27.08.2019 | 16:22 Uhr Direkt vom Beet: Internettauschbörse für Kleingärtner

Der Chemnitzer Thomas Seidel betreibt seit gut einem Jahr die Plattform "Direkt vom Beet". Hier können Kleingärtner ihr überschüssiges Obst und Gemüse verkaufen oder verschenken. Über 1.200 Nutzer aus ganz Deutschland sind schon dabei.

Thomas Seidel in seinem Garten
Thomas Seidel gibt auch Erzeugnisse aus seinem eigenen Garten über "Direkt vom Beet" weiter. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Die Idee zu einer Internettauschplattform für Kleingärtner entstand vor über einem Jahr im Chemnitzer Szenetreff Lokomov. Thomas Seidel besuchte an diesem Abend eine Veranstaltung zum Thema Müllvermeidung und stellte in der Diskussion fest, dass der Handel den Müll ja vorgebe. Er wolle an den Inhalt und müsse deswegen die Verpackung in Kauf nehmen.

Als nächstes erzählte eine Freundin von ihrem Opa, der immer sehr viele Tomaten pflanzt. Es wären so viele gewesen, dass sie sie wegschmeißen mussten. "Und meine Frau isst so gern Tomaten", erzählt Seidel. "Diese Kombination aus Müllvermeidung und dem Wegschmeißen von Gartenprodukten haben zu der Idee geführt."

Kleingärtner sind von der Idee begeistert

Um herauszufinden, was Kleingärtner von der Idee halten, liefen seine Frau und eine Freundin durch eine Kleingartensparte und fragten herum. Die meisten fanden die Idee toll. "Und ohne, dass sie danach gefragt haben, kamen sie mit einem Riesenrucksack voll mit Früchten wieder", so Seidel.

Screenshot der Website Direkt vom Beet
Auf der Webiste gibt es auch eine Suchfunktion, um alle Angebote aus einer Region sichtbar zu machen. Bildrechte: Direkt vom Beet / Thomas Seidel

Auf der Website "Direkt vom Beet" kann sich jeder einfach und kostenfrei anmelden. Es können Gartenprodukte angeboten oder auch danach gesucht werden. Über 1.200 Nutzer hat die Seite bereits. 99 Prozent der Nutzer sind laut Seidel Frauen. "Vielen geht es nicht um ein kostenfreies Angebot, sondern um die Müllvermeidung", erzählt er. Es gäbe auch eine Bereitschaft die Sachen selbst zu pflücken. In der Regel holen die Nutzer die Erzeugnisse selbst vor Ort ab. Das kann individuell über die Website vereinbart werden.

Das Potenzial in Deutschland ist riesig

Außerhalb der Erntesaison können auf der Seite Saatgut, Werkzeuge und Schnittblumen angeboten werden. Auch leerstehende Gärten sollen hier schneller einen neuen Nutzer finden. Das Potenzial sei in Deutschland riesig. "Wir haben knapp fünf Millionen Gartengrundstücke in Deutschland", sagt Seidel. "Wenn viele etwas abzugeben haben, muss nicht alles über weite Strecken transportiert werden."

Neben der ökologischen Vorteile sei auch die soziale Komponente sehr wichtig. "Man kommt ins Gespräch und lernt Leute kennen, mit denen man sonst vielleicht nie gesprochen hätte." Die Plattform betreibt Seidel nebenberuflich und finanziert alles selbst. Er ist nun auf der Suche nach einem Sponsor. Sein großes Ziel ist es, dass die Händler irgendwann merken, dass etwas vom Bürger passiert. "Bisher werden viele Erzeugnisse schon vorab aussortiert, weil sie nicht durch die Schablone passen", so Seidel. Daran möchte er etwas ändern.

Ein "Frische-Anhänger" der Aktion 'Direkt vom Beet', hängt an einem Gartentor.
Bildrechte: Thomas Seidel

Zusammen mit dem Stadtverband Chemnitz der Kleingärtner e.V. startet Seidel auch eine analoge Aktion. Es werden an alle Kleingartenvereine der Stadt kleine Schilder mit der Aufschrift „Ich bin ein Anhänger von Frische“ ausgegeben. Jeder Gärtner, der mitmachen möchte, hängt dieses Schild an seine Gartentür. „Damit zeigt er, dass er für ein Gespräch bereit ist oder auch etwas Abzugeben hat“, so Seidel.  Mit der Aktion sollen Kleingärten abseits von ihrem etwas biederen Image wieder als Lebensmittellieferant angesehen werden. „Und wir wollen die Städter wieder in die Gartenanlagen locken.“ Spaziergänger würden nämlich nur selten durch die Gartenanlagen gehen, sondern außen herum.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 27.08.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2019, 16:21 Uhr

2 Kommentare

part vor 3 Wochen

Fast ähnlich einem staatlichen Aufkaufbetrieb, wie es sie einst gab in der DDR, wo Obst und Gemüse, Eier sowie Schlachttiere zu garantierten Preisen abgenommen wurden. Ein wertvoller Beitrag zur ökolgischen Wende, wenn bestimmte Sachen nicht mehr aus aller Welt eingeflogen oder verschifft werden müssen, weil es sie bei uns direkt vor der Haustür gibt in einer anderen Vermarktungsform, auch wenn sie keine Schönheitspreise gewinnen aber bestimmt frischer schmecken und weniger belastet sind. Den grünen Daumen hoch!!!

Jan vor 3 Wochen

Super Idee. Saisonales und regionales - so einfach ist es möglich

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