17.08.2019 | 17:05 Uhr East Parade: Das Fest der Clubszene in Chemnitz

Am Sonnabend zieht die "East Parade" zum zweiten Mal durch Chemnitz. Zehn Lastwagen mit vielen DJs laden bei einem Umzug durch die Innenstadt zum Feiern ein und sollen auf das Clubsterben in Chemnitz aufmerksam machen.

Sieben junge Frauen hinter einem DJ-Pult
Die "Women of Techno" auf ihrem Wagen zur "East Parade" in Chemnitz. Bildrechte: MDR/Anett Linke

"Wir sind da" - so könnte man das Motto der "East Parade" zusammenfassen, die am Sonnabend durch Chemnitz zieht. Bereits zum zweiten Mal findet die Parade mit bunt geschmückten Lastwagen und vielen DJs statt. "Wir wollen auf das Clubsterben in Chemnitz aufmerksam machen", sagt Organisator Holger Raddatz. Außerdem soll der Tag als Vernetzung und Stärkung der Chemnitzer Club- und Subkultur dienen. "Die Leute sollen kommen und fröhlich zusammen auf der Straße feiern." Von 14 bis 22 Uhr zieht die "East Parade" vom Karl-Marx-Monument über den Brühl und die Straße der Nationen quer durch die Innenstadt.

"Chemnitz wird im Subkulturbereich nicht mehr wahrgenommen."

Ronny Seifert bezeichnet sich selbst als "Technodinosaurier" in Chemnitz. Seit über 30 Jahren ist er in der Szene aktiv: als DJ, Partyveranstalter und Clubbetreiber. Sein aktives Wirken hat er inzwischen eingestellt, nur ab und an pickt er sich die Rosinen heraus und tritt noch einmal als DJ auf, sagt er. So auch auf der "East Parade". "Wir wollen zeigen, dass die Clubszene noch da ist." Das Clubsterben in der Stadt hat er seit Jahren beobachtet. "Der 'Club Achtermai' in Chemnitz war einmal der größte und bedeutendste Technoclub von Ostdeutschland", sagt Seifert. "Seit der Club 2004 schließen musste, wird Chemnitz im Subkulturbereich nicht mehr wahrgenommen."

East Parade Chemnitz
Bildrechte: MDR/Anett Linke

Die Gründe sieht der DJ zum einen in der technischen Entwicklung. "Auf einmal musstest du nicht mehr viel können. Die Technik hat alles so stark vereinfacht, dass Hinz und Kunz als DJ auflegen konnten." Aber auch der Stadt Chemnitz gibt Seifert eine Mitschuld am Niedergang der Szene: "2004 gab es einen Stadtratsbeschluss, dass es keine Technoveranstaltungen mehr in Industriebrachen geben darf." Das habe es für Veranstalter in der Stadt sehr schwer gemacht. Der Kulturwert der Technoclubs sei in der Stadt nie anerkannt worden, so Seifert.

Underground-Techno-Szene entwickelt sich

Allerdings beobachtet er auch einen Aufwind in der Szene. Seit zwei Jahren gäbe es wieder eine Underground-Techno-Szene in Chemnitz, in die eine neue Generation hineinwachse. "Das Tanzen zwischen Strobolights und Tarnnetzen, das für ältere Technofans normal und langweilig ist, ist für die Jugend eine ganz neue Erfahrung", so Seifert. Die Partys finden hinter verschlossener Tür in nicht öffentlichen Clubs statt. Man muss Mitglied werden, um dabei sein zu können.

East Parade Chemnitz
Bildrechte: MDR/Anett Linke

Auch Christin Busch von der Djane-Crew "Women of Techno" beobachtet diesen Trend. "Die jungen Leute zwischen 18 und 25 Jahren feiern jetzt wieder zu der Technomusik aus den 90-er Jahren." Busch tritt zusammen mit sechs anderen Frauen als DJane auf. Bei der "East Parade" sind sie zum ersten Mal dabei. Für sie ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, was Chemnitz alles zu bieten hat und sich mit anderen Leuten aus der Szene zu vernetzen. "Wir sind mehr. Wir sind bunt. Wir sind da."

Busch will mit ihren "Women of Techno" auf der "East Parade" auch zeigen, dass es weibliche DJs in der Szene gibt. Sogar der Lastwagen, auf dem sie auftreten, wird von einer Frau gefahren. "Das war ein lustiger Zufall, passt aber einfach super zu uns", erzählt Busch. Sie selbst wird allerdings nur mitfahren und nicht auflegen. Sie spielt im Gegensatz zu vielen anderen mit Schallplatten und das sei ihr auf dem Wagen zu riskant.

Alle Musikstile sind willkommen

Die Idee der "East Parade" hat sich zwar aus der Technoszene entwickelt, möchte aber andere Musikstile nicht ausschließen. "Wir wollten auch gern einen Hip-Hop-Wagen. Aber das hat leider nicht geklappt", erzählt Organisator Holger Raddatz. Auch mit dem Bandbüro sei man in Gesprächen gewesen. Allerdings müsse auch alles finanzierbar bleiben. Dabei hilft beispielsweise das Deutsche Kinderhilfswerk, das der "East Parade" 5.000 Euro beisteuert. Auch im nächsten Jahr soll die Parade wieder stattfinden und eine Plattform für Chemnitzer Künstler und die stadteigene Subkultur bieten.

Quelle: MDR/al

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2019, 18:32 Uhr

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8 Kommentare

19.08.2019 12:08 Kirchenmitglied 8

@Lufi (4), ja in der Innenstadt und dann noch auf dem Kaßberg! Aber in den anderen Stadtteilen sieht es mau aus.

@Sonnenseite, (3), das große Geschäft wird aber abends gemacht, wenn die Leute länger sitzen bleiben können. Mittags geht man nur mal schnell paar Pommes reinhauen, weil keine Zeit ist.

18.08.2019 20:31 Auf der Sonnenseite des Lebens 7

@dresdner eierschecke 6
"und jetzt helfen sie dem techno untergrund in chemnitz zu neuer bluete mit 5000 euro. deutschland wird immer verrueckter."

genaugenommen sind das doch auch Kinder die gefördert und geführt werden müssen.

Da ist das Kinderhilfswerk schon die richtigen

18.08.2019 16:49 dresdner eierschecke 6

"Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit über 45 Jahren für ein kinderfreundliches Deutschland ein. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kinderrechte und die Hilfe für benachteiligte Kinder. " (nach eigenen angaben der organisation im internet)

und jetzt helfen sie dem techno untergrund in chemnitz zu neuer bluete mit 5000 euro. deutschland wird immer verrueckter.

18.08.2019 16:45 dresdner eierschecke 5

das deutsche kinderhilfswerk hilft der underground techno szene in chemnitz mit 5000 euro - absurder geht es nicht mehr ! merkt da noch irgendwer was in chemnitz ?

18.08.2019 14:24 Lufi 4

zu Nr.2 Schon mal zum Bierfest und Weinfest gewesen?
Da fiel kein Apfel mehr zur Erde. Von 18 Jahren bis 80 Jahren war alles da!
Selbst in der Woche ab 18 Uhr übervoll gewesen. Egal was für Wetter war.
In den Gaststätten der Innenstadt kann man Freitag und Samstag nicht spontan essen gehen, alles voll oder reserviert.
Nix mit Stubenhockern!
Liegt wohl an der Art der Clubs und am Publikum! Wenn nur Menschen da sind die keinen Umsatz machen, kann sich in keiner Szene jemand halten!

18.08.2019 07:04 Auf der Sonnenseite des Lebens 3

@Kirchenmitglied 2

vielleicht hat man einfach keine Lust mehr nach Einbruch der Dämmerung in Chemnitz auszugehen?

Denn Tagsüber sind die Restaurants gut besucht ;-)

17.08.2019 21:41 Kirchenmitglied 2

Das Sterben der Clubs und Kneipen hat ihre Ursache zum großen Teil in der Stubenhockermentalität der Chemnitzer Bevölkerung.

17.08.2019 21:24 Franz Richter 1

Wollte man nicht Kulturhauptstadt werden?
Bei der Politik die dort betrieben wird, ist es kein Wunder das die Clubs dicht machen. Dann kommt noch die Fremdenfeindlichkeit und die schwarze Landespolitik der CDUbamit dazu. Gute Nacht. Das noch einige die Fahne hoch halten, gebührt Respekt.Die Jugend hat keine Chance dort. Wenn erst mal die AfD, die bei der Landtagswahl gewinnen wird, dann ist Schluss mit Technobeat und Frohsinn.

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