CFC-Fans trauern um Hooligan
Bildrechte: Harry Härtel

Statement bei Facebook CFC-Stürmer Frahn entschuldigt sich bei seinen Fans

Nach den Ereignissen vom Sonnabend im Chemnitzer Stadion hat sich CFC-Stürmer Daniel Frahn offiziell bei seinen Fans entschuldigt. Er hatte ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local hools" nach oben gehalten.

CFC-Fans trauern um Hooligan
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Daniel Frahn hat sich für seinen umstrittenen Jubel beim Spiel des Chemnitzer FC am Sonnabend bei seinen Fans entschuldigt. Der 31-Jährige hatte nach dem Tod eines rechtsextremen Fans ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" ("Unterstütze deine lokalen Hools") hochgehalten. Frahn erklärte am Dienstag in einem Facebook-Post, er sei kein Sympatisant eines Neo-Nazis, er teile nicht diese politische Einstellung und trage keine rechten Gedanken in sich. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass das Shirt "so tief in der Neo-Nazi-Szene verankert ist". Er stehe für Respekt, Offenheit, Meinungsfreiheit und Toleranz. Frahn war für sein Verhalten am Sonnabend vom Verein mit einer Geldstrafe belegt worden. Am Dienstagabend erteilte der Nordostdeutsche Fußballverband eine vorläufige Spielsperre für den Torjäger.

Viele meiner Freunde kommen aus den verschiedensten Ländern dieser Welt und vor allem meine Familie mit Migrationshintergründen - Tante, Cousins und deren Familie - liebe ich über alles!

Daniel Frahn, CFC-Spieler bei Facebook

Verein in Erklärungsnot

Doch nicht nur Frahn steht seit dem Spiel am Sonnabend in der Kritik, sondern der gesamte Verein. Vor dem Anpfiff gab es im Stadion eine Trauerkundgebung für den gestorbenen Thomas Haller, der als Mitbegründer der Organisation "HooNaRa" (Hooligans, Nazis, Rassisten) gilt. Während der Verein am Sonntag noch erklärte, das sei ein Gebot der Mitmenschlichkeit gewesen, distanzierte er sich am Montag von der Aktion und sprach von Erpressung. Nach Aussagen von Mitarbeitern hätten massive Ausschreitungen gedroht, wenn die Traueraktion unterbunden worden wäre. Deshalb habe der Verein Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Mittlerweile hat der CFC seine Anhänger zur Mithilfe bei der Aufklärung der Vorgänge aufgefordert. Sie sollten ihre Erkenntnisse über die Abläufe in der Fankurve den zuständigen Behörden umgehend zur Verfügung stellen, hieß es in einer Vereinsmitteilung vom Dienstag. Persönlich richtete der Verein seinen Appell auch an den eigenen Vorstandsvorsitzenden Andreas Georgi. Er ist zugleich Vorstand des Fanszene e.V. und Mitglied des Fanclubs "Blue Seven Syndrom". Auch er solle seine Informationen zu den Vorgängen in der Fankurve mitteilen, hieß es.

CFC zieht personelle Konsequenzen

Nach den Vorfällen vom Wochenende ließen personelle Konsequenzen nicht lange auf sich warten: Am Sonntag erklärte CFC-Vorstand Thomas Uhlig seinen Rücktritt. Am Montag gab der Verein bekannt, dass die Zusammenarbeit mit der Fanbeauftragten Peggy Schellenberger und dem Stadionsprecher Olaf Kadner beendet werde. Kadner war mehr als 20 Jahre Stadionsprecher in Chemnitz. Maximilian Glös, Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung, wurde freigestellt.

Insolvenzverwalter für Gewaltmonopol des Staates in Stadien

Der Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC hat sich nach den Vorkommnissen bei dem sächsischen Regionalligisten für das Gewaltmonopol des Staates auch im Stadion ausgesprochen. "Die Erledigung von Sicherheit in Stadien durch private Sicherheitsdienste ist Einfallstor für rechtsextreme Ideologien", schrieb Klaus Siemon am Dienstag bei Twitter. Sie sichere deren Finanzierung und untergrabe das staatliche Gewaltmonopol, meinte er weiter.

Siemon antwortete dabei auf eine Stellungnahme von Innenminister Horst Seehofer. Der CSU-Politiker hatte als Reaktion auf die umstrittene Trauerfeier für einen gestorbenen Rechtsextremen im Stadion des CFC der Deutschen Presse-Agentur am Montag gesagt: "Ich halte es für richtig und absolut notwendig, dass die Verantwortlichen beim Chemnitzer FC und beim Nordostdeutschen Fußballverband die erforderlichen Konsequenzen ziehen."

Sponsoren ziehen sich zurück

Wie es nun finanziell für den CFC weitergeht, ist unklar. Der Verein ist insolvent und musste bis zum 1. März seine Lizenzunterlagen für die kommende Saison einreichen. Darin ist unter anderem festgelegt, wie der Verein finanziell über die Runden kommen will. Schon in der letzten Saison klaffte ein Loch in der Bilanz. Mit dem Ausstieg der Sparkasse Chemnitz als Hauptsponsor könnte sich die Situation jetzt weiter verschärfen. Diese hatte dem Verein schon vor den Ereignissen im Stadion mitgeteilt, den Ende Juni auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Sie sieht sich durch den Skandal in ihrer Entscheidung bestätigt.

Quelle: MDR/dpa/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 12.03.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 12. März 2019, 21:40 Uhr

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98 Kommentare

14.03.2019 07:42 Fakt 98

@Blauer Hund, #96:

Wer spricht von "bestrafen"?
Natürlich dürfen sowohl eine Partei als auch ein Verein Konsequenzen ziehen. Genauso wie ich jemanden aus meiner Wohnung werfen darf, der braune Parolen grölt oder ein Forenbetreiber Beiträge, die ihm nicht genehm sind, nicht veröffentlichen braucht.
Zu Ihrer kruden Bemerkung bezüglich der NSDAP: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Oder: Total daneben.

13.03.2019 22:06 Walter 97

Ich habe in meinern kommentaren 46 + 48 gefragt: waren diese Shirts öffentlich zu kaufen? Und bat Mdr um Recherche. Keine Antwort.

Wenn ja, sind hier alle Kommentare „sinnlos“. Wenn ja rechtlich gedeckt und alles nur Gesinnungspopulismus!

Dann muss sich Herr Frahn für nichts entschuldigen.

Aber wie so oft leider in den letzten Jahren in Deutschland, Diskussionen, klagen, öffentliche Verunglimpfung... ohne allen kompletten Fakten.

Und genau das ist was vernünftige Diskussionen nicht mehr zulässt!

13.03.2019 20:44 Blauer Hund 96

@ 93 Fakt
"Da weder die SPD noch der Verein der Staat sind"...
Aha, deshalb dürfen die dann, wenn ihnen eine Meinung nicht passt, obwohl seitens des Staates Meinungsfreiheit garantiert ist, die jeweilige Person gängeln und bestrafen?
Das ist ja eine interessante Rechtsauslegung.
Dann war ja in ihren Augen, auch die NSDAP damals nicht der Staat?
Auch nur eine Partei also?
War dann auch nicht so schlimm, als die Leute von denen diffamiert wurden?
Ich sehe das komplett anders, will aber ihnen ihre Meinung nicht nehmen.
Das steht mir nämlich nicht zu.
Auch wenn mir viele der von der Politik vorgegebenen Meinungen nicht gefallen, würde ich dennoch alles dafür geben, das sie diese ihre Meinungen sagen dürfen.
Sicher in ihren Augen nur brauner Populismus....

13.03.2019 20:43 Horst 1 95

was hier im Forum so an Kommentaren über einen gestorbenen Fußballfan so abgeht, ist eines normal denkenden Menschen unwürdig! Es ist doch egal,was dieser Verstorbene für eine Weltanschauung hatte, es ist einfach nicht nachvollziehbar, was hier einige Gutmenschen von sich geben? Eine Trauer für einen Menschen so ins lächerliche zu ziehen und zu instrumentalisieren, ist in unserem Staat leider eine Normalität geworden! Unser Deutschland ist sehr krank geworden!

13.03.2019 20:38 Martin Vomberg 94

@ Blauer Hund Nr. 92

"Den Ausdruck 'links-grün versifften Gutmenschen' aus ihrer Feder kommentiere ich nicht. Kommt man mit Argumenten, wird das Gegenüber oft überfordert und wirft unter der Gürtellinie."

Sorry, aber der Ausdruck stammt originär gar nicht von mir, ich habe ihn hier lediglich rezitiert! Dieser Titulierung bedient man sich ja sonst für gewöhnlich eher in Ihrer Parteienfamilie, die Sie hier ständig ohne Not ins Spiel bringen und auf die offensichtlich auch Ihr vielsagender Nickname anspielen soll. Aber in einem Punkt stimme ich Ihnen allerdings zu: Ich empfinden den Ausdruck auch als unsäglich und 'unter der Gürtellinie'!

13.03.2019 19:23 Fakt 93

@Blauer Hund, #87:

Der Artikel 5 GG besagt, dass der Staat keine Zensur ausübt, denn das GG greift im Regelfall im Verhältnis zwischen Staat und Bürger. Zudem haben Sie den Satz, auf den sich die Zensur bezieht sinnigerweise weggelassen. Es heißt nämlich:
"[..] Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt." Auf deutsch: Berichterstattung in Presse, Rundfunk / Fernsehen und Film werden staatlicherseits nicht zensiert. Im privaten Bereich ist eine staatliche Zensur ohnehin schlecht machbar.
Da weder die SPD noch der Verein der Staat sind, außerdem von eventuellen Konsequenzen im Artikel 5 GG nicht die Rede ist, kommen Sie mit dem Artikel 5 GG hier überhaupt nicht weiter.

13.03.2019 19:09 Blauer Hund 92

Ich kenne weder Frau Schellenberger, noch bin ich Anhänger des CFC.
Allerdings habe ich ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl gegenüber Personen egal welcher demokratischen Partei (auch Linker und SPD übrigens), dass ich es mir nicht verbieten lasse, hier Stellung pro Schellenberger zu beziehen.
Beleidigungen welche mir hier unterstellt werden, habe ich nicht getätigt.
Ich betrachte die Aussagen von Schellenberger als ganz normale Meinung, sogar mit Abgrenzung zur Gesinnung des Verstorbenen.
Bin mir sicher, dass die SPD Sachsen und auch der Verein schnell wieder zurückrudern wird.
Kann ja mal passieren.
Schnell mal diskreditieren weil die Meinung nicht ins vorgeschriebene politische Bild passt, dann wieder zurück.
Und Herr Vomberg! Den Ausdruck 'links-grün versifften Gutmenschen' aus ihrer Feder kommentiere ich nicht.
Kommt man mit Argumenten, wird das Gegenüber oft überfordert und wirft unter der Gürtellinie.

13.03.2019 18:45 Blauer Hund 91

Selbst gegenüber des MDR äußerte sich die SPD Stadträtin Peggy Schellenberger vernünftig!
Sie habe den Eintrag (siehe mein früheres Posting) als Privatperson über eine andere Privatperson getätigt!
Sie habe den Privatmensch respektiert, verachte aber seine politische Haltung...
Kann mir Einer sagen was hier falsch ist?
Als Reaktion gab jedenfalls der Verein bekannt, dass Schellenberger ab sofort von ihren Aufgaben entbunden wird.
Die SPD reagierte entsetzt und erklärte, dass Schellenberg nicht wieder als Kandidatin für die Kommunalwahl im Mai nominiert wird.
Das ist die Meinungsfreiheit in Deutschland!
Wer wirklich glaubt, dass wir uns über Länder wie die Türkei aufregen sollten, braucht nur nach Sachsen kommen.
Hier haben wir in Sachen Meinungsfreiheit türkische Verhältnisse!

13.03.2019 18:36 Ullrich 90

Der CFC wird D.Frahn entlassen, da wird kein Weg daran vorbei führen.
Das gibt sogar die Möglichkeit der Aufarbeitung, den ein AG wird darüber entscheiden müssen, ob es Druck von außen gab, dem sich der Spieler gebeugt hat oder ob es sich um eine Schutzbehauptung des Vereins handelt.
Für alle, die der Meinung sind wir haben keine Meinungsfreiheit - Lest einfach einmal unsere Verfassung vielleicht begreift ihr dann, dass Rechtsextremismus nicht davon gedeckt ist. Das ganze nennt sich fdgo!

13.03.2019 18:26 Mediator an Blauer Hund(87) 89

Machen sie sich erst mal klar, das der Begriff ZENSUR im Grundgesetz im aktuellen Fall keine Anwendung gefunden hat. Meinungsfreiheit bedeutet nicht, ohne Konsequenzen alles sagen zu dürfen, ohne das es Konsequenzen hat. Beleidigungen, Rufschädigungen oder schlicht dumme Äußerungen haben im [Berufs]Leben nun mal ihre Konsequenzen und wer zu viel dummes Zeug redet, der verschwindet überall von exponierter Stelle. Was für Konsequenzen halten sie denn für angebracht, wenn jemand einem angeschlagenen Verein durch das Hofieren von Neonazis einen weiteren Nackenschlag versetzt? Was soll denn bitte "Sachsen ist nicht braun" bedeuten? Werden sie doch mal konkret und nehmen Stellung zu dem Fakt, dass die Häufigkeit rechter Gewaltstraftaten in Sachsen 9 mal höher ist als im benachbarten Hessen. Ist das schon braun? Wenn in der AfD keine Menschen wären, die rechtsextremer Ideologie anhängen, dann müssten die solche Menschen nicht aus den Landesführungen entfernen. Sind das schon Nazis?

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