Demos Chemnitz
Nach einem handgreiflichen Streit in der Nacht zum Sonntag hatten rechte Gruppen zum spontanen Protest an den Karl-Marx-Kopf mobilisiert. Es kamen rund 50 Personen. Bildrechte: Jan Härtel

09.06.2019 | 18:45 Uhr Polizei Chemnitz am Pfingstwochenende stark gefordert

Das lange Pfingstwochenende ist noch in vollem Gange, aber die Polizei in Chemnitz hat schon einige brisante Einsätze hinter sich. Am Sonnabend waren gleichzeitig mehrere Veranstaltungen in der Chemnitzer Innenstadt angemeldet. Am Sonntag mussten die Einsatzkräfte zu spontanen Kundgebungen ausrücken.

Demos Chemnitz
Nach einem handgreiflichen Streit in der Nacht zum Sonntag hatten rechte Gruppen zum spontanen Protest an den Karl-Marx-Kopf mobilisiert. Es kamen rund 50 Personen. Bildrechte: Jan Härtel

Rund 120 Einsatzkäfte der Chemnitzer Polizei und der sächsischen Bereitschaftspolizei haben am Sonnabend mehrere Veranstaltungen in der Innenstadt abgesichert.

Schwein bei Grillfest Pro Chemnitz
Schwein des Anstoßes - weil Pro Chemnitz mit dem Grillen des Schweins samt Kopf gegen die Auflagen verstieß, musste das Tier zerteilt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neben einem Kinderfest und einer Musikveranstaltung am Schloßteich waren das Zuckerfest des Arabischen Vereins, eine Tierschutzdemo und das Protestgrillen von Pro Chemnitz angemeldet. Alle Veranstaltungen, heißt es später in der Pressemitteilung der Polizei, seien weitgehend störungsfrei verlaufen. Allerdings mussten die Beamten bei der Veranstaltung von Pro Chemnitz eingreifen. Das rechte Bürgerbündnis wollte unter dem Motto "Schwein gehabt – Pro Chemnitz" gegen das muslimische Zuckerfest protestieren. Weil auf dem Grill allerdings ein Schwein samt Kopf lag und Pro Chemnitz damit gegen die Auflagen verstoßen hat, schritt die Polizei ein. Wie Polizeisprecherin Jana Ulbricht am Sonntag auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, hatte die Versammlungsbehörde der Stadt untersagt, ganze Tiere und Köpfe zu grillen. Weil die Organisatoren gegen diese Auflage verstoßen haben, musste das Spanferkel zerlegt werden. Der Kopf wurde entsorgt.

Streit zwischen Deutschen und Ausländern am Samstagabend eskaliert

Am späten Samstagabend wurde die Polizei zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung in die Rathausstraße gerufen. Hier war den Angaben zufolge eine verbale Auseinandersetzung zwischen zwei deutschen und zwei ausländischen Männern eskaliert. Ein 18-Jähriger aus Syrien habe während des Streits ein Messer gezogen und damit einen 41-jährigen Deutschen an der Hand leicht verletzt, so die Polizei. Gegen den Syrer werde wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt.

Jana Ulbricht Polizeisprecherin Chemnitz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Folge des Streits kam es hier zu einem Handgemenge. Dabei soll einer der Beteiligten auch ein Messer eingesetzt haben. Ein anderer Beteiligter hat hier eine Schnittwunde an der Hand erlitten. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Wir ermitteln derzeit wegen gefährlicher Körperverletzung.

Jana Ulbricht Polizeisprecherin Chemnitz

Bildergalerie Chemnitz auch Pfingsten zwischen Party und Protest

In Chemnitz hat die Polizei auch am Pfingstwochende alle Hände voll zu tun. Nachdem am Sonnabend mehrere angemeldete Veranstaltungen abgesichert werden mussten, gab es am Sonntag spontane Proteste.

Demos Chemnitz
Pfingstsonntag in Chemnitz: Weil spontane Demonstrationen angekündigt sind, werden Einsatzkräfte von den Polizeirevieren sowie der Verkehrspolizeiinspektion der Polizeidirektion Chemnitz zusammengezogen. Unterstützt wurden sie von Beamten der sächsischen Bereitschaftspolizei, die nach einem Einsatz in Leipzig nach Chemnitz kamen. Bildrechte: Anett Linke
Demos Chemnitz
Pfingstsonntag in Chemnitz: Weil spontane Demonstrationen angekündigt sind, werden Einsatzkräfte von den Polizeirevieren sowie der Verkehrspolizeiinspektion der Polizeidirektion Chemnitz zusammengezogen. Unterstützt wurden sie von Beamten der sächsischen Bereitschaftspolizei, die nach einem Einsatz in Leipzig nach Chemnitz kamen. Bildrechte: Anett Linke
Demos Chemnitz
Auslöser für den erhöhten Polizeieinsatz war die spontane Ankündigung rechter Gruppen am Karl-Marx-Kopf. Bildrechte: Jan Härtel
Demos Chemnitz
Sie hatten nach einer Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Ausländern in der Nacht zum Sonntag zu einer Protestkundgebung mobilisiert. Bildrechte: Jan Härtel
Demos Chemnitz
Rund 50 Personen folgten dem Aufruf. Bildrechte: Jan Härtel
Polizisten stehen vor Demonstranten
Im Stadthallenpark versammelten sich daraufhin Teilnehmer zu einem Gegenprotest. Bildrechte: Anett Linke
Zuckerfest Tierschutzdemo Chemnitz 8.6.2019
Am Sonnabend hatte es in Chemnitz mehrere angemeldete Veranstaltungen gegeben. So waren Tierschützer unterwegs, um für eine Schließung aller Schlachthöfe zu demonstrieren. Bildrechte: Harry Härtel
Zuckerfest Tierschutzdemo Chemnitz 8.6.2019
Am "NIschel" fand gleichzeitig das Zuckerfest statt. Bildrechte: Harry Härtel
Zuckerfest Tierschutzdemo Chemnitz 8.6.2019
Die Muslime in der Stadt feierten damit das Ende des Zuckerfestes. Bildrechte: Harry Härtel
Pro Chemnitz
Das wiederum rief Pro Chemnitz auf den Plan. Die rechte Bürgerbewegung kritisierte die Finanzierung des Zuckerfestes mit öffentlichen Geldern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schwein bei Grillfest Pro Chemnitz
In "Riechweite" zum muslimischen Fest - wie sie es selbst formulierten - wollten sie ein Grillfest mit Schweinefleisch feiern. Weil das Grillen ganzer Tiere und von Köpfen zuvor per Auflagenbescheid der Stadt untersagt war, musste dieses Schwein später zerteilt werden. Der Kopf wurde entsorgt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Pro Chemnitz Martin Kohlmann
Pro Chemnitz-Chef Martin Kohlmann. Er sagte MDR SACHSEN: "Wir haben nichts gegen Zucker und wir haben nichts gegen Feste. Wir haben aber was dagegen, dass ein islamisches Fest von der Stadt bezahlt wird." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Auch am Sonntag zusätzliche Kräfte angefordert

Die nächtliche Auseinandersetzung rief schließlich rechte Gruppen auf den Plan, die für den Sonntagnachmittag zu einer Protestkundgebung am Karl-Marx-Kopf aufriefen. Die Polizei zog daraufhin erneut Kräfte zusammen. "Unter anderem wurden Einsatzkräfte von den Polizeirevieren sowie der Verkehrspolizeiinspektion der Polizeidirektion Chemnitz zusammengezogen", heißt es in einer Pressemitteilung vom Sonntagnachmittag. "Zudem begaben sich Beamte der sächsischen Bereitschaftspolizei aus einem Einsatz in Leipzig nach Chemnitz. Insgesamt waren 66 Einsatzkräfte in den Einsatz involviert." Im Stadthallenpark formierte sich zur gleichen Zeit ein Gegenprotest. Auf beiden Seiten wurden etwa 50 bis 60 Teilnehmer gezählt. Nach bisherigen Erkenntnissen blieb es friedlich.

Polizisten stehen vor Demonstranten
Die Polizei stoppte den Gegenprotest am Stadthallenpark am Sonntag, bis die Genehmigung der Versammlungsbehörde vorlag. Bildrechte: Anett Linke

Polizei widerspricht Darstellungen in rechten Netzwerken

Im Vorfeld der Kundgebung am "Nischel" ging die Polizei gegen Fehlinformationen in den sozialen Netzwerken vor. Pro Chemnitz hatte auf Facebook mitgeteilt, der 41-jährige Deutsche sei nach der Pro Chemnitz-Demonstration angegriffen worden. Weiter hieß es, die Polizei ermittle wegen zweifachen versuchten Totschlags. Die Polizeidirektion Chemnitz widersprach den Darstellungen. Ein direkter örtlicher und zeitlicher Zusammenhang zwischen der Versammlung und dem Angriff bestehe nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht. "Die Demo war ca. 17:30 Uhr zu Ende. Das Tatgeschehen fand nach 21 Uhr statt", so die Polizei bei Twitter. Zudem werde nicht wegen versuchten Totschlags, sondern des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Dem rechten Netzwerk "Heidenauer Wellenlänge" schrieb die Polizei auf Facebook: "Auch dem Punkt, dass die Polizei von zweifach versuchtem Totschlag sprach, widersprechen wir deutlich! Es wird gegen einen Täter wegen einer gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Auch die vorangegangene verbale Auseinandersetzung ist Gegenstand der Ermittlungen."

Quelle: MDR/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.06.2019 | 19:00 Uhr

Hintergründe zum Thema Fake News

AKTUELLES AUS SACHSEN

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47 Kommentare

11.06.2019 19:02 aus Dresden 47

@46
Die Aktion von ProChemnitz sollte die Einschränkung der hiesigen Freiheitsrechte durch die zunehmende Islamisierung und deren Hofierung durch den Staat und viele Parteien aufzeigen und tat dies auch sehr erfolgreich.

Um die Aussage der Muslime besser einordnen zu können, können Sie sich ja mal die Frage stellen, wie ein Schweinegrillen auf einem zentralen öffentlichen Platz in einem islamischen Land ausgehen würde.

11.06.2019 17:30 SG aus E 46

#39 | 11.06.2019 11:00 | aus Dresden
„Jedem denkenden Menschen ist klar, dass die Auflage zum Ziel hatte, das Grillen von Schweinen und ähmlichem Haram zu verbieten, und so die Interessen Rechte einer Glaubensgemeinschaft über die aller aus deren Sicht Ungläubigen zu stellen.”

Jedem denkenden Menschen ist klar: Das zu verteidigende Rechtsgut kann nur die öffentliche Ordnung gewesen sein. Es stand wohl zu befürchten, dass das Grillen von Spanferkeln mit Kopf als Provokation aufgefasst werden könnte. Denn so war die Aktion von ProChemnitz gemeint.

Sinnvoll wäre gewesen, man hätte zuvor das Gespräch mit der muslimischen Gemeinde gesucht. Dann wäre vorher klar geworden, dass die Stadtverwaltung übervorsichtig reagierte. Denn es hat sich ja gezeigt: Die anwesenden Muslime fühlten sich gar nicht provoziert. „In einem demokratischen Land hat jeder das Recht, zu demonstrieren und zu sagen was er will. Wir sterben nicht, wenn sie Schweine grillen.” (mdr.de) https://t1p.de/9sc6

11.06.2019 16:29 Willy 45

@ 4 4 ja aber bitteschön das mußt du.......... übrigens vom schönen Beobachter diese Relegion können diese bei sich ausüben aber nicht in unserem schönen D.
diese Traditionen, wir haben unsere Kultur , Werte erkämpft und lassen uns nicht wieder in die Vergangenheit zurück fallen, also die Germanen haben Ramadan gemacht , zu tief ins Glas geschaut zu Pfingsten ? und noch eins wenn du lesen kannst stnd in der Zeitung vor längerem das eine Islamgruppe Fussfassen möchten im Osten, nunmehr, der Islam ist jetzt in D. im vollen gange so sieht es aus ! warum veröffentl. sie fast wieder keine Komment. MDR wir haben Meinungsfreiheit immer noch !

[Lieber Willy,
in Deutschland gibt es die Religionsfreiheit, ein Grund- und Menschenrecht, welches jedem Menschen erlaubt die persönliche individuelle Glaubensüberzeugung in Form einer Religion oder Weltanschauung frei und öffentlich auszuüben, auch wenn Ihnen das nicht gefällt.

Die Menschenwürde steht über der Meinungsfreiheit.
Das Grundrecht der Meinungsfreiheit begründet außerdem keinen Rechtsanspruch darauf, bestimmte Medien für die Verbreitung bestimmter Ansichten in Anspruch nehmen zu können. Vielmehr ist und bleibt es Sache der Medien, selbst darüber zu entscheiden, ob und ggf. unter welchen Voraussetzungen Nutzermeinungen veröffentlicht und verbreitet werden. Das heißt, wenn Sie sachlich bleiben, andere Meinungen respektieren und sich an unsere Netiquette halten, werden Ihre Kommentare nicht entfernt.

Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

11.06.2019 15:58 Bernd L. 44

Oh, mein Gott, mein Nachbar hat auch Schweinefleisch gegrillt zum Zuckerfest (das natürlich gar nichts mit Religion zu tun hat)- muss ich ihn als Rechtsextremen melden?

DER Beobachter:
Natürlich gibt es keine Islamisierung: Ramadan und Zuckerfest sind alte germansiche Traditionen.

11.06.2019 15:31 Fakt 43

@aus Dresden, #39:

Es lässt sich übrigens sehr gut leben, wenn man nicht in derart verschrobenes Weltbild hat.

11.06.2019 12:34 der_Silvio 42

@36 der Beobachter;
zu 1.) Was sie in #13 geschrieben haben, habe ich gestern erfolglos gegoogelt. Hab nur etwas darüber gefunden, daß eine verbale Auseinandersetzung eskaliert ist.
Es wäre nicht nur interessant, sondern auch konsequent, wenn über den Ausgang der Ermittlungen berichtet würde.

zu 2.) Warum lassen Sie Steinmeier geflissentlich außen vor? Ist er es doch gewesen, der dem Iran zur islamischen Revolution gratuliert hat;
"Bundespräsident Steinmeier hat dem Iran per Telegramm zum Nationalfeiertag gratuliert und reichlich Kritik geerntet.
Der Präsident des Zentralrats der Juden warf dem Bundespräsidenten vor, es fehle ihm an der nötigen Sensibilität."
(Quelle: Welt vom 25.02.2019 'Steinmeier gratuliert Iran – Kritik auch vom Zentralrat der Juden')
Das hofieren hat er such ganz gut drauf.

11.06.2019 12:24 der_Silvio 41

@38 Benno;
Wer redet denn von Spanferkelverbot?!?
Die Absurdität besteht doch darin, daß die Zubereitung (ohne Kopf) vorgeschrieben wurde.
Schon ziemlich traurig und offensichtlich, wie sie Tatsachen verdrehen, um gegen rechte Hetzer zu hetzen. Sind sie da jetzt besser? M.E. NEIN!

11.06.2019 11:41 SZ Rentner 40

@ DER Beobachter @ Ronald Schröder 26
"In der Tat ist der "Verdacht einer zunehmenden Islamisierung" nichts weiter als rechte Hetze! "

Die Anzeichen dafür zu ignorieren wäre dann im Umkehrscluss linke Dummheit .
Falls sie nicht wissen was ich meine :
Frühlingsfest
Wintermarkt
Halalessen in Schulen und Kindergärten
Einschränkungen beim Karneval
Ausfall Kultureller Darbietung mit Rücksicht auf die Anhänger der satanischen Verse
Je mehr sie kriegen je mehr werden sie fordern .

11.06.2019 11:00 aus Dresden 39

@29 Fakt
Der originale Auflagentext ist dem Artikel nicht zu beigefügt und mir unbekannt. Jedem denkenden Menschen ist klar, dass die Auflage zum Ziel hatte, das Grillen von Schweinen und ähmlichem Haram zu verbieten, und so die Interessen Rechte einer Glaubensgemeinschaft über die aller aus deren Sicht Ungläubigen zu stellen.
@31 Fakt
Sie wollen allen Ernstes eine Ideologie wie den Islam samt deren Festen mit dem Oktoberfest vergleichen? Gibt es ein regierungsseitige Order an deren Anhänger alles mit dem Oktoberfest zu vegleichen?
Genereller Tip an die Jüngeren hier im Forum: sich mal ein bisschen über Expansion des Islams im Allgemeinen und z. B. den Bürgerkrieg im Libanon im Speziellen zu informieren.
@19 Souverän
Es ist kein Geheimnis, dass in einigen Straßen Berlins Gassigänger von Moslems bedroht werden. Das Internet liefert entsprechende Belege.

11.06.2019 08:37 Benno 38

Spanferkelverbot! Eingriff in die Grillfreiheit!
Schon ziemlich lustig, wie die rechten Hetzter hier steilgehen. Das ist Chemnitz!
Ich war am Wochenende in Berlin zum Karneval der Kulturen. Menschen aus aller Herren Ländern beim friedlichen Feiern. Auch mit Schweinefleisch.

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