21.05.2020 | 19:47 Uhr Himmelfahrtstag bei Chemnitz: Glas ist entweder halb voll oder halb leer

Christi Himmelfahrt: Der erste Feiertag im Corona-Frühjahr, an dem die Menschen relativ unbeschwert ins Freie konnten, verlief anders, als die meisten es sich noch vor ein paar Monaten vorstellen konnten. Abstandsgebote und Kontaktbeschränkungen sollten eingehalten werden - wurden es aber oft auch nicht.

In einem Biergarten haben menschen ihre Fahrräder an Holzstangen gelent und sehen in einer Reihe vor einem Bierausschank an. Da sbild entstand am frühen nachmittag des Himmelfahrtstages in der auerswalder Mühle bei Chemnitz.
Anstehen mit Abstand. Die Biergärten entlang des Chemnitztalradweges waren gut besucht. Bildrechte: Thomas Friedrich

Damit der Himmelfahrtstag kein Himmelfahrtskommando für Gäste und Gastronomen wird, sollten auch am Feiertag die Corona-Regeln eingehalten werden. Entlang des Chemnitztal-Radweges zwischen Chemnitz und Markersdorf war das auch zu spüren. Viele Väter hatten ihre Familien mitgenommen zum Vatertagsausflug. Die Gaststätten und Biergärten an der 16 Kilometer langen Strecke waren dicht umlagert. Beim Anstehen nach Bier und Bratwurst wurde aber auf den nötigen Abstand geachtet. Erster Stopp: Markersdorf.

Fahrräder vor einer Würstchenbude und vereinzelten Menschen.
Abstand halten! In Markersdorf am Ende des Chemnitztalweges war das kein Problem. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Markersdorf: Mit Volldampf und halbvollen Zügen in die Saison

Die Chemnitztalbahn in Markersdorf ist auch am Feiertag im 30-Minuten-Takt unterwegs. Auch hier sind die Vorschriften streng. Nur neun Fahrgäste statt der möglichen 18 durften mitfahren. Vereinsmitglied Martin Bauch verrät, dass für die kleine Museumsbahn die gleichen Auflagen wie für Museen gelten.

Zum Glück haben wir einen historischen Fahrkartenschalter, der den Corona-Regeln schon entspricht.

Martin Bauch Vereingsmitglied Chemnitztalbahn e. V.

Er hat eine Glasscheibe und ein kleinen Ausguck. Auch auf einen Schaffner müsse man zur Zeit verzichten. Die Fahrgäste seien sehr verständnisvoll, wenn sie etwas länger warten müssten. "Hauptsache, es rollt wieder!" Und schon schwingt er sich wieder in den Führerstand des Triebwagenzuges und tuckert mit seinen Fahrgästen los.

Ein Arbeitswagen der Bahn mit Fahrgästen fährt an einem alten Bahnsteig ab.
Nur die Hälfte der Plätze durften die Eisenbahner vergeben. Die Fahrgäste hatten Verständnis. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Schausteller in der Hochsaison zum Nichtstun verdammt

Gegenüber des Bahnsteigs gibt es Bockwurst und Getränke. Schausteller Ronny Stransky hat alle Hände voll zu tun. Auch hier gilt: Mundschutz beim Bedienen und vor allem Abstand halten. Er darf auf dem Gelände des Eisenbahnvereins seinen Stand betreiben. "Ich bin selbst Mitglied im Verein und habe die Erlaubnis erhalten, während des Veranstaltungsverbots hier zu verkaufen. Damit kann ich mich gerade so über Wasser halten."

Ein Mann, Schausteller Ronny Stransky, steht in einem Verkaufswagen.
Schausteller Ronny Stransky kann sich Dank des Eisenbahnvereins über Wasser halten. Er verkauft Bier und Bratwurst, statt Tickets für Fahrgeschäfte. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Schaustellerkollegen aus Meerane und Leipzig sind zu Besuch nach Markersdorf gekommen. Zum Feiern ist ihnen nicht zumute, denn es fehle an Perspektiven, sagt Tobias Schwarze.

Zwei Männer, links Schausteller Tobias Schwarze, blicken in die Kamera.
Schausteller Tobias Schwarze (links) ist Mitten in der Saison zum Nichtstun verdammt. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Alle Feste bis Ende August sind abgesagt. Dabei geht es jetzt schon finanziell ans Eingemachte.

Tobias Schwarze (l.) Schausteller aus Meerane

Der Schaustellerverband arbeite bereits an entsprechenden Hygienekonzepten. Aber niemand wisse, wann es wieder Volksfeste in der gewohnten Form geben werde. "Ich war noch nie auf Hilfe vom Staat angewiesen. Die Situation ist jetzt schon bitter." Weiter geht es von Markersdorf aus zur Höllmühle.

An der Höllmühle geht es enger zu

Ein anderes Bild bietet sich dem Himmelfahrtsausflügler an der Höllmühle. Die beliebte Ausflugsgaststätte bei Penig ist samt Biergarten geschlossen. Besitzer Gerd Richter hat Vorsorge getroffen: "An normalen Tagen kann ich die Gäste, die als Familie zusammengehören, einzeln platzieren. Am Vatertag ist das unmöglich." Also hat er nur einen Kioskverkauf eingerichtet und auch die Bänke entfernt.

Neben der Einhaltung der Hygieneregeln am Tresen ist das alles, worauf ich Einfluss nehmen kann.

Gerd Richter Chef der Höllmühle bei Penig

Die Männerrunden nehmen das gelassen und trinken etwas abseits im Stehen ihr Feiertagsbier - in großen Gruppen. Und nach dem dritten Glas scheint auch manchmal das Gefühl für die Entfernung von 1,5 Metern zu verschwinden. Gerd Richter sieht das pragmatisch. "Ich habe überall Schilder mit den entsprechenden Regeln und kann nur an die Gäste appellieren, sich daran zu halten." Zwingen könne er allerdings niemanden.

Eine Gruppe Männer steht auf einem weg neben einem Gartenzaun.
Nicht überall sind 1,5 Meter auch 1,5 Meter... Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Fazit: Nicht überall sind die Abstandsregeln am Himmelfahrtstag einhundertprozentig eingehalten worden. Zwischenfälle gabe es im Chemnitztal keine. Im vogtländischen Pöhl allerdings ist es zu einem Vorfall mit mehreren Verletzten gekommen. Eine Gruppe Betrunkener geriet mit einer anderen deratig in Streit, dass die Polizei die Randalierer mit Pfefferspray bändigen musste. Vier Beamte wurden bei dem Einsatz verletzt.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.05.2020 | 16:40 Uhr

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