01.09.2018, Sachsen, Chemnitz: Wasserwerfer bringen sich bei der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben,in Stellung. Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt.  Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
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11.000 Teilnehmer am Sonnabend Aggressive Stimmung bei Demonstrationen in Chemnitz

Vier Demonstrationen fanden am Sonnabend in Chemnitz statt. Obwohl die Stimmung gereizt war, eskalierte sie nicht. Mit eine Großaufgebot sorgte die Polizei überwiegend für Ruhe. Trotzdem kam es zu Zwischenfällen.

01.09.2018, Sachsen, Chemnitz: Wasserwerfer bringen sich bei der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben,in Stellung. Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt.  Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
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11.000 Teilnehmer, 37 Anzeigen und 18 verletzte Personen. Diese Bilanz zieht die Polizei am Sonntagmittag nach den Demonstrationen in Chemnitz. 2.000 Polizisten mit Reiterstaffeln, Diensthunden, Wasserwerfern und Sonderfahrzeugen aus neun Bundesländern waren im Einsatz. Hinzu kamen Beamte der Bundespolizei.

Zahlreiche Bundespolitiker bei "Herz statt Hetze"

Grund für das Großaufgebot an Beamten waren vier angemeldete Demonstrationen in der Innenstadt. Los ging es am frühen Nachmittag. Zunächst zog eine von den Linken initiierte Friedenskundgebung vom Roten Turm aus durch Chemnitz. 50 Menschen beteiligten sich an der Aktion. Mit "Herz statt Hetze" folgte ab 15 Uhr auf dem Johannisplatz die erste größere Kundgebung, an der laut Polizei 3.000 Menschen teilnahmen. Ein breites Bündnis hatte dazu aufgerufen. Bundes- und Landespolitiker wie Martin Dulig von der SPD, Cem Özdemir von den Grünen und Dietmar Bartsch von den Linken nahmen daran teil. Im Interview mit MDR SACHSEN sagte Bartsch, wie wichtig es sei, dass in Chemnitz die Stadtgesellschaft aufstehe:

Wir dürfen nicht zulassen, dass Hetze, Gewalt und Rassismus in irgendeiner Weise anerkannt sind.

Dietmar Bartsch Vorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag

"Pro Chemnitz" marschiert nach Auflösung bei der AfD mit

Die Anhänger der rechten Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" versammelten sich ab 16 Uhr am Karl-Marx-Monument. Die geplante Route musste kurzfristig geändert werden. Die Polizei habe einen Zusammenschluss mit der AfD-Pegida-Demo verhindern wollen, hieß es auf der Kundgebung. "Pro Chemnitz" hätte demnach seine Route ändern müssen. Das lehnten die Teilnehmer nach Angaben eines MDR-Reporters ab. Die Veranstaltung löste sich deshalb zunächst auf, um sich ab 17 Uhr doch noch der AfD-Veranstaltung anzuschließen.

Zum sogenannten "Schweigemarsch" von AfD und Pegida kamen laut Polizei 8.000 Demonstranten. Noch bevor die Teilnehmer losgelaufen waren, gab es den ersten Zwischenfall: Eine kleine Gruppe Gegendemonstranten hatte versucht, die Versammlung zu stören. Kurze Zeit später wollte eine größere Gruppe der AfD-Pegida-Kundgebung zur "Herz statt Hetze"-Veranstaltung am Johannisplatz laufen.

Bildergalerie Tausende Demonstranten in Chemnitz

Unter dem Motto "Herz statt Hetze" sind in Chemnitz Tausende Menschen zusammengekommen, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. AfD, Pegida und "Pro Chemnitz" haben sich ebenfalls Tausende angeschlossen.

01.09.2018, Sachsen, Chemnitz: Wasserwerfer bringen sich bei der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben,in Stellung. Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt.  Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
Um die Veranstaltungen in Chemnitz abzusichern, sind Polizisten aus neun Bundesländern sowie der Bundespolizei vor Ort. Hier bringen sich die Wasserwerfer bei der Demonstration von AfD, Pegida und "Pro Chemnitz" in Stellung. Bildrechte: dpa
AfD-Demo Chemnitz
Gegen 18 Uhr setzte sich der sogenannte Trauermarsch von AfD, Pegida und "Pro Chemnitz" in Bewegung. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Teilnehmer der AfD-Pegida-Bilder zeigen Opferbilder.
Teilnehmer der AfD-Pegida-Bilder zeigen Plakate mit Männern und Frauen, die Opfer von Asylbewerbern geworden sein sollen. Bildrechte: Christian Essler
Ein Demonstrant wird von der Polizei in Gewahram genommen, weil er geschubst und provoziert haben soll.
Nicht alle Demonstranten waren friedlich. Manche provozierten und schubsten auch die Polizei und wurde in der Folge abgeführt. Bildrechte: Christian Essler
Politiker Herz-statt-Hetze-Demo
Unter den Demonstranten bei "Herz statt Hetze" waren auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der Linken-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch, Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig, Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir und seine Nachfolgerin Annalena Baerbock sowie die ehemalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD). Bildrechte: Christian Essler
Bilder der Kundgebung "Herz statt Hetze"
Weitere Eindrücke von "Herz statt Hetze". Bildrechte: Christian Essler
01.09.2018, Sachsen, Chemnitz: Wasserwerfer bringen sich bei der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben,in Stellung. Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt.  Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
Um die Veranstaltungen in Chemnitz abzusichern, sind Polizisten aus neun Bundesländern sowie der Bundespolizei vor Ort. Hier bringen sich die Wasserwerfer bei der Demonstration von AfD, Pegida und "Pro Chemnitz" in Stellung. Bildrechte: dpa
Sachsen, Chemnitz: Teilnehmer der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben, ziehen zum  Karl-Marx-Denkmal. Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt.  Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt. Bildrechte: dpa
AfD-Demo Chemnitz
Der Zug formierte sich auf der Theaterstraße/Innere Klosterstraße. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
AfD-Demo nimmt in Chemnitz Aufstellung.
Der gemeinsame "Trauermarsch" von AfD und Pegida beginnt. In der ersten Reihe stehen unter anderem die AfD-Landeschefs aus Thüringen, Brandenburg und Sachsen. Die Veranstalter haben zu einer friedlichen Veranstaltung angerufen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Blick auf die Pro-Chemnitz-Demo.
Mehrere Tausend Menschen sind zum "Schweigemarsch" angereist. Bildrechte: Christian Essler
Pro Chemnitz
Die Botschaften sind eindeutig. Bildrechte: xcitePRESS
Teilnehmer der "Pro Chemnitz"-Demo versammeln sich am Marx-Monument. Gegen 16 Uhr sind es mehrere hundert. Auch ein Teilnehmer mit Migrationshintergrund läuft bei der Kundgebung mit.
Auf der "Pro Chemnitz"-Veranstaltung. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Friedenspanzer Chemnitz
Aus Cuxhaven im Norden Niedersachsens ist ein umgebautes Wohnmobil als Friedenspanzer nach Chemnitz gerollt. Bildrechte: Uta Deckow
Der Chemnitzer Unternehmer und Stadtrat Lars Fassmann blockiert mit Grundgetzen die Route der rechten Demonstration. 01.09.2018, Sachsen, Chemnitz: Zahlreiche Grundgesetzbücher stehen auf der Bahnhofstraße in der Nähe der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei unter dem Motto «Herz statt Hetze». Am 28.08.2018 war in Chemnitz ein 35 Jahre alter Deutscher durch Messerstiche getötet worden. Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die sächsische Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
Der Chemnitzer Unternehmer und Stadtrat Lars Fassmann von der Piraten/Volkssolidarität-Fraktion blockiert auf der Bahnhofstraße mit Grundgesetzen die Route der rechten Demonstration. Bildrechte: Mario Unger
Blick auf die Herz-statt-Hetze-Demo in Chemnitz.
Am Nachmittag sind bereits mehrere Hundert Menschen zusammengekommen, um unter dem Motto "Herz statt Hetze" gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren. Bildrechte: Christian Essler
Menschen sammeln sich zur Herz-statt-Hetze-Demo in Chemnitz.
Auf einem Parkplatz bei der Johanniskirche versammelten sich die Teilnehmer. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
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Angriff auf Journalisten gemeldet

Einen Zwischenfall erlebte während der Demonstration ein Fernsehteam von MDR Aktuell. Zwei Reporter hatten an einer Wohnungstür geklingelt. Sie äußerten die Bitte, vom Balkon der Wohnung Bilder des Demonstrationszuges drehen zu dürfen. Ein Jugendlicher in der Wohnung stimmte dieser Bitte zu und ließ die Reporter rein. Während der Dreharbeiten auf dem Balkon kam ein Mann in die Wohnung und attackierte die Reporter. Offenbar kein Einzelfall. In der aufgeheizten Stimmung hat es anscheinend mehrere Angriffe auf Journalisten und Kamerateams gegeben. Das berichten auf Twitter unter anderem Streetcoverage und der Moderator des Poltitmagazins Monitor Georg Restle.

Überfall auf SPD-Abgeordneten

Ähnliche Erfahrungen machte eine Besuchergruppe um den SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol, die nach eigenen Angaben von Rechtsradikalen überfallen wurde. Auch Überfälle auf einen 20-Jährigen im Ortsteil Markersdorf und ein Eiscafé in der Straße der Nationen werden gegenwärtig von der Polizei überprüft.

Nach dem weitgehend störungsfreien Sonnabend zog die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel eine positive Bilanz: "Trotz der erwarteten und mittlerweile uns bekannten Straftaten ist es doch weitgend friedlich geblieben." Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller zeigte sich erleichtert. "Ich bin dankbar, dass es gestern im Zusammenhang mit den Demonstrationen und Versammlungen weitgehend friedlich geblieben ist", sagte Wöller.

Quelle: MDR/sth/epd/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.09.2018 | 06:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 02. September 2018, 16:20 Uhr

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