31.03.2020 | 16:31 Uhr Blitzumfrage der IHK Chemnitz : 20 Prozent der Unternehmen droht Insolvenz

Die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie schlagen auf die Wirtschaft durch. Vor allem kleineren Mittelständlern drohe die Insolvenz, wenn keine weiteren Staatshilfen fließen, so die IHK Chemnitz.

Dienstags direkt Corona - Folgen für Sachsens Wirtschaft
Etwa 85 Prozent der Unternehmen im Chemnitzer IHK-Kammerbezirk rechnen mit Umsatzrückgängen. Bildrechte: MDR/imago

Die Auswirkungen des Corona-Virus treffen die regionale Wirtschaft in ihrer gesamten Breite. Die IHK Chemnitz hat in einer Blitzumfrage 155 Kammer-Betriebe dazu befragt. Etwa 85 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit teilweise gravierenden Umsatzrückgängen, 95 Prozent befürchten negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte. 22 Prozent der Unternehmer gaben an, akut von Insolvenz bedroht zu sein.

IHK-Chef Wunderlich: Krise spitzt sich dramatisch zu

Hans-Joachim Wunderlich, der Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz sagte, dass aktuell viele Unternehmen so gut wie keinen Umsatz erwirtschaften. "Damit spitzt sich die Krise dramatisch zu." Die Auswirkungen des Coronavirus träfen die regionale Wirtschaft in ihrer gesamten Breite. Die Schutzmaßnahmen zur Corona-Bekämpfung hätten die Geschäftstätigkeit zum Teil vollständig zum Erliegen gebracht. Auch die Lieferketten seien ins Stocken geraten. Waren und Dienstleistungen würden weniger nachgefragt.

Dresden: Ein VW e-Golf hängt an einer elektrischen Hängebahn in der Gläsernen VW-Manufaktur.
Seit bei VW die Bänder stillstehen, haben auch die Zulieferer massive Probleme. Bildrechte: dpa

Vergleich zum Vormonat: Schwierigkeiten nehmen zu

Der Vergleich zur Umfrage der IHK von Anfang März zeigt eine rasante Zunahme der Schwierigkeiten, mit denen sich die Unternehmen konfrontiert sehen. Laut aktuellem Ergebnis droht 22 Prozent der Unternehmen eine Insolvenz. In der Vorumfrage gaben das nur zwölf Prozent an. Auch beim erwarteten Umsatzrückgang ist die Tendenz eindeutig. Rund 85 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem spürbaren Umsatzrückgang, im Vormonat waren es nur knapp 50 Prozent. Unter den Befragten gab jedes vierte Unternehmen an, mehr als 50 Prozent Umsatzrückgang zu erwarten.

Einzelhandel, Reiseunternehmen, Hotels und Gaststätten mit größten Problemen

Besonders betroffen sind Einzelhandelsgeschäfte, Hotels, Gaststätten und Reiseunternehmen. Anfang März ging ein Viertel der Betriebe von einer geringeren Nachfrage ihrer Produkte und Dienstleistungen als Folge der Corona-Krise aus. Vier Wochen später haben das schon zwei Drittel dieser Unternehmen angegeben. Viele dieser Unternehmen fürchten um ihre Existenz.

Ein leerer Freisitz in der Stadt
Besonders betroffen sind der Einzelhandel, das Hotel- und Gaststättengewerbe und die Reisebranche. Bildrechte: Jan Härtel

IHK fordert Zuschussprogramm für den Mittelstand

Im Moment bietet das von der Bundesregierung geschnürte Hilfspaket Sofortzuschüsse für Kleinstunternehmen und in Notfällen auch direkte Kapitalspritzen für große Unternehmen an. Aufgrund der erhobenen Zahlen fordert IHK-Chef Wunderlich weiterreichende Unterstützung. "Wir fordern ein sächsisches Zuschussprogramm für den Mittelstand." Diese Zahlen würden verdeutlichen, dass staatliche Unterstützungsleistungen dringend benötigt würden.

Der Geschäftsführer der IHK (Industrie- und Handelskammer) Chemnitz, Hans-Joachim Wunderlich
Bildrechte: dpa

Die bereits verabschiedeten Hilfsmaßnahmen zur Beschäftigungs- und Liquiditätssicherung hätten aus Sicht der Unternehmen hohe Relevanz. "Es tut sich aber noch eine gefährliche Lücke insbesondere bei mittelständischen Unternehmen auf", so Wunderlich weiter. "Dort kann die Liquiditätslücke bei aktuellen Umsätzen nahe Null und absolut unsicherer Perspektive nicht mit Kreditprogrammen im banküblichen Verfahren geschlossen werden." Auch bei den derzeitigen Regelungen zum Kurzarbeitergeld gäbe es aus Sicht der Unternehmen Nachbesserungsbedarf. Wichtig sei, dass die Hilfen unbürokratisch und schnell bei den Unternehmen ankommen. "Zudem brauchen wir dringend einen intensiven Austausch mit der Landesregierung zur Abstimmung von Ausstiegsszenarien", forderte Wunderlich am Dienstag.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.03.2020 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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