuch der Jury ist nach derzeitigem Stand für September vorgesehen. Auch darauf wollen und müssen sich die Akteure gut vorbereiten. Läuft die Oberbürgermeisterwahl in Chemnitz ohne juristisches Nachspiel ab, dann wird Barbara Ludwig vielleicht die Jury bereits nicht mehr als Stadtoberhaupt begrüßen können. Da sie selbst nicht mehr zur Wahl antritt, endet ihre Amtszeit planmäßig am 13. September. Das heißt für sie, dass sie auch die Kulturhauptstadtbewerbung an ihre Nachfolgerin oder ihren Nachfolger übergeben muss. Doch darum sei ihr nicht bang, sagt Ludwig auf Nachfrage. "Wir haben ja das Glück, dass ganz viele eingebunden sind. Ich habe das so in die Wege geleitet, dass viele Personen an dieser Bewerbung arbeiten, die Kontinuität auch gegenüber der Jury vermitteln."

Barbara Ludwig Oberbürgermeisterin Chemnitz.
Barbara Ludwig Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das ist eine einmalige Chance für die Stadt. Das wiederholt sich so schnell nicht. Mir fällt auch kaum irgendein anderer Wettbewerb ein, der so eine Strahlkraft hat, aber auch so nachhaltig ist, mit vielen Ressourcen, die zusätzlich in die Stadt kommen. Was der Stadt auch mal gut tun würde.

Barbara Ludwig Oberbürgermeisterin Stadt Chemnitz

Voraussichtlich Ende November wird die Jury ihre finale Entscheidung treffen und die deutsche Kulturhauptstadt 2025 bekanntgeben.

Quelle: MDR/nk/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.12.2019 | 20:00 Uhr in den Nachrichten

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