Corona-Pandemie Impfstoff in Chemnitz da, Senioren anwesend - aber kein Arzt zum Impfen

Impfung
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Nachdem die ersten Impfungen in Sachsen langsam anliefen, sind in den vergangenen beiden Tagen rund 5.900 Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden. Doch auch dabei lief nicht alles reibungslos. Ein besonderes Problem offenbarte sich am Montag in der Seniorenresidenz Alexa in Chemnitz.

Antje Hillinger, die Leiterin der Einrichtung, wollte schnellstmöglich ihre Bewohnerinnen und Bewohner und auch auch die Mitarbeitenden durch Impfungen schützen. "Ich bekam eine E-Mail mit einem Fragebogen, den ich vollständig ausgefüllt habe", erzählt sie. Sie gab an, wie viele Bewohner und Mitarbeiter geimpft werden sollten und dass der benannte Termin am 4. Januar passend sei. "Und eine Frage war, ob ein Arzt zur Verfügung steht", so Hillinger. Dies habe sie verneint.

Impfteam ohne Arzt

Auf ihre E-Mail erhielt sie auch nach mehreren Nachfragen keine Antwort. "Wir haben uns dann einfach vorbereitet und alle Einverständniserklärungen bereitgehalten", erzählt sie. "Und dann haben wir abgewartet, ob am Montag jemand kommt oder nicht." Punkt 9 Uhr kam das mobile Impfteam bei der Seniorenresidenz an.

Es war alles perfekt vorbereitet. Die Papiere waren da und die Anzahl der Impfdosen stimmte. Das einzige Problem: Es waren weder ein Arzt noch ein medizinisch-technischer Assistent da.

Antje Hillinger Leiterin der Seniorenresidenz Alexa in Chemnitz

Sie wolle nicht von Chaos reden, so Hillinger. "Wenn ein Arzt da gewesen wäre, wäre alles reibungslos verlaufen." Es gelang der Einrichtung den Arzt, der rund 60 Prozent der Bewohner betreut, davon zu überzeugen, seine Praxis am Nachmittag zu verlassen und die Impfungen vorzunehmen. "Und unsere Pflegedienstleiterin ist eine alte DDR-Krankenschwester", so Hillinger. "Sie hat sich nach einer Einweisung darum gekümmert, die Impfstoffe in die Spritzen aufzuziehen." So sei es gelungen, doch noch alle Impfungen durchzuführen.

Impfstoff hält nach Auftauen fünf Tage

Hillingers größte Sorge dabei war, dass der bereits aufgetaute Impfstoff für rund 100 Personen verderben könnte, wenn er nicht direkt verimpft werde. Das sei allerdings kein Problem, erklärt Kai Kranich, Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Sachsen. Der Impfstoff sei nach dem Auftauen fünf Tage haltbar.

"Selbst wenn es vorkommen sollte, was jetzt noch nicht passiert ist, dass nicht geimpft werden kann, kann dieser Impfstoff zurückgeführt werden und wird für den nächsten Tag verwendet", so Kranich. Große Schwierigkeiten sieht er beim Impfstart in Sachsen nicht. Die 13 mobilen Impfteams seien in allen Landkreisen und kreisfreien Städten im Einsatz und führen die stationären Pflegeeinrichtungen an, um dort die Impfungen vorzubereiten und zu begleiten.

Kai Kranich vom DRK-Sachsen im Interview
Kai Kranich, Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Sachsen, sieht keine großen Schwierigkeiten beim Einsatz der 13 mobilen Impfteams in den Pflegeeinrichtungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Impfteams nicht zwingend mit Arzt unterwegs

"Die Impfteams bestehen in der Regel aus einem Fahrer und einem Assistenten, die die logistischen Vorbereitungen treffen, damit in den Pflegeeinrichtungen geimpft werden kann", sagte Kranich. Ärzte und medizinisches Personal werde von der Kasssenärztlichen Vereinigung gestellt. "Im Einzellfall kam es da zu Schwierigkeiten, aber wir haben immer auch versucht mit den Pflegeeinrichtungen selbst Lösungen zu finden, ob zum Beispiel auch Ärzte zur Verfügung stehen, die an sich die Pflegeeinrichtung bereits betreuen", so Kranich.

Impf-Versuch Nummer zwei Ende Januar

Auf einen Lösungsversuch - oder zumindest eine Rückmeldung - wartete Hillinger bisher vergeblich. "Jeder macht mal Fehler", sagt sie. "Aber ich erwarte, dass dann auch jemand die Verantwortung übernimmt und sich vielleicht wenigstens bei uns zurückmeldet." Der zweite Impftermin für die Seniorenresidenz soll am 25. Januar stattfinden. Hillinger hat ihren zuständigen Arzt bereits vorgewarnt. "Ich bin gespannt, wie es beim zweiten Versuch klappt", sagt sie.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 05.01.2021 | 19:00 Uhr

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