Polizisten vor Demonstranten
Bildrechte: Harry Härtel

Übergriff nach Konzert in Chemnitz Augenzeugen berichten von weiterem Neonazi-Überfall in Chemnitz

Augenzeugen berichten von Übergriffen von Neonazis in Chemnitz, darunter ein Stadtrat, ein jüdischer Gastwirt, SPD-Bundestagsabgeordnete. Aber Verfassungsschützer zweifeln entsprechende Berichte an.

Polizisten vor Demonstranten
Bildrechte: Harry Härtel

Die Debatte über Rechtsradikale bei Demonstrationen und ausländerfeindliche Ausschreitungen in Chemnitz halten an. Eine Reisegruppe der SPD aus Marburg bestätigte Berichte über Hetzjagden in Chemnitz, die sie am 1. September nach einer Demonstration selbst erlebt hatte. Nach der Veranstaltung postete der Bundestagsabgeordnete Sören Bartol: "Ich bin entsetzt. Meine Gruppe aus Marburg wurde gerade auf dem Weg zum Bus von Nazis überfallen."

Drei Zeugen berichten von Neonazi-Überfall

Drei Zeugen berichteten am Wochenende der Zeitung "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS), sie seien am 1. September nach einer friedlichen Demonstration unter dem Motto "Herz statt Hetze" von 15 bis 20 Männern im Laufschritt bestürmt, angegriffen und geschlagen worden. Einige Mitglieder ihrer Gruppe seien geflohen. Die Angreifer hätten ihnen mit dem Ruf Deutschland-Verräter!" nachgesetzt. Zu den Fliehenden habe auch ein Mitglied der Reisegruppe gehört, das den Angreifern "nicht deutsch genug" ausgesehen haben soll. Diesem Mann seien die Angreifer mit den Worten "den schnappen wir uns" hinterhergerannt.

Ministerpräsident wusste von Vorfällen - und verneinte "Hetzjagden"

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte der FAS, er sei über diesen Vorfall informiert gewesen, als er am 5. September in einer Regierungserklärung bestritt, dass es in Chemnitz "Hetzjagden" oder einen "Mob" gegeben habe. Dabei ging es ihm vor allem um das Demonstrationsgeschehen am 26. und 27. August in Chemnitz. Seine Formulierung habe er dennoch so gewählt, weil "Demokraten durch Wortwahl zur Beruhigung beitragen" sollten. Trotzdem seien die geschilderten Vorfälle "schlimm" und müssten aufgeklärt werden.

Verfassungsschutzpräsident unter Druck

Der Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte bestritten, dass es vor zwei Wochen "Hetzjagden" in Chemnitz gegeben habe und die Echtheit eines Videos dazu mehrfach angezweifelt. Für seine Einschätzung ist Maaßen an diesem Wochenende weiter kritisiert worden. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und weitere SPD-Politiker verlangten seine Entlassung. "Herr Maaßen stellt die Glaubwürdigkeit von Politik, Medien und den vielen Augenzeugen infrage. Er schafft weitere Verunsicherung und zerstört damit Vertrauen in unseren Staat", sagte die Ministerpräsidentin.

Auch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hatte Maaßen widersprochen und gesagt: "Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass das Video ein Fake sein könnte", sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein.

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Quelle: MDR/kk/epd/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.09.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 09. September 2018, 20:22 Uhr

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