Online-Vorlesungen Wie Studierende den Studienbeginn in der Corona-Pandemie erleben

Wer ein Studium beginnt, beschäftigt sich meist mit Fragen wie "Wo auf dem Campus finden meine Vorlesungen statt?". In diesem Jahr müssen sich die Studienanfänger vor allem damit auseinandersetzen, wie sie auch digital ihr Studium in den Griff bekommen und ihre Kommilitonen kennenlernen. Johanna, Studienanfängerin an der Hochschule Mittweida und Sarah Seidel und Mike Herrmann, die beide an der TU Chemnitz ein Studium begonnen haben, erzählen von ihrer Situation.

Sarah Seidel und Mike Herrmann vor der Mensa der TU Chemnitz
Einen speziellen Studienstart erleben Mike Herrmann und Sarah Seidel an der TU Chemnitz. Durch die Corona-Pandemie studieren sie online und müssen auf die typischen Studentenerfahrungen verzichten. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Sarah Seidel und Mike Herrmann sind ein Paar, sie stammen aus der Nähe von Stuttgart und sind im September für ihr Studium gemeinsam nach Chemnitz gezogen. Seidel studiert Prävention-Reha-Fitness, Herrmann Wirtschaftswissenschaften. Mit einem großen Onlineanteil der Vorlesungen hatten sie gerechnet, aber dass sie dann nur online studieren stellt sie vor Herausforderungen.

"Meine Orientierungswoche war gut geplant", erzählt Herrmann. Es gab eine Campus- und eine Stadttour mit Mentoren. "Dadurch habe ich einige Kommilitonen kennengelernt." Davon profitiert er nun, da er sich mit diesen täglich schreibt. Bei Seidel lief es weniger gut. "Ich hatte zwar auch eine Tour, aber dabei habe ich nur Studenten aus anderen Studiengängen kennengelernt", erzählt sie.

Bekanntschaften sind nur oberflächlich

Zumindest hat Seidel in ihrem Studium noch einige Präsenz-Sportkurse. "Dort konnte ich dann einige Leute treffen", sagt sie. Alle Bekanntschaften der Beiden seien aber oberflächlich. "Man kann so keine vertiefenden Freundschaften schließen, wenn man sich nie sieht."

Eine Diskokugel dreht sich
Partys, die normalerweise zum Studentenleben dazugehören, sind derzeit nicht möglich. Bildrechte: dpa

Ihre Onlinekurse haben sie gut im Griff, auch wenn es manchmal schwerfalle, sich ständig zu motivieren und zu konzentrieren. Was ihnen wirklich fehlt, sind Freizeitaktivitäten. "Es gibt derzeit keine Angebote von der Uni und wir wissen auch noch gar nicht, was man in der Stadt machen kann", sagen sie. "Zurzeit kann man ja auch nichts machen außer spazieren gehen." Dadurch wäre jeder Tag gleich. Das Wochenende unterscheide sich eigentlich kaum von den Wochentagen.

Austausch mit anderen Studenten fehlt

Auch Johanna hat ein Studium in einer ihr unbekannten Stadt aufgenommen. Sie studiert im ersten Semester Medienmanagement an der Hochschule Mittweida, lebt aber mit ihrem Freund in Chemnitz. Auch ihr fehlt der Austausch mit anderen Studenten. "Wir haben zwar Whatsapp-Gruppen, aber das ist schwierig, wenn man sich gar nicht kennt", erzählt sie.

Sie hatte sich vor allem auf die aktiven Kurse an der Hochschule gefreut. "Es sollte einen Grundlagenkurs Fotografie geben", so Johanna. "Aber der fällt jetzt flach." Über Projekte wollte sie auch neue Leute kennenlernen. Ihr fehlt der typische Smalltalk, der eigentlich nach den Vorlesungen auf dem Weg zur Mensa stattfindet.

Sich für die Onlinekurse zu motivieren, fällt ihr bei Fächern, die ihr nicht so viel Spaß machen, manchmal schwer. "Ich habe herausgefunden, dass ich mich produktiver fühle, wenn ich Jeans und Turnschuhe statt einer Jogginghose anhabe", verrät sie einen ihrer Tricks.

Endlich Gruppentreffen nach der Pandemie

Sobald die Pandemie vorbei ist, will Johanna vor allem den Fotografiekurs nachholen und bei Projektarbeiten Kommilitonen kennenlernen. Seidel und Herrmann wollen gern auf eine Party gehen. "Nicht wegen der Party, sondern um mal wieder neue Leute in einer Gruppe zu treffen", sagen sie. "Und es wird toll, an einem Wochenende endlich mal wieder die Auswahl zu haben, was man unternehmen möchte."

Quelle: MDR/al

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