03.06.2020 | 16:49 Uhr Aufregung um Obdachlosen-Wohnprojekt in Chemnitz-Grüna

Ein geplantes Wohnprojekt für Obdachlose und Suchtkranke im Chemnitzer Stadtteil Grüna sorgt für Diskussionen. Das Projekt, das im leerstehenden Hotel "Grünaer Hof" einziehen soll, würde direkt an einem Schulweg liegen. Das bereitet dem Ortsvorsteher Bauchschmerzen. Anwohner stört vor allem die fehlende Kommunikation.

Grünaer Hof
Ein Aushang des Ortschaftsrates vor dem ehemaligen Hotel "Grünaer Hof" informiert seit Pfingsten die Anwohner über die Pläne der Stadt, hier ein Wohnprojekt für Obdachlose und Suchtkranke einzurichten. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

"Ich wurde am 8. Mai über das geplante Projekt informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt", erzählt der Grünaer Ortsvorsteher Lutz Neubert. Im leerstehenden Hotel "Grünaer Hof" will die Stadt Chemnitz ab Januar 2021 ein Wohnprojekt für Obdachlose und Suchtkranke einrichten.

Weiternutzungen von Gebäuden findet Neubert prinzipiell gut. "Und für diese Menschen muss man auch da sein", sagt er. "Jeder kann in diese Situation geraten." Was ihn und nach seiner Aussage auch die Grünaer stört, ist die fehlende Kommunikation im Vorfeld.

Wohnprojekt direkt am Schulweg

"Da das Gebäude direkt an einem Schulweg steht, habe ich etwas Bauchschmerzen", so Neubert. "Ich hätte mir gewünscht, dass die Stadt im Vorfeld das Gespräch mit uns gesucht hätte, um gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten."

Lutz Neubert, Ortsvorsteher Grüna
Lutz Neubert, Ortsvorsteher von Grüna, bemängelt die fehlende Kommunikation der Stadt Chemnitz mit dem Ortschaftsrat. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Grundlage für das Wohnprojekt ist ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2018. "Da ging es darum, dass Bedarfsermittlungen erfolgen sollten", so Matthias Nowak, Pressesprecher der Stadt Chemnitz. "Und es gibt seit Längerem in Chemnitz den Bedarf für Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen mit alkoholbedingten Problemen oder drohender Wohnungslosigkeit und teilweise auch der Pflegebedürftigkeit."

Das ehemalige Hotel in Grüna böte eine ideale Aufteilung mit eigenen Zimmern für das Projekt, sagt Nowak. Direkt nach der Entscheidung für das Gebäude sei das Sozialamt auf den Ortschaftsrat zugegangen. Laut Ortsvorsteher Neubert bat er allerdings um den nötigen Gesprächstermin, der nicht einfach zu bekommen gewesen sei.

Wachdienst soll nachts das Gebäude sichern

Maximal 30 Personen sollen im Wohnprojekt untergebracht werden. Ihnen soll beim Alkoholentzug, drohender Wohnungslosigkeit und Arbeitslosigkeit geholfen werden. Betreut werden sollen sie tagsüber von zehn Sozialarbeitern. Zusätzlich gebe es nachts einen Wachdienst, so Nowak.

Schulweg am Grünaer Hof
Das leerstehende Hotel, das ab Januar das Wohnprojekt beherbergen soll, steht direkt am Schulweg zur Grünaer Grundschule. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Das Vorgehen der Stadt böte nun Angriffsflächen für politische Stimmungsmache, so der Grünaer Ortsvorsteher. "In den sozialen Netzwerken ist die Stimmung sehr aufbrausend, um nicht zu sagen explosiv", so Neubert. "Wenn man im Ort darauf angesprochen wird, wird sich allerdings besonnen und auf Augenhöhe unterhalten."

Gemeinsame Lösungen finden

In der Ortschaftsratssitzung am 15. Juni werden Vertreter des Sozialamts Chemnitz und der Projektleiter des Wohnprojekts anwesend sein. Die Grünaer können dann ihre Fragen und Anliegen vorbringen. Auch ein Informationstermin mit der Schulleitung und Elternvertretern sei inzwischen angesetzt worden. Die Stadt wolle damit Anwohnern und Eltern die Sorgen nehmen und über das Projekt aufklären, so Pressesprecher Matthias Nowak. Es seien jetzt noch über sieben Monate Zeit, gemeinsame Lösungen zu finden.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.06.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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