Ingrid Burghart, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz
Bildrechte: IMAGO

Zehn Wochen danach Ermittlungen zum Tod von Daniel H. in Chemnitz dauern noch bis Anfang Januar

Vor mittlerweile zehn Wochen wurde der 35-jährige Chemnitzer Daniel H. auf dem Stadtfest erstochen. Wie weit sind die Ermittlungen? MDR SACHSEN hat mit der verantwortlichen Oberstaatsanwältin gesprochen.

Ingrid Burghart, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz
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Im Verfahren zur Tötung von Daniel H. von Ende August in Chemnitz erwartet die Staatsanwaltschaft einen Verfahrensabschluss Anfang Januar. Es gibt drei Tatverdächtige. Ein Syrer sitzt in Haft, ein mutmaßlicher Iraker ist wieder auf freiem Fuß und ein weiterer Iraker ist noch immer flüchtig.

150 Vernehmungen

Die Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart beim Durchblättern einer Akte
15 Ermittlungsakten sind im Verfahren bisher zusammengekommen. Bildrechte: MDR/Sandra Thiele

Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart erklärt zur Dauer des Verfahrens: "Die Ermittlungen sind umfangreich und außerordentlich schwierig. Etwa 150 Zeugenbefragungen wurden bisher geführt, teilweise wurden Zeugen mehrfach vernommen." Zusätzlich erschwert werde die Arbeit der Ermittler durch das enorme mediale Interesse. Kaum ein Zeuge bliebe davon unbeeinflusst, so Burghart. "Die Zeugenaussagen widersprechen sich zum Teil. Einige der Befragten waren zur fraglichen Zeit alkoholisiert," sagte Burghart. Die Aussagen müsse man nun gewichten und bewerten.

Keine Neuigkeiten gab es zum Tathergang sowie zum Aufenthalt des dringend tatverdächtigen Irakers Farhad R. "Vielleicht  werden wir nie erfahren, was  das Tatmotiv war." Nach Farhad R. wird international gefahndet – per europäischem Haftbefehl. Sollte er bis Januar nicht aufgegriffen worden sein, werde sein Verfahren ausgeklammert. Ein dritter Beschuldigter ist der 22-jährige Iraker Yousif A. – er kam nach drei Wochen Haft wieder auf freien Fuß. In der Begründung seiner Haftbeschwerde führte sein Anwalt unter anderem aus, dass von der Staatsanwaltschaft im Haftbefehl aufgeführte Zeugenaussagen zu unpräzise seien, um daraus einen dringenden Tatverdacht gegen Yousif A. abzuleiten. Dennoch bleibt er unter Tatverdacht.

Anwalt prüft Verfassungsbeschwerde

Der einzig noch Inhaftierte, der Syrer Alaa S., versuchte über seinen Anwalt aus der U-Haft zu kommen. Diese Versuche scheiterten allerdings. Zu den Gründen der Haftbeschwerden äußert sich sein Strafverteidiger Oliver Marson: "Mich überzeugt die jetzige Beweislage aus Zeugen und Spuren nicht. Ich komme nicht zu der Überzeugung, dass mein Mandant unmittelbar beteiligt war an dem hier vorgeworfenen Totschlagsdelikt." Um eine Untersuchungshaft zu rechtfertigen sei aber ein dringender Tatverdacht notwendig. Dazu müsse eine Verurteilung schon "so gut wie im Raum stehen". Das sei hier nicht der Fall. Seine Haftbeschwerden wurden mehrfach abgelehnt – zuletzt vom Oberlandesgericht in Dresden. Derzeit prüfe Marson eine Verfassungsbeschwerde.

Der Tatvorwurf lautet auf gemeinschaftlichen Totschlag und Körperverletzung. Daniel H. starb an den Folgen von sechs Messerstichen, zu denen es nach einer verbalen Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen nach dem Stadtfest in der Chemnitzer Innenstadt gekommen war. Einer weiteren Person wurde mit einem Messer in den Rücken gestochen. Sie lag anschließend eine Woche lang im Krankenhaus.

Ein Schild weist am Eingang zum Justizzentrum in Chemnitz auf den Sitz des Amtsgerichts und der Staatsanwaltschaft hin
Ziel ist, nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ein Gerichtsverfahren zu eröffnen. Ob und wann es dazu kommt, ist bisher nicht abzusehen. Bildrechte: dpa

Die Tötung des Chemnitzers Daniel H. am 26. August hatte zu einer Reihe ausländerfeindlicher Proteste in der Stadt und später zu einer innenpolitischen Krise rund um die Maaßen-Affäre in Deutschland geführt.

Quelle: MDR/st

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.11.2018 | 19:00 Uhr

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AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2018, 14:31 Uhr

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9 Kommentare

15.11.2018 12:56 Werner 9

@hercule 7: Bei genannten Vorkommnissen ist Zurückhaltung angesagt, bis alle Unklarheiten beseitigt, bzw. aufgeklärt sind- ohne Pauschalisierung und Vorab-Zuweisungen. Es gibt da zu viele Ungereimtheiten, und medial auffallend ruhig um manche Vorkommnisse. Wie der Mann mit dem berühmten Hitlergruß und dem RAF-Tatoo am Arm in Chemnitz. Oder die 200 Vermummten, die mit Eisenstangen die Abreisenden("Nazis") verprügelten (Polizeibericht). Oder das jüdische Restaurant. Die "Nazis" in Tröglitz und Clausnitz, die GLEICHZEITIG mit der geballten Menge an Medien in diesen Orten auftauchten, die aber im Ort, und in der Umgebung niemand bisher kannte. Aus eigener Erfahrung hat die Stasi 89 auch ihre Leute zum Aufmischen und Provozieren von Gewalt "reingeschickt", was man politisch-medial ausschlachten konnte. Ob der 14jährige in Clausnitz das Zeigen des IS-Zeichens, und die Frau beim Spucken gegen die Bus-Fensterscheibe, angewiesen wurden, glaube ich - auch nicht.

15.11.2018 12:28 Werner 8

@hercule 7: Sie beklagen zurecht, dass man jeden Menschen als Individuum betrachten muss. Gleichzeitig praktizieren Sie selbst immer Pauschalisierung. "Seit an Seit mit den Nazis marschiert" = alles Nazis. Bei Familien aus Kriegsgebieten gibt es keinerlei Zweifel / Kritik am Asyl. Es geht ausschließlich um alleinstehende! junge! "Männer" - "Ausländer" aus ganz bestimmten Ländern: "Bloggerin Lauren Southern und ihr Team haben am Montag auf YouTube mit versteckter Kamera gefilmte Aufnahmen veröffentlicht. Diese sollen die Leiterin der NGO „Advocates Abroad“, Ariel Ricker, zeigen, wie diese über Strategien spricht, die sie Asylbewerbern beibringe, um Behörden auszutricksen... zu lügen... Wir bringen ihnen bei […], ihr privates Trauma zu verinnerlichen, denn all ihr Handeln sei ein Schild. Ich erkläre ihnen, dies sei Schauspielerei, all das ist DER TRUMATISIERTE FLÜCHTLING, denn diese EASO ist dermaßen dämlich.." Epochtimes 15.11.18 / RT 12.11.18

15.11.2018 08:46 hercule 7

@ Werner
sie dürfen negativ über Ausländer und ihr verhalten sprechen nur sollten sie dann auch das negative Verhalten der deutsche genau so ansprechen.
Merken sie das man jeder Mensch ein Individuum ist und nicht für die Taten des anderen kann.
Ich mach sie ja auch nicht für das für die Taten des Nils H verantwortlich der 84 Menschen getötet hat.
Und gelogen ist das es keine Ausländerfeindlichen Proteste gab.
Was ist mit dem Syrischen Lokal was niedergebrannt wurde der hat seine Steuern auch bezahlt.
Was ist mit dem Jüdischen Lokal ?
Was ist mit den Ausländer raus rufen bei den Demos von Pro Chemnitz ?
Was ist mit den übergriffen auf Flüchtlinge in Chemnitz ?
Was war mit den übergriffen auf Flüchtlingsheime als die Flüchtlinge hier angekommen sind. Das nennen sie keine ausländerfeindlichen Proteste ?
Was ist den in Ihren Augen Ausländerfeindliche Proteste ?

15.11.2018 00:41 hans 6

Das sich die Ermittlungen solange hinauszögern ist nicht gut für den Prozess. Denn dieser Prozess hat auch eine ungewollte politische Brisanz. Vor allen Dingen dürfte spannend sein wie lautet die Anklage. Die rechte Szene wird hier ganz genau hinschauen. Kann mir vorstellen das der Druck der Justiz groß sein muss bei diesem öffentlichen Interesse.

15.11.2018 00:02 DER Beobachter an Werner 5

Wo haben Sie denn Ihr Geschwätz abgekupfert? Ich bin berufsbedingt, familiär bedingt, auf dem Heimweg und manchmal beim Shoppen/Einkaufen mehrfach wöchentlich auf dem Heimweg auf der Prager und Nähe Altmarktgalerie. Die von Ihnen bedauerte Klientel schleppt weiterhin die dicken Einkaufsbeutel mit den Logos der globalisierten Allerweltsbilligunternehmen davon, die man allerdings durchaus auch in Prag, St.Petersburg etc. findet... Einzig dünner wird die Käuferschaft da auf der Prager, wenn Pegida am Hbf. noch eine Demo mit dem Aufzug um die Walpurgisstraße und Prager Straße hat...

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14.11.2018 23:40 DER Beobachter ans Morchelchen 4

Werter Herr Impudicus, ich nehme an, Sie haben es genau gesehen, oder wie? Ja, die StA hat wohl 15 Ordner (woher wissen Sie das denn?) zur Tötung Daniel H´s. So funktionieren nun mal Prozesse wie dieser. Da muss man kein Politikum draus machen, wenns nicht schon durch die einen oder anderen geworden wäre. Ich gehe übrigens durchaus davon aus, dass Polizei und StA aus den Überlebenden rausgeholt haben, was man aus schwerverletzten Traumatisierten rausholen kann. Daran, dass die von Ihnen verstandene Bewegung bei mehr Macht noch mehr aus diesen rausholen könnte oder das vorgibt, habe ich durchaus keinen Zweifel... ;)

14.11.2018 22:33 Paule 3

Weit nach Mitternacht in Chemnitz, wenn auch Stadtfest, 150 Zeugen! Find ich als Chemnitzer etwas merkwürdig, diese Zahl sollte vielleicht mal erläutert werden. Wenn ich ein böser Mensch wäre, könnte ich zu dem Schluß kommen, dass ein Selbstverschulden noch nicht nachgewiesen werden kann.

14.11.2018 19:59 Morchelchen 2

Wenn es nicht tieftraurig wäre, könnte man sich an die ironischen Zeilen eines Songtextes erinnert fühlen, "die Akten werden hin und her gewälzt, mit der Zeit erledigt es sich von selbst..." Aber zu einer solchen Schlussfolgerung könnte man gelangen hinsichtlich der jetzt bereits vorhandenen 15 Ordner
voller Befragungen und Recherchen. Sicher hat nicht jeder der Umstehenden alles ganz genau gesehen, es gab jedoch zwei Überlebende, die beiden Schwerverletzten. Die müssten doch ihre Angreifer live erlebt haben und die beschreiben können, egal, wie oder was nun der Grund war für diese brutalen Angriffe. Streit hin und her - man kann doch nicht einfach drauf los stechen, wenn einem was nicht passt. Nur darum geht es letztendlich - um die Sühne der Schmerzen der Opfer und des endgültigen Verlustes für die Angehörigen des Toten.

14.11.2018 19:10 Werner 1

"zu einer Reihe ausländerfeindlicher Proteste" Nicht ganz richtig - eher richtig falsch! Bisher gab es in Chemnitz.. Sachsen keine "ausländerfeindlichen Proteste", die sich gegen fleissige, und gut integrierte Vietnamesen, sonstige Einheimische und Ausländer asiatischer Abstammung, ne Menge Polen!, Russen! Ungarn!, Chilenen! und Griechen! richteten. Es trifft immer nur auffallend ein ganz besonderes Klientel, die sich nicht an Regeln, Gesetze und Kultur der hier Lebenden hält. Eigentlich ist das "Rassismus" von "Religionsausgrenzern" - nur Andersrum. Dieses Klientel steht wie ein riesiger Elefant im Raum, über deren Verhalten man nicht negativ sprechen darf, ohne sofort zum Ausländerfeind und Nazi zu mutieren. Tschechischen Einkaufs-Touristen, und vorallem Russen, hat man den entspannten Einkauf versaut. Die "Tempel", insbesondere Dresden, haben zusätzlich durch die Sanktionen gegen Russland, schon erhebliche Einbußen in Millionenhöhe.

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