11.08.2019 | 17:55 Uhr Hunderte Fußballfans ziehen laut aber friedlich durch Chemnitz

Der Chemnitzer FC steht in der ersten Runde des DFB-Pokals dem Hamburger SV gegenüber. Vor dem Spiel zogen Anhänger des Vereins in einem Fanmarsch zum Stadion. Sie protestierten damit gegen die Vereinsführung.

Mit einem Fanmarsch haben hunderte Fußballanhänger in Chemnitz ihren Unmut gegen die Vereinsführung zum Ausdruck gebracht. Sie zogen vor dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV durch die Stadt. Der Tross setzte sich am Karl-Marx-Monument in Bewegung und lief über die Straße der Nationen bis zum Stadion. Nach ersten Informationen der Polizei blieb es friedlich. Zum Schluss seien lediglich zwei Nebelkerzen gezündet worden, sagte eine Polizeisprecherin auf Anfrage von MDR SACHSEN.

Die Fangesänge und selbstgemalten Transparente richteten sich gegen die jüngsten Ereignisse in dem Drittliga-Verein. Auf den Plakaten war unter anderem zu lesen: "Siemon raus", "Sobotzik raus" oder "Wir sind der Verein". Hintergrund sind unter anderem der Rauswurf von Stürmer Daniel Frahn wegen dessen angeblicher Nähe zu Fans aus der rechtsradikalen Szene getrennt. Daraufhin war Sportdirektor Thomas Sobotzik nach eigenen Angaben per WhatsApp-Nachrichten bedroht worden. Zudem tobt ein Führungsstreit zwischen Insolvenzverwalter Klaus Siemon und den verschiedenen Gremien des Vereins.

Bildergalerie Protestmarsch in Chemnitz

Chemnitzer Fans zeigen Zettel mit der Rückennummer 11 als Symbol für den entlassenen Spieler Daniel Frahn (Kontakt mit rechten Fangruppen) hoch
Als Zeichen des Protests halten Fans vor dem Spiel die Rückennummer 11 hoch. Sie gehörte Daniel Frahn, der Anfang der Woche entlassen worden war. Der Verein wirft dem 32-Jährigen
Nähe zu rechtsradikalen Fans vor. Bei der Vorstellung der CFC-Spieler am Sonntag gegen den HSV skandierten die Fans nach jedem Vornamen: "Frahn, Fußballgott".
Bildrechte: dpa
Chemnitzer Fans zeigen Zettel mit der Rückennummer 11 als Symbol für den entlassenen Spieler Daniel Frahn (Kontakt mit rechten Fangruppen) hoch
Als Zeichen des Protests halten Fans vor dem Spiel die Rückennummer 11 hoch. Sie gehörte Daniel Frahn, der Anfang der Woche entlassen worden war. Der Verein wirft dem 32-Jährigen
Nähe zu rechtsradikalen Fans vor. Bei der Vorstellung der CFC-Spieler am Sonntag gegen den HSV skandierten die Fans nach jedem Vornamen: "Frahn, Fußballgott".
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CFC-Fanmarsch
Reporterschätzungen zufolge haben sich am Ende rund 1.000 Fußballfans dem Marsch angeschlossen. Bildrechte: Harry Härtel
CFC-Fanmarsch
Hier passiert der Zug die Müllerstraße. Bildrechte: MDR/Anett Linke
CFC-Fanmarsch
Vor dem Stadion wurde dieser Flyer verteilt. Bildrechte: MDR/Anett Linke
CFC-Fanmarsch
Der Fanmarsch auf der Straße der Nationen. Bildrechte: MDR/Anett Linke
CFC-Fanmarsch
Ein hohes Polizeiaufgebot sichert den Fanmarsch ab. Bildrechte: MDR/Anett Linke
CFC-Fanmarsch
Genaue Angaben zur Zahl der Einsatzkräfte machte die Polizei nicht. Bildrechte: MDR/Anett Linke
Fans des Chemnitzer FC demonstrieren vor Beginn des Spiels in der Innenstadt vor Karl-Marx-Monument für den Erhalt des Vereins
Der Protest war laut. Bildrechte: dpa
CFC-Fanmarsch
Der Unmut über die Vereinsführung spiegelt sich auf den Transparenten wider. Bildrechte: MDR/Anett Linke
CFC-Fanmarsch
Sammelplatz für den Fanmarsch war der Karl-Marx-Kopf. Bildrechte: MDR/Anett Linke
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Fan Tilo Kleßig hofft auf gute Lösung für den CFC

Viele Fans machen sich um die Zukunft des Vereins große Sorgen. Unter ihnen ist auch Tilo Kleßig, der seit mehr als 30 Jahren eingefleischter CFC-Fan ist. Im Gespräch mit MDR SACHSEN erklärte er, dass er sich gar nicht vorstellen mag, dass der Verein aufgelöst wird oder das Nachwuchszentrum abgeschafft wird. Er appellierte an die Vereinsführung und den Insolvenzverwalter, dringend aufeinander zuzugehen und Lösungen zugunsten des CFC zu finden. Im Fall Daniel Frahn äußerte Kleßig Verständnis für den Rausschmiss, wenngleich es aus sportlicher Sicht natürlich schmerze. Der CFC habe sich nunmal auf die Fahnen geschrieben, gegen Rechtsextremismus vorzugehen. "Das finde ich auch richtig", so Kleßig.

Symbolbild zur Insolvenz des Traditionsclubs Chemnitzer FC 1 min
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Tilo Kleßig hält seit mehr als 30 Jahren den Himmelblauen die Treue. Derzeit macht er sich große Sorgen um den CFC. Im Fall Daniel Frahn hat er eine klare Meinung.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio So 11.08.2019 17:26Uhr 00:40 min

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/chemnitz-stollberg/audio-1135086.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR/dk/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.08.2019 | 19:00 Uhr

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20 Kommentare

12.08.2019 15:36 Kirchenmitglied 20

@18, "Bei der Überschrift klingt es ja so, als wären Ausschreitungen erwartet worden."
Erwartungen, die in die Zukunft verweisen, haben immer etwas mit Erfahrungen, die in der Vergangenheit gemacht wurden, zu tun.

@Sachse43, das ist die Frage, ob Siemon mehr verdient als ein Profifußballer?

12.08.2019 07:39 Sachse43 19

Starker Protest gegen die zwei höchstbezahlten Wessis, die den Verein spalten statt zu einen.

12.08.2019 07:29 Rolf R 18

Bei der Überschrift klingt es ja so, als wären Ausschreitungen erwartet worden. Beinernem Fanmarsch durch die eigene Stadt. Ich bitte Sie, diese Panikmache resultiert dich aus der Taktikänderung der Polizei unter der Woche.
Die Aktion per se ist ein gutes Zeichen für den Chemnitzer FC eV. Allerdings wird die Aktion mit den Schildern im Stadion und der „11“ dahingehend interpretiert werden, dass Chemnitz tatsächlich ins rechte Lager abdriftet, oder dort in der Fanszene schon lange angekommen ist. Das wird euch über kurz oder lang das Genick brechen. Ich drücke euch die Daumen für die Mitgliederversammlung und hoffe ihr schafft es danach, den braunen Mist tatsächlich loszuwerden.

11.08.2019 23:04 Martin 17

Auf den Plakaten war zu lesen „Wir sind der Verein“

So nennt sich die aktuelle Mitgliederwerbekampagne von Aue, um nicht so zu enden wie der CFC.
Irgendwie lustig :D

11.08.2019 22:48 Chris Schüppel 16

Niemand hat das Recht, einen Sportler zu bestrafen, der sich nichts zu Schulden kommen lassen hat. Die Verantwortlichen sind einen Schritt zu weit gegangen. Politik hat im Stadion nichts zu suchen. Die Trauerbekundung hatte ebensowenig im Stadion verloren, wie dieser Rausschmiss. Aktuell wird die Menge der Rechtswähler immer noch unterschätzt. Mit solchen Aktionen werden die Rechtswähler eher mehr als weniger.

11.08.2019 22:46 Paul 15

Klasse Aktion von den CFC Fans.

11.08.2019 22:31 Schenser 14

Was haben politische Meinungen mit Sport zu tun? Erinnert an DDR-Zeiten, wo ohne das Parteiabzeichen die Laufbahn beendet war. Die Reaktion des Vereins ist einfach nur erbärmlich. Ich schäme mich mittlerweile für meine Heimatstadt. Alles Gute Daniel Frahn! Grüße aus Magdeburg

11.08.2019 22:07 na so was 13

Chemnitzer, meinen Respekt habt, im Elfmeterschießen verlieren, noch dazu bei kurzzeitiger Führung, ist das, was man niemanden anderen wünscht. Heute abend hilft da nur einen richtigen hinter die Binde gießen und dann geht's Dienstag weiter. Haltet zusammen, schmeißt gewisse Leute aus dem Verein, lasst euer Nachwuchsleitungszentrum am Leben. Und denkt dran, auch Chemnitz bzw. früher Karl-Marx-Stadt hat eine Tradition im Fußball-Sachsen weiterhin hochzuhalten. Dynamische Grüße 11.08.2019, 22:07

11.08.2019 21:52 Realist 12

Ohne Herrn Simon wäre der CFC platt. Auch die Kündigungen zum Thema Leistungszentrum waren ein kluger Schachzug von Herrn Simon. Somit fällt das Leistungszentrum nicht in die Insolvenzmasse. Was macht der gemeine CFC Fan? Er demonstriert gegen seine Retter. Und dann haben wir noch einen Herrn Frahn...... Ob er mit Nazis am Zaun gesessen hat weiß ich nicht, das er aber mit einen Nazi-Shirt gewedelt hat das weiß ich. Scheint aber in C kein Problem zu sein. Zahlt mal lieber eure Beiträge und übt etwas Demuth...!!

11.08.2019 20:43 na so was 11

Großen Respekt für den friedlichen Fanmarsch. Weiter so, unterstützt den Sportler Daniel Frahn. Eine ähnliches Beispiel, auch aus Sachsen. Vor einigen Jahren erhielt Herr Putin, ja genau der gleiche Herr Putin, der in der Gegenwart mit Überfall auf souveräne Länder, mit Totschlag angeblich drohen soll, den Semperopernball in Dresden überreicht vom damaligen Sächsischen Ministerpräsidenten, Herrn Tillich (CDU). Dieser war dann noch viele Jahre im Amt. Wieso ist dieser Herr Tillich nie dafür kritisiert worden. Kennt keiner dieser Schlaumeier den Spruch von Rosa Luxemburg: "Freiheit der Andersdenkenden … Wer nimmt für sich heraus, dass nur seine Gedanken die ganze Wahrheit sind, und keine andere ? Warum äußert sich die OB von Chemnitz nicht ?
Aus Angst oder noch keine Vorgabe von Berlin bekommen ? Dynamische Grüße 11.08.2019 20:43

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