Restaurant Safran Chemnitz
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Staatsschutz ermittelt Angst nach Überfällen auf ausländische Restaurants in Chemnitz

Unbekannte haben am 7. Oktober in Chemnitz den Besitzer des persischen Restaurants "Safran" überfallen. Zuvor gab es bereits Hakenkreuzschmierereien und Sachbeschädigungen. Der Angriff ist kein Einzelfall.

Restaurant Safran Chemnitz
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Der Angriff auf den Besitzer des persischen Restaurants "Safran" in Chemnitz hat Katharina Weyandt geschockt. "Gerade dieses Lokal war vor einigen Wochen schon einmal angegriffen worden", sagt die Vorsitzende des Vereins "Brückenbauer Chemnitz", der seit Jahren Kontakt zu Flüchtlingen hält und ihnen bei den ersten Schritten in Deutschland hilft. "Und jetzt so etwas, dass der Besitzer tätlich angegriffen wurde. Was das für eine Angst auslöst, da fehlen mir die Worte." Sie fürchtet, dass das Klima bei einem Teil der Bevölkerung vergiftet ist.

Katharina Weyandt, Vorsitzende des Vereins „Brückenbauer Chemnitz e.V.“
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In Chemnitz ist durch die Pro-Chemnitz-Demos, durch das allwöchentliche Aufrufen zu Gewalt und dem Verharmlosen von Gewalt gegen Ausländer ein Klima entstanden, in dem Leute, die bereit sind zuzuschlagen, ermutigt werden.

Katharina Weyandt, Vorsitzende des Vereins "Brückenbauer Chemnitz e.V."

Katharina Weyandt wird nicht müde, für ein Miteinander von Polizei, Flüchtlingen und Deutschen zu werben. "Die Polizei müsste mit viel mehr Kräften - auch im Bereich der Prävention - mit den Flüchtlingen reden. Sie müssen mit solchen rechten Straftaten sensibler umgehen." Genauso wichtig sei es, Flüchtlinge in die Mitte der Gesellschaft zu nehmen. Abzuwarten, bis sie sich allein integriert haben, hält Weyandt für den falschen Weg.

Staatsschutz ermittelt

Der Besitzer des "Safran" war am Sonntagabend überfallen worden. Nach Angaben der Polizei betraten drei unbekannte Männer gegen 22:30 Uhr das Lokal. Wortlos hätten sie den 52-Jährigen mit dem Inventar attackiert und verletzt. Der Überfall ist nicht der erste auf das Restaurant. In den vergangenen Monaten gab es bereits Nazi-Schmierereien und eingeschlagene Scheiben, die mutmaßlich einen fremdenfeindlichen Hintergrund hatten. Erst im August war in Chemnitz der Betreiber eines jüdischen Restaurants bei einer Attacke von mutmaßlich Rechtsradikalen in seinem Lokal verletzt worden.

Im aktuellen Fall hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Nach Angaben von Polizeisprecherin Jana Ulbricht wird zwar in alle Richtungen ermittelt, aber ein ausländerfeindlicher Hintergrund der Tat nicht ausgeschlossen.

Weiterer Angriff auf ein persisches Restaurant

Omid Dodel, Mitarbeiter des Restaurants "Schmetterling".
Omid Dodel, Mitarbeiter des Restaurants "Schmetterling": "Seit dem Anschlag haben wir Angst." Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Auch das persische Restaurant "Schmetterling" an der Lohstraße war bereits Ziel eines Angriffs. In der Nacht vom 21. zum 22. September warfen Unbekannte Scheiben ein. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf mehrere hundert Euro.

Viel schlimmer ist für die Beschäftigten des Restaurants jedoch das ungute Gefühl nach dem Überfall. "Seitdem haben wir Angst", sagt Mitarbeiter Omid Dodel. "Es ist auch möglich, dass unsere Kunden jetzt Angst vor einem Überfall haben." Ein Besucherrückgang sei bereits zu spüren. "Trotzdem werden wir weitermachen. Wir haben mit viel Mühe die Räume hergerichtet, damit es ein schönes Restaurant wird. Das können und wollen wir nicht aufgeben." Sie hoffen, dass es wieder ruhiger wird in Chemnitz.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.10.2018 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 06:48 Uhr

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