17.04.2109 | 14:30 Uhr Chemnitzer Neumarkt für den 1. Mai umkämpft

Der Neumarkt in Chemnitz ist am 1. Mai als Standort sehr gefragt. Sowohl der DGB als auch die AfD wollen ihre Kundgebungen dort abhalten. Die Stadt entschied für den DGB. Die AfD prüft, ob sie dagegen vorgeht.

Schon seit 20 Jahren hält der Deutsche Gewerkschaftsbund seine Kundgebung am 1. Mai auf dem Chemnitzer Neumarkt ab. In diesem Jahr war es lange nicht klar, ob sie diesen Platz nutzen können. Denn auch die AfD hatte dort eine Kundgebung angemeldet. Am Donnerstag gab es nun Entwarnung für den DGB: Auch 2019 kann die Kundgebung am traditionellen Ort stattfinden. Das teilte die Stadt dem DGB mit. Begründet wurde die Entscheidung mit der 20-jährigen Tradition auf dem Neumarkt und der 130-jährigen Geschichte der Gewerkschaften mit dem 1. Mai.

Seit Herbst letzten Jahres plant der DGB zusammen mit vielen Bündnispartnern an der Veranstaltung. Zuerst wird es eine Demonstration vom Karl-Marx-Kopf aus auf den Neumarkt geben. Organisiert wird die Demonstration gemeinsam mit "Aufstehen gegen Rassismus". "Wir wollen ein breites Bündnis mit allen demokratischen Parteien und sozialen Organisationen bilden", sagte Ralf Hron, Regionsgeschäftsführer des DGB im Gespräch mit MDR SACHSEN. Die Kundgebung zum internationalen Tag der Arbeit steht unter dem Motto "Europa. Jetzt aber richtig!". Als Hauptrednerin wird Annelie Buntenbach, Mitglied des DGB-Bundesvorstandes, erwartet. Geplant sind außer Reden auch der Auftritt der Band "Yellow Umbrella" und viele Mitmachaktionen für die ganze Familie. "Die Aufmerksamkeit für Chemnitz ist sehr hoch. Man guckt auf diese Stadt", sagte Hron.

AfD will Entscheidung der Stadt prüfen

Die AfD Chemnitz will die Entscheidung der Stadt, was die Platzvergabe angeht, nicht so einfach akzeptieren. Die Stadt hat die Veranstaltung der AfD auf den nur wenige Meter entfernten Markt am alten Rathaus verlegt. "Wir haben den Neumarkt schon vor über einem Jahr beantragt", sagte Christine Auerbach, stellvertretende Vorsitzende der AfD Chemnitz am Mittwoch. "Das ist eindeutig eine politische Entscheidung der Stadt." Die AfD habe jetzt Akteneinsicht beantragt und werde danach entscheiden, ob die Entscheidung vor Gericht angefochten wird. "Wir haben eine große Kundgebung geplant und brauchen dafür den Neumarkt als größten Platz in Chemnitz", so Auerbach. Zum DGB kämen ja jedes Jahr nicht so viele Leute. Wer genau als Redner für die Kundgebung erwartet wird, wollte Christine Auerbach im Gespräch mit MDR SACHSEN noch nicht sagen. Das soll erst nächste Woche bekanntgegeben werden.

Laut Anmeldung rechnet der Deutsche Gewerkschaftsbund mit 2.000 Teilnehmern, die AfD mit 500 bis 1.000. Die Polizei bereitet sich nach eigenen Angaben auf den 1. Mai vor. Der geringe Abstand der beiden Kundgebungen werde bei der Einsatzplanung berücksichtigt.

Maikundgebungen des DGB in Südwestsachsen

In Südwestsachsen organisiert der DGB neben Chemnitz in sechs weiteren Städten Kundgebungen am 1. Mai: Erlau, Freiberg, Annaberg-Buchholz, Zwickau, Aue und Plauen. Durch den Aufmarsch der rechten Kleinpartei "Der III. Weg" ist Plauen besonders im Fokus. Unter dem Motto "Plauen ist bunt!" organisieren der DGB und viele Partner ein buntes Fest für die ganze Familie.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.04.2019 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

AKTUELLES AUS SACHSEN

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

6 Kommentare

18.04.2019 10:25 Chrisbob 6

"Wir haben eine große Kundgebung geplant und brauchen dafür den Neumarkt als größten Platz in Chemnitz".

Dann ist aber der Markt richtig, denn er bietet abzgl. der Außengastronomieflächen MEHR Fläche als der Neumarkt. Aber mit Fakten hat es die AfD ja nicht so.

17.04.2019 20:57 Paule 5

Habe bis 1989 pflichtbewußt an jeder Maidemo teilnehmen müssen. Ging aber nie über den Neumarkt. Dort wurde nur das erste Maibier getrunken. Das war`s zur Tradition.

17.04.2019 18:21 Die kurze Seite der Sonnenallee 4

Mir tun höchstens die Polizeikräfte leid, die nun aufgrund der räumlichen Nähe der beiden Veranstaltungen mit noch mehr Personen am Feiertag ausrücken müssen. Wie im Artikel beschrieben, rechnet die AfD mit weniger Teilnehmern als der DGB, also ist es sinnvoll, ihr den kleineren Platz zuzugestehen. Seid froh, dass es das Demonstrationsrecht überhaupt gibt und Teilnehmende nicht bloß ob ihres Erscheinens niedergeknüppelt oder inhaftiert werden. Ob rechts, links oder mittig spielt doch hier eine untergeordnete Rolle, wenn sich alle friedlich verhalten. Die AfD muss natürlich als erste rumpöblen.

17.04.2019 17:49 Guy Montag 3

Angesichts der arbeiterfeindlichen Lohndruecker- und Streikbrecher-Importpolitik muesste in einem Cafe in der Innenstadt ausreichend Platz fuer die DGB Veranstaltung sein.

17.04.2019 17:35 Kirchenmitglied 2

An der Entscheidung der AfD für den seit 20 Jahren vom DGB beanspruchten Neumarkt am 1. Mai sieht man ganz deutlich, dass diese Partei wirklich Probleme mit der Erinnerungskultur hat.

17.04.2019 17:15 Atheist aus Mangel an Beweisen 1

Ich frage mich wer im Osten überhaupt noch Gewerkschaftsmitglied ist?
Und ich frage mich welche Interessen diese Gewerkschaft vertritt, die der Arbeitnehmer können es nicht sein.
Macht eure Bunte Demo, gewählt wird Heimat, Gleichberechtigung, Freiheit der Atheisten....

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Mehr aus Sachsen