Erfahrungsaustausch Sächsische Bürgermeister treffen sich zum "Chemnitzer Dialog"

Auseinandersetzungen und Demos in Bautzen, Chemnitz oder Wurzen: Viele Kommunen sehen sich öfter mit solchen Stresssituationen konfrontiert. 40 Bürgermeister haben sich über Handlungsmethoden informiert und ausgetauscht.

Das Rathaus von Chemnitz.
Bildrechte: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

In Chemnitz haben sich am Montag rund 40 sächsische Bürgermeister und kommunale Verantwortungsträger zum Erfahrungsaustausch getroffen. In den Gesprächen ging es um das sichere Handeln in kommunalen Stresssituationen. Es war der Auftakt für eine neue Gesprächsreihe mit dem Titel "Chemnitzer Dialog", die vom Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) in Kooperation mit der sächsischen Ministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping und der Stadt Chemnitz veranstaltet wird.

Bei dem ersten Treffen konnten sich die Teilnehmer unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Experten aus der Praxis über gesellschaftspolitische Herausforderungen austauschen und über erfolgreiche Handlungsmethoden informieren. In vier Fachforen wurde nach Aussage der Veranstalter unter anderem über den Zusammenhalt in der Kommune und die Rolle der Zivilgesellschaft sowie den Umgang mit Reichsbürgern diskutiert.

Positive Rückmeldungen nach erstem Zusammenkommen

Der Chemnitzer Finanzbürgermeister Sven Schulze sagte nach der Veranstaltung, dass er den "Chemnitzer Dialog" als Austauschplattform begrüße. Seine Stadt sei wegen der Ereignisse der letzten Monate in eine Stresssituation gebracht worden. "Man kann durch die Ereignisse lernen. Sich darauf aktiv vorzubereiten - das ist besser." Er betonte aber auch, dass es keine einfachen und schnellen Antworten auf die Herausforderungen gebe.

Bei der ersten Veranstaltung stand auch Ministerin Petra Köpping für ein Gespräch mit den Bürgermeistern zur Verfügung. Sie erklärte wie wichtig es für die Kommunen sei, "sich schnell untereinander und ebenso auch mit der Staatsregierung auszutauschen und abstimmen zu können". Sie habe den Teilnehmern bei dem Termin Hilfs- und Unterstützungsangebote vorgestellt: "Wir reichen hier der kommunalen Ebene aktiv die Hand zur Zusammenarbeit, um gemeinsam die Demokratie in Sachsen zu stärken und die Spaltung unserer Gesellschaft zu verhindern."

Als ehemalige Bürgermeisterin und Landrätin kenne ich kommunale Stresssituationen, die an der Basis bei den Menschen vor Ort entstehen können, nur zu gut.

Petra Köpping Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration

Vorreiter ist das "Wunsiedler Forum"

Das neue Gesprächsformat in Chemnitz lehnt sich an das sogenannte "Wunsiedler Forum" an. Seit 2008 befasst sich die bayerische Kleinstadt mit Strategien gegen Extremismus und Gewalt. Jahrelang hatten in dem Ort rechte Demos stattgefunden. Der zweite Bürgermeister der Stadt, Manfred Söllner, erklärte im MDR SACHSENSPIEGEL, dass immer wieder viele Gespräche notwendig waren und die Einbindung der Zivilgesellschaft: "Mit jeder Gruppe haben wir Kontakt gehabt, haben versucht zu überzeugen, haben immer wieder Beispiele gebracht, wohin das Ganze wieder führen kann."

Dass sich die Erfahrungen aus Wunsiedel auch auf andere Kommunen übertragen lasse, davon zeigte sich BdDT-Referentin Janneke Stein im Gespräch mit MDR SACHSEN überzeugt: "Es geht darum, dass man nicht nur Dialog schafft, sondern auch über andere Ebenen hinweg die Zivilgesellschaft einbezieht und da gibt es natürlich immer regionale Gegebenheiten. Aber die Brücke zu bilden und den Dialog zu schaffen, das ist auf jeden Fall auch in anderen Kommunen und Regionen machbar."

Quelle: MDR/BfDT/cb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.04.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 20:57 Uhr

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