03.04.2020 | 15:10 Uhr | Update Coronavirus-Pandemie: 84 Infizierte in Pflegeheim in Zwönitz

In Sachsen ist ein weiteres Pflegeheim von vielen Coronavirus-Infektionen betroffen. In der Einrichtung der Diakonie in Zwönitz wurden die Tests nach zwei Todesfällen ausgeweitet. Viele alte Menschen haben sich dort angesteckt, aber auch Mitarbeiter sind betroffen. Sachsenweit gibt es 16 Heime mit Infektionen. Leipzig plant mobile Untersuchungen.

Pflegeheim Zwönitz
Bildrechte: MDR/Andre März

Lage in Zwönitz dramatisch - 84 Corona-Infizierte

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen im Altenpflegeheim Bethlehemstift in Zwönitz im Erzgebirge hat sich auf 84 erhöht. Das sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping im Presse-Briefing am Freitag. Das Virus sei bei 51 von 78 Bewohnern und 33 Mitarbeitern nachgewiesen worden. Das sind sieben mehr als am Donnerstag. Acht Bewohner befinden sich nach Angaben der Ministerin in stationärer Behandlung. Die Situation in dem Pflegeheim bleibe angespannt.

Weitreichende Tests nach zwei Todesfällen

Das Pflegeheim hatte nach Angaben des Landratsamtes weitreichende Tests veranlasst, nachdem es dort zwei Todesfälle durch Covid-19 und mehrere schwere Krankheitsfälle gegeben hatte. Dafür wurde ein mobiles "Coronateam" vom Helios-Klinikum Aue zu Hilfe geholt. Das Heim war bereits seit dem 13. März nicht mehr für Besucher zugänglich. Die Bewohner bleiben den Angaben zufolge aber in der Einrichtung und werden dort weiter versorgt. Dabei würden erkrankte und gesunde Bewohner voneinander getrennt.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei denen die Symptome schon ausgebrochen sind, sind und bleiben bis zur Genesung zuhause.

Rainer Sonntag Vorstand des Diakonischen Werks Aue-Schwarzenberg

Wie es zu dem Ausbruch gekommen ist, sei unklar, sagte Sonntag dem MDR. Das Heim habe die Quarantäne-Regeln konsequent eingehalten.

Personal ohne Symptome kann weiterarbeiten

Personal, das positiv getestet ist, aber keine Symptome zeigt, kann unter strengen Auflagen weiterarbeiten und die positiv getesteten Bewohner weiter versorgen. Sämtliche Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft. Dennoch rechnet das Landtratsamt mit weiteren Covid-19-Fällen.

Gleichwohl müssen wir uns aber auf weiter steigende Infektionszahlen und vermutlich auch auf weitere Todesfälle einstellen.

Frank Vogel Landrat im Erzgebirgskreis

Insgesamt ist die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Zwönitz auf 94 gestiegen. Drei Menschen starben nach Angaben der Behörden an der Lungenkrankheit Covid-19.

Insgesamt 16 Pflegeheime in Sachsen von Covid-19 betroffen

In Sachsen gibt es nach Angaben der Landesregierung in 16 Pflegeheimen Bewohner oder Pflegekräfte, die sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Zuletzt waren im ASB-Pflegeheim in Hohnstein in der Sächsischen Schweiz 16 Bewohner und Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Pflegeheim dort steht ebenso unter Quarantäne wie eine Pflegeeinrichtung in Klein Priebus im Landkreis Görlitz. Dort hatte es am Donnerstag den zweiten Todesfall durch Covid-19 gegeben. Ein 65-jähriger Mann mit Vorerkrankungen starb in einer Klinik. Stark betroffen ist auch ein kleineres Pflegeheim im Raum Hoyerswerda. In der Einrichtung wurden nach Angaben der Behörden mehrere Angestellte und Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet. Der personelle Engpass werde als kritisch bewertet.

Köpping: "Bei Erkältung dringend testen"

Gesundheitsministerin Petra Köpping hatte ein Konzept zum Schutz von Pflegeheimen angekündigt. Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sollten besser mit Schutzmaterial und Corona-Tests versorgt werden. Gegenwärtig liege die Testkapazität in Sachsen bei 5.200 pro Tag. Aber nicht alle der besonders gefährdeten Personen erreiche man damit.

Wir haben in Sachsen 1.000 Pflegeheime und 120.00 Pflegekräfte, diese auf einen Schlag zu testen, diese Kapazitäten haben wir nicht.

Petra Köpping Gesundheitsministerin

Man teste deshalb nur, wie vom Robert-Koch-Institut empfohlen, wenn Erkältungssymptome auftreten. In Sachsen leben nach Angaben der Ministerin rund 57.000 Menschen in Pflegeheimen.

Leipzig plant mobile Untersuchungen

In Leipzig sollen demnächst Alten- und Pflegeheime besonders in Visier für Tests genommen werden. Wie das Klinikum St. Georg mitteilte, plant die Stadt zusammen mit dem Klinikum und dem Uniklinikum eine Querschnittuntersuchung in ausgewählten Einrichtungen. Dort sollen mobile Teams mit Hilfe von Medizinstudenten über gezielte Abstrichuntersuchungen herausbekommen, ob es unerkannte Virusträger unter den Heimbewohnern oder beim Pflegepersonal gibt. Laut Petra Köpping ist ähnliches auch in Chemnitz vorgesehen.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.04.2020 | 11:00 Uhr in den Nachrichten

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