Chemnitz nach dem Tod eines 35-Jährigen

Chemnitz: Demos und Ausschreitungen nach Tod eines 35-Jährigen

Ein 35-Jähriger wird beim Stadtfest in Chemnitz Opfer einer Messerstecherei. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Ein Syrer und ein Iraker sitzen als Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Neben dem Entsetzen und der Trauer über die Tat, werden auch gewaltbereite Rechte auf den Plan gerufen. Demos, Ausschreitungen und Gewalt sind die Folge. Hier finden Sie eine Chronologie der Ereignisse.

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Christian Hirte
Christian Hirte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Ostbeauftragter der Bundesregierung, sagt, man dürfe den Bürgern nicht ihre Gedanken vorschreiben. Bildrechte: imago/epd

Bildergalerie Rechte Demonstration und Gegendemonstration in Chemnitz

Nach dem Tod eines Mannes beim Stadtfest und Angriffen auf Ausländer bleibt die Lage in Chemnitz angespannt. Bei zwei Protestaktionen muss die Polizei Rechtsextreme und Gegendemonstranten trennen.

Menschen demonstrieren vor Karl-Marx-Denkmal.
In Chemnitz sind am Montagabend mehrere Tausend Menschen zu Demonstrationen auf die Straße gegangen. Bildrechte: xcitePRESS
Menschen demonstrieren vor Karl-Marx-Denkmal.
In Chemnitz sind am Montagabend mehrere Tausend Menschen zu Demonstrationen auf die Straße gegangen. Bildrechte: xcitePRESS
Menschen demonstrieren vor Karl-Marx-Denkmal.
Vor dem Karl-Marx-Monument hatten sich zunächst etwa 1.000 Demonstranten zu einer Kundgebung des rechten Bündnises "Pro Chemnitz" versammelt. Bildrechte: xcitePRESS
Menschen demonstrieren auf einer Straße.
Beobachter schätzten, dass sich der Demonstration im Laufe des Abends bis zu 5.000 Teilnehmer angeschlossen haben. Bildrechte: xcitePRESS
Hunderte Menschen stehen vor der Stadthalle in Chemnitz.
Vor der Stadthalle in Chemnitz hatten sich ebenfalls rund 1.000 Menschen zur Gegendemonstration des linken Bündnisses "Chemnitz Nazifrei" versammelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Demontrationsteilnehmer halten ein Plakat. Darauf steht: Chemnitzer StadträtInnen für Menschlichkeit und Solidarität
Die Teilnehmer wollten nach eigenem Bekunden ein Zeichen gegen Fremdenhass und rechte Gewalt setzen. Bildrechte: xcitePRESS
Eine Kette von Polizisten schirmt die Teilnehmer einer Gegendemonstration ab
Die Polizei versuchte beide Demonstrationen in der Chemnitzer Innenstadt zu trennen. Bildrechte: xcitePRESS
Demonstranten gestikulieren
Viele Teilnehmer der Gegendemo hatten sich bis an die Absperrungen an der Brückenstraße bewegt. Sie riefen den Demoteilnehmern auf der anderen Straßenseite "Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda" zu. Bildrechte: xcitePRESS
Wasserwerfer und Polizeifahrzeuge
Mit einer Kette von Einsatzfahrzeugen versuchte die Polizei ein Aufeinandertreffen der beiden Lager zu verhindern. Bildrechte: xcitePRESS
Demonstranten halten Schilder hoch auf denen steht: "Asylflut stoppen!" und  "Wir wollen keinen Faschismus ...auch ncht von Links"
Unter den Teilnehmern der rechten Demo befanden sich Anhänger der rechtsextremistischen Splitterpartei "III.Weg", aber auch viele bürgerlich wirkende Teilnehmer. Bildrechte: xcitePRESS
Demonstration Chemnitz 27.08.2018 Hitlergruß
Aus der rechten Demonstration heraus wurde mehrfach der Hitlergruß gezeigt. Die Polizei teilte am Montag mit, dass sie mindestens zehn Verstöße registriert hat. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
ein Polizekette steht mit dem Rücken zur Kamera vor ihr sind die Teilnehmer einer Demonstration zu sehen.
Im Verlauf des Abends schaukelte sich die Stimmung zwischen den Demonstrationen immer weiter auf. Bildrechte: xcitepress
27.08.2018, Sachsen, Chemnitz: Polizisten stehen in der Innenstadt bei einer Kundgebung der rechten Szene, um ein Aufeinanderprallen von rechten und linken Gruppen zu verhindern.
Aus den Reihen der rechten Demonstration flogen Flaschen und Feuerwerkskörper in Richtung der Gegendemonstranten und Einsatzkräfte. Bildrechte: dpa
Aus einer Demonstration werden Böller und Flaschen geworfen, davor Polizei
Die Polizei warnte die Demonstrationsteilnehmer vor der Begehung weiterer Straftaten und drohte mit dem Einsatz von Wasserwerfern. Bildrechte: xcitePRESS
Eine große Menge von Demonstranten wird durch eine Kette von Polizeifahrzeugen getrennt. Einige Menschen schwenken Deutschlandfahnen.
Nach einigen Scharmützeln beruhigte sich die Lage in Chemnitz gegen 21 Uhr wieder. Bildrechte: xcitePRESS
Demonstranten stehen in der Chemnitzer Innenstadt
Nach einer Abschlusskundgebung vor dem Marx-Monument löste sich die rechte Kundgebung auf. Auch die Gegendemonstration wurde von der Polizei kurze Zeit später für beendet erklärt. Bildrechte: xcitepress
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Nach Ausschreitungen in Chemnitz Reaktionen aus Sachsen

Nach dem Tod eines 35-Jährigen und anschließenden Ausschreitungen von rechten Hooligans am Randes des Chemnitzer Stadtfestes haben Sachsens Politiker größtenteils zu Besonnenheit aufgerufen.

Alexander Dierks
Der CDU-Generalsekretär in Sachsen, Alexander Dierks, hat nach den Ereignissen in Chemnitz vor wilden Spekulationen gewarnt. Dierks sagte MDR AKTUELL, es sei wichtig, die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen. Die Straftaten müssten lückenlos aufgeklärt werden. Der Politiker, der für die CDU auch im Chemnitzer Stadtrat sitzt, verurteilte zugleich die gewaltsamen Ausschreitungen nach dem Tod eines 35-Jährigen. Es sei nicht hinzunehmen, wenn der Vorfall instrumentalisiert werde, um Polizisten anzugreifen und gegen Unbeteiligte vorzugehen. Bildrechte: CDU Sachsen
Alexander Dierks
Der CDU-Generalsekretär in Sachsen, Alexander Dierks, hat nach den Ereignissen in Chemnitz vor wilden Spekulationen gewarnt. Dierks sagte MDR AKTUELL, es sei wichtig, die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen. Die Straftaten müssten lückenlos aufgeklärt werden. Der Politiker, der für die CDU auch im Chemnitzer Stadtrat sitzt, verurteilte zugleich die gewaltsamen Ausschreitungen nach dem Tod eines 35-Jährigen. Es sei nicht hinzunehmen, wenn der Vorfall instrumentalisiert werde, um Polizisten anzugreifen und gegen Unbeteiligte vorzugehen. Bildrechte: CDU Sachsen
Martin Dulig
Sachsens SPD-Chef Martin Dulig hat mit Blick auf das Geschehen in Chemnitz vor Selbstjustiz gewarnt: "Um Aufklärung und Verfolgung von Straftaten kümmern sich Polizei und Justiz. Das Gewaltmonopol liegt beim Staat und nicht bei denjenigen, die meinen, auf der Straße Selbstjustiz walten lassen zu müssen." Die furchtbare Straftat beim Chemnitzer Stadtfest müsse jetzt mit aller Konsequenz und ohne Vorverurteilungen und Mutmaßungen aufgeklärt werden. Seine Gedanken seien bei den Hinterbliebenen des Opfers und den Verletzten. Bildrechte: SMWA
Die Landesgeschäftsführerin der sächsischen Linken, Antje Feiks
Die sächsische Linke-Vorsitzende Antje Feiks hat sich entsetzt gezeigt über die Vorkommnissen in Chemnitz. Den gewaltsamen Tod eines Menschen habe sie mit Bestürzung zur Kenntnis genommen. Die anschließende Mobilisierungswelle im Spektrum der extremen Rechten und Hooligans lasse Erinnerungen an die Pogrome zu Beginn der 1990er Jahre aufkommen: "Ein rechter Mob schafft es, das Gedenken zu instrumentalisieren und für sich zu vereinnahmen. In pogromhafter Stimmung zieht ein marodierender, gewaltbereiter Mob durch die Innenstadt von Chemnitz und macht Jagd auf Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe oder vermuteter politischer Einstellung." Bildrechte: dpa
Siegbert Droese
Sächsische Abgeordnete der AfD-Bundestagsfraktion haben die jüngsten "Gewaltexzesse" in Chemnitz verurteilt und die Bürger der Stadt zur Besonnenheit aufgerufen. Zugleich äußerte Sachsens AfD-Vize Siegbert Droese Verständnis für die Wut der Demonstranten vom Sonntag: "Wie das unter Umständen zustande gekommen sein soll, der Tathergang, also mit allen Spekulationen, dass es vielleicht den einen oder anderen zur Unvorsichtigkeit verleitet hat, das kann ich durchaus nachvollziehen." Bildrechte: AfD, Landesverband Sachsen
Christin Melcher, 2016
Die Grünen haben der sächsischen Politik eine Mitschuld an der Eskalation in Chemnitz gegeben. Es fehle seit Jahren eine klare Haltung, und man habe jene gewähren lassen, die hetzten und zündelten, erklärte Parteichefin Christin Melcher. Vorfälle wie in Heidenau oder Clausnitz und das teils zögernde Eingreifen von Polizeibeamten dort hätten ein Signal gegeben, dass solche Gewaltexzesse nicht durchgreifend geahndet werden. Die Bilder aus Chemnitz zeigten ein neues Ausmaß von Gewalt und Kontrollverlust. Bildrechte: dpa
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Rückblick Hunderte ziehen nach Messerattacke durch Chemnitz

Nach einem tödlichen Messerangriff in Chemnitz mobilisieren rechte Gruppen in sozialen Netzwerken für eine Spontan-Demo. Die Polizei musste Einsatzkräfte zur Unterstützung aus Leipzig und Dresden anfordern.

Aufmarsch Chemnitzer Ultras nach einem Facebookaufruf
Etwa 800 Menschen versammelten sich am Sonntagnachmittag rings um das Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz. Die Versammlung war nicht angemeldet und wurde von rechten Hooligans über soziale Netzwerke organisiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Aufmarsch Chemnitzer Ultras nach einem Facebookaufruf
Etwa 800 Menschen versammelten sich am Sonntagnachmittag rings um das Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz. Die Versammlung war nicht angemeldet und wurde von rechten Hooligans über soziale Netzwerke organisiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Aufmarsch Chemnitzer Ultras nach einem Facebookaufruf
Polizisten im Gespräch mit Demo-Teilnehmern. Stadt und Ordnungsbehörden wollten mit den zuständigen Verantwortlichen sprechen, aber die Ansammlung lief unkontrolliert los. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Aufmarsch Chemnitzer Ultras nach einem Facebookaufruf
Bis kurz vor 18 Uhr löste sich der Großteil der Versammlung auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Demonstranten
An der Stelle der Messerstecherei, an der ein 35-jähriger Deutscher schwer verletzt wurde, versammelten sich viele Menschen. Der Mann war am frühen Morgen im Krankenhaus an den Folgen gestorben. Bildrechte: Harry Härtel
Polizisten vor Demonstranten
Mehr als 800 Teilnehmer einer Spontan-Demo standen Einsatzkräften gegenüber, die teilweise eilig angefordert waren. Beamte aus Leipzig und Dresden waren von Fußballspielen Chemnitz abgezogen worden. Bildrechte: Harry Härtel
Polizisten laufen neben Demonstranten
Polizisten laufen neben Demonstranten her, die sich unangemeldet und unkontrolliert in der Innenstadt bewegten. Bildrechte: Harry Härtel
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