11.03.2020 | 14:47 Uhr | Update IHK-Blitzumfrage: Unternehmen verzeichnen Umsatzeinbußen durch Corona

Ein Maschinenbauer baut ein Getriebe zusammen
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Vier von zehn Unternehmen der regionalen Wirtschaft im Raum Chemnitz spüren bereits Auswirkungen des Coronavirus auf ihre Geschäfte. Das hat eine Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK) unter 350 Mitgliedsbetrieben ergeben. Ein Viertel der Unternehmen verzeichnet bereits Umsatzeinbußen von über zehn Prozent.

"Die Unternehmen spüren die Corona-bedingten Probleme, weil die Lieferketten beeinträchtigt sind, teilweise ganz erheblich", so der IHK-Geschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich. "Sie spüren direkte Umsatzrückgänge und sie hören natürlich auch die Mitteilungen ihrer Geschäftspartner. Und das verdichtet sich sehr stark."

Corona ist das Thema Nummer eins, wenn sich Geschäftspartner unterhalten.

Hans-Joachim Wunderlich IHK-Geschäftsführer

Wunderlich sagt, dass bisher vor allem die Gastronomie und Hotellerie, sowie die Reisebranche und der Messebau betroffen sei. Die IHK erreichen inzwischen viele Anfragen der Mitgliedsunternehmen. Diese beziehen sich laut Wunderlich vor allem auf das Arbeitsrecht und auf vertragsrechtliche Fragen. "Die Unternehmen schauen in die Zukunft, überlegen und sehen, wie das in Italien abgelaufen ist und wollen rechtzeitig Vorsorge treffen", sagt er.

Wunderlich fordert nun Maßnahmen von der Politik, um die Unternehmen zu unterstützen. "Zum wichtigsten Aspekt hat die Bundesregierung schon entschieden. Das ist die Regelung zum Kurzarbeitergeld und der vollständigen Übernahme der Sozialversicherungsabgaben durch die Agentur für Arbeit", so Wunderlich. Das sei aber nicht genug. "Wir fordern ganz klar, dass zum Beispiel neben zinsfreien Stundungen von Steuerschulden die Umsatzsteuervorauszahlungen für betroffene Unternehmen zinslos gestundet werden."

Corona
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Last-Minute-Geschäft letzter Hoffnungsschimmer für Reisebranche

Die Reisebranche ist besonders stark betroffen. Ullmann Reisen, ein Familienunternehmen aus Schwarzenberg, verzeichnet aktuell einen Umsatzrückgang von rund 65 Prozent, sagt Geschäftsführer Marko Ullmann. Ohne Hilfen sei das wirtschaftlich kaum noch zu stemmen.

Seit den Februarferien geht im Prinzip nichts mehr und wenn, dann nur noch Stornos.

Marko Ullmann Geschäftsführer von Ullmann Reisen

Die meisten Deutschen würden jetzt erst einmal abwarten, um einen Urlaub zu buchen. "Es herrscht eine große Verunsicherung", sagt Ullmann. "Wir hoffen jetzt auf ein Last-Minute-Geschäft. Das ist der einzige Hoffnungsschimmer, den die Branche noch hat." Allerdings sei es die stärkste Krise in der Touristik. Selbst der 11. September, der Irak-Krieg oder die Aschewolke des isländischen Vulkans hätte nicht solche Auswirkungen gehabt.

Das Unternehmen lässt seine Mitarbeiter nun Überstunden abbauen und Resturlaub nehmen. "Aber wenn sich nichts ändert in den nächsten Wochen werden wir auf Kurzarbeit zurückgreifen müssen", so Ullmann. Er glaube allerdings nicht, dass es mit der Kurzarbeit getan sein. "Die Kurzarbeit ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein." Ein paar Monate könne sein Unternehmen die Krise überbrücken. "Aber irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo es nicht mehr geht", sagt Ullmann.

Messebau ebenfalls stark betroffen

Auch die Messebauer stehen vor Problemen. "Die 'Logima' war in Stuttgart Anfang März geplant und einen Tag vor Messeaufbau kam die Absage", erzählt Christopher John, der einen Messebaubetrieb in Chemnitz führt. "Wir waren mit großen Sattelzügen für vier Messestände unterwegs. Leider waren wir dann vor Ort, hatten die Sachen abgeladen und dann wurde die Messe abgesagt." Das Material habe im Regen gelegen und sei komplett kaputt.

"Das ist ein halbes Jahresbudget, was da verloren geht", so John. "Die praktischen Mittel um den Sommer zu überstehen, sind dann einfach nicht vorhanden."

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPEGEL | 11.03.2020 | 19:00 Uhr

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