06.05.2020 | 12:58 Uhr Alltagsheldin in der Stadtverwaltung Chemnitz: "Wir erleben viel Dankbarkeit"

Janet Schmidt arbeitet beim IT-Help-Desk der Stadtverwaltung Chemnitz. Im Home-Office beantwortet die 50-Jährige allen Mitarbeitenden Fragen zu Hard- und Software. MDR SACHSEN hat mit ihr über die technischen und persönlichen Herausforderungen während der Corona-Krise gesprochen.

Janet Schmidt, Mitarbeiterin beim IT-Help-Desk der Stadtverwaltung Chemnitz, sitzt an ihrem Schreibtisch im Homeoffice. 1 min
Bildrechte: MDR/Martin Hoferick

Wie sieht Ihre Arbeit während der Corona-Krise aus?

Ich arbeite am Help-Desk der Stadtverwaltung in Chemnitz. Das ist die Anlaufstelle für alle Mitarbeiter bei Fragen zu Hard- und Software oder bei Telefonstörungen. Wir versuchen, mit viel Herzblut uns der ganzen Bandbreite der Probleme anzunehmen. Wenn ich mal etwas nicht lösen kann, dann gibt es im Hintergrund noch viele Kollegen, die z.B. technische Pobleme beheben können.

Welche Unterschiede gibt es zur Zeit vor der Pandemie?

Unser Arbeitsalltag hat sich stark verändert. Wir arbeiten fast alle im Home-Office. Dadurch habe ich keinen Arbeitsweg mehr, spare eine Stunde am Tag ein. Gut finde ich auch, dass ich mich in legerer Kleidung zu Hause an den Laptop setzen kann, auch mal mit ungekämmten Haaren, das stört dann niemanden.

Ich habe einen Laptop mit nach Hause bekommen, hab aber schnell den Unterschied zum gewohnten Arbeitsplatz im Büro gemerkt. Am Küchentisch hatte ich anfangs noch Rückenschmerzen, nun arbeite ich am Esstisch, da klappt es gut.

Was ist derzeit die größte Herausforderung in Ihrem Beruf?

Ein großes Problem ist, dass ich mit meinen Kollegen nicht mehr so einfach kommunizieren kann. Früher konnten wir schnell zwischen den Anrufen etwas hin und herrufen, Fragen stellen, Informationen austauschen und uns gegenseitig helfen. Zu Hause bin ich doch erstmal Einzelkämpfer, muss für mich selbst das Problem analysieren.

Wir haben jetzt viel mehr Anfragen zum Thema Video- und Telefonkonferenzen. Anfangs mussten wir manche Probleme sehr kurzfristig lösen. Manches wurde auch in Nacht- und Nebelaktionen geklärt. Eine große Herausforderung war auch, Home-Office und IT-Schutz unter einen Hut zu bekommen.

Gibt es auch Lichtblicke?

Wer wollte, hat schon vor der Corona-Zeit eine Mitarbeiter-App bekommen. Über diese kann man Informationen auf sein Smartphone bekommen. Das hat die Kommunikation jetzt sehr vereinfacht. So war ich auch zu Hause immer gut informiert, z.B. was es für neue Dienstanweisungen gibt oder wie mein nächster Arbeitstag gestaltet sein wird.

In den Telefonaten aus dem Home-Office heraus habe ich viel Zuspruch und Verständnis von den anrufenden Nutzern und Mitarbeitern bekommen, da gab es sehr viele schöne Momente.

Was sollte auch nach der Corona-Pandemie beibehalten werden?

Manche Projekte mussten durch Corona erstmal auf Eis gelegt werden. Aber auch da haben viele Kollegen mit viel Verständnis reagiert. Das wäre mir wichtig, dass wir uns das für die Zukunft bewahren: Etwas mehr Gelassenheit an den Tag zu legen und noch mehr mit- als gegeneinander zu arbeiten. Wir erleben an der Hotline gerade viel Dankbarkeit. Viele haben sich auch danach extra nochmal in Emails bedankt. Bei denen möchte ich mich auch herzlichen bedanken – und auch bei denen, die uns ermöglicht haben, im Home-Office arbeiten zu können. Sie sind die eigentlichen Alltagshelden.

Was hat sich privat wegen der Corona-Pandemie verändert?

Ich vermisse meine Familie, meine Freunde. Mir fehlt, dass ich sie mal wieder richtig in den Arm nehmen, sie treffen kann. Und ich vermisse meine Arbeitskollegen, vermisse den Schwatz auf dem Gang, bei wir mal was persönliches austauschen konnten. Ich bin schon ziemlich einsam in meinem Büro zu Hause und würde es sehr begrüßen, wieder auf Arbeit arbeiten zu können.

Worauf freuen Sie sich derzeit am meisten?

Ich freue mich, wenn die Campingplätze wieder öffnen. Wir sind Campingfreunde und ich würde gerne wieder auf meinen Campingplatz fahren, um dort die Ruhe und die Natur genießen zu können. Das vermisse ich am meisten.

Quelle: MDR/mh/mar

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