Teilnehmer der AfD-Pegida-Bilder zeigen Opferbilder.
Bildrechte: MDR/Christian Essler

Gegen Vereinnahmung Familie von ermordeter Studentin kritisiert AfD-Demo in Chemnitz

Auf einer AfD-Demo in Chemnitz am vergangenen Sonnabend trugen Teilnehmer Fotos von Ermordeten durch die Innenstadt. Darunter auch das Porträt der ermordeten Studentin Sophia L. aus Amberg. Die Familie wehrt sich gegen die Vereinnahmung und kritisiert die Veranstalter scharf.

Teilnehmer der AfD-Pegida-Bilder zeigen Opferbilder.
Bildrechte: MDR/Christian Essler

Am vergangenen Sonnabend zeigten Teilnehmer einer AfD-Demo in Chemnitz unter anderem ein Porträt der im Juni ermordeten Studentin Sophia L. aus Amberg, um auf vermeintliche Gewalttaten von Migranten hinzuweisen. Nun meldet sich die Familie mit einem Statement zu Wort und kritisiert die Instrumentalisierung ihrer Tochter scharf. "Wir lassen nicht zu, dass das Andenken an unsere Sophia für ausländerfeindliche Zwecke missbraucht wird. Wir stellen uns in ihrem Namen gegen die Instrumentalisierung ihrer Person für Hetze, Rassismus und Hass", erklärte der Bruder der Getöteten. "Sophia ist kein Opfer von irgendeiner Einwanderungspolitik – nicht nur, weil der Tatverdächtige gar kein in Deutschland lebender Immigrant war", heißt es weiter.

"Ein Ort der Hetze und Niedertracht"

Die Veranstaltung sei zudem kein Ort aufrichtiger Trauer um Sophia gewesen, "sondern ein Ort der Hetze und der Niedertracht." Sophia habe sich in jahrelanger politischer Arbeit immer entschieden gegen Ausgrenzung, Rassismus und Menschenfeindlichkeit eingesetzt. "Es ist eine perverse Verdrehung von Sophias Leben und all dessen, wofür sie stand: Liebe, Mitgefühl und Menschlichkeit völlig unabhängig vom Kulturkreis, dem Land oder der sozialen Schicht, aus der jemand stammt."

Porträtfoto der vermissten Studentin Sophia L. aus Leipzig.
Sophia L. wollte im Juni von Leipzig in ihre Heimat Amberg trampen. Auf dem Weg wurde sie vermutlich von einem Lastkraftwagenfahrer ermordet. Bildrechte: Polizei Leipzig

Im Juni ermordet

Die in Amberg in der Oberpfalz geborene 28-Jährige hatte im Juni von ihrem Studienort Leipzig aus Richtung Nürnberg trampen wollen. Ein Lastwagenfahrer aus Marokko soll sie laut Polizei an einer Tankstelle an der A9 in Sachsen mitgenommen und in Oberfranken umgebracht haben. Die Leiche wurde später in Nordspanien gefunden.

AfD- und Pegida-Demo in Chemnitz

AfD und Pegida hatte am Sonnabend zu einer Demonstration nach Chemnitz eingeladen, um an die Tötung eines 35-Jährigen Deutschen mit kubanischen Wurzeln zu erinnern.

Quelle: MDR/mar/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.09.2018 | ganztägig in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 04. September 2018, 18:06 Uhr

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