03.04.2020 | 05:38 Uhr Chemnitz: Mit Frauenpower durch die Coronavirus-Krise

Für viele Unternehmen und kleine Geschäfte bedeutet die Coronavirus-Pandemie schon nach Tagen eine existenzielle Bedrohung. Aber genauso schnell haben viele nach einem Ausweg gesucht - auch diese drei Chemnitzerinnen.

"Geschlossen" steht auf einem Schild an der Tür eines Restaurants.
Die meisten Geschäfte sind seit dem 23. März 2020 geschlossen. Bildrechte: dpa

Christina Gränitz, Ellen Kaettniß und Denise Quarch wollen ihren Kopf in der Krise nicht in den Sand stecken. Eine Schmuckgestalterin, eine Yogalehrerin und eine Tüftlerin stellen vor, wie sie in kürzester Zeit nach Auswegen aus der Krise gesucht und dabei kreative Lösungen gefunden haben - drei Beispiele von Hunderten aus Chemnitz.

Die Tüftlerin: Denise Quarch

Denise Quarch betreibt am Chemnitzer Brühl ein Geschäft mit dem vielsagenden Namen Donna Quijote. Mit Upcycling, also dem Umwandeln von Abfallprodukten in neue Kreationen, kämpft sie schon länger gegen die Windmühlen der Wegwerfgesellschaft.

Denise Quarch, Inhaberin des Geschäfts Donna Quijote.
Denise Quarch, Inhaberin des Geschäfts Donna Quijote. Bildrechte: Denise Quarch

Kommt der Kunde nicht zum Kurs, dann kommt der Kurs zum Kunden

Dabei entstehen recycelte Lampen, Regale und andere Möbelstücke. Die Tüftlerin bietet neuerdings aber auch Workshops an. Darin erklärt sie, wie sie arbeitet: Sie bastelt vor laufender Kamera ein Kerzenglas-Set. Die Netzgemeinde schaut zu und kann selbst kreativ werden. Das klappe auch online - ohne im Laden zusammenzusitzen.

In einem Verkaufsraum mit Tisch stehen verschiedene Lampen mit Körpern aus Ästen und Flaschen
Im "Donna Quijote" werden Upcycling-Produkte verkauft, aber auch Workshops angeboten. Bildrechte: Denise Quarch

Das nötige Material für die Teilnehmer habe ich ja zum großen Teil schon besorgt, also gibt es da keinen Engpass.

Denise Quarch bietet Online-Tüftel-Workshop an

Im Online-Shop könne man sich das entsprechende Set bestellen. Die Anleitung kommt dann per Video von Donna Quijote. "In der kommenden Woche soll das nächste Set fertig sein." An kreativen Ideen mangelt es ihr also nicht, um über das Netz einen engen Draht zu ihren Kunden aufrecht zu erhalten.

Die Yogalehrerin: Ellen Kaettniß

Ellen Kaettniß betreibt in Chemnitz ein Zentrum für Yoga und Therapie. In ihren Räumen im Stadtzentrum treffen sich Menschen normalerweise gemeinsam zum Yoga, für Meditationen und Therapien. Doch seit das Zentrum geschlossen ist, überträgt Ellen Kaettniß ihre Kurse über das Internet.

Entspannung per Livestream

Ellen Kaettniß, Yoga-Lehrerin, sitzt mit verschränkten Beinen in einem Yoga-Studio
Die Yoga-Lehrerin Ellen Kaettniß in ihrem Studio. Bildrechte: Ellen Kaettniß

Vielen Menschen fliegt gerade ihr Leben um die Ohren.

Ellen Kaettniß Yoga Inspiration - Zentrum für Yoga und Therapie

Es habe ihr sehr viel daran gelegen, die Kurse fortzuführen, sagt Ellen Kaettniß. "In dieser Zeit ist es wichtig, Vertrautes beizubehalten, sich mental zu stabilisieren". Natürlich könne sie virtuell nicht so intensiv mit den Teilnehmern arbeiten wie im Studio.

Ich kann auf diesem Weg nur Yoga-Basics vermitteln. Aber wichtig ist, dass in dieser Zeit der Kontakt untereinander nicht abbricht.

Ellen Kaettniß über Yoga per Livestream

Die Technik für die Live-Kurse im Internet habe ihr kurzerhand ein Freund eingerichtet, sagt sie. "Das hat sich sehr schnell herumgesprochen." Mittlerweile seien ungefähr zwei Drittel der bisherigen Kursteilnehmer auf das Online-Angebot eingegangen. "Es haben sich dadurch auch ganz neue Möglichkeiten ergeben. Eine Deutsche, die zurzeit in London lebt, nimmt jetzt auch an meinem Kurs teil."

Eine improvisierte Sendeanlage mit Laptop steht auf einem Servierwagen
Die Technik für die Übertragung der Kurse hat ein Freund von Ellen Kaeniß eingerichtet. Bildrechte: Ellen Kaettniß

Die Schmuckgestalterin: Christina Gränitz

Einen Online-Shop hat die Schmuckgestalterin Christina Gränitz so schnell nicht aus dem Boden stampfen können. Ihr Geschäft "Bahio" hat erst seit November 2019 geöffnet. Seitdem ist sie auf vielen Schmuck-Märkten gewesen und hat dort verkauft.

Via E-Mail und mit dem Smartphone zum Schmuck-Lieferdienst

Eine junge Frau, Christina Gränitz, sitzt auf einer Kommode, umgeben von Schmuckauslagen an der Wand
Christina Gränitz in ihrem erst im November 2019 eröffneten Geschäft. Bildrechte: Christina Gränitz

Mit dem Laden hatte ich auch einen guten Start. Bis jetzt hat alles gepasst.

Christina Gränitz Schmuckhändlerin

Traurig war sie noch immer darüber, dass ihr Laden seit eineinhalb Wochen geschlossen sein muss. Ob ihre Kundschaft weiter zu ihr halten würde, wusste sie nicht. Christina Gränitz stellte erst einmal ein Schild mit ihren Kontaktdaten ins Schaufenster. Und schon kamen die ersten Anrufe und Nachrichten.

Überraschender Zuspruch

"Das kam überraschend, hat sich aber sehr gut angefühlt. Kunden, die sonst bei mir im Geschäft gestanden hätten, haben mir per E-Mail oder Nachricht Mut gemacht." Wer etwas kaufen wollte, dem habe sie Bilder der Schmuckstücke geschickt. Den bestellten Schmuck verpacke sie im Laden und bringe ihn zu den Kunden in der Nähe." So sei aus der Laufkundschaft eine "E-Mail-Kundschaft" geworden. Über diesen Weg sei der Kontakt viel persönlicher als in einem anonymen Online-Shop, sagt sie: "Und ich habe jetzt einen Schmuck-Lieferdienst."

Ein Schild mit der Aufforderung, trotz geschlossenem Geschäft Kontakt zu halten
Bildrechte: Christina Gränitz

Aufgeben ist keine Option!

Christina Gränitz Schmuckgestalterin

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.03.2020 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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