Hinter einem Absperrband der Polizei ist die zerstörte Tür eines Restaurants zu sehen
Anwohner bemerkten das Feuer gegen 2.20 Uhr. Bildrechte: MDR/Mario Unger

Staatsschutz ermittelt Brandanschlag auf türkisches Restaurant in Chemnitz

Nachdem in den vergangenen Wochen in Chemnitz ein jüdisches und zwei persische Restaurants angegriffen wurden, war in der Nacht zum Donnerstag ein türkisches Lokal Ziel eines Brandanschlages. Diesmal gibt es Zeugen.

Hinter einem Absperrband der Polizei ist die zerstörte Tür eines Restaurants zu sehen
Anwohner bemerkten das Feuer gegen 2.20 Uhr. Bildrechte: MDR/Mario Unger

Unbekannte hatten in der Nacht zu Donnerstag in einem türkischen Restaurant in Chemnitz Feuer gelegt. 17 Anwohner in dem Mehrfamilienhaus mussten vorübergehend ihre Wohnungen verlassen, verletzt wurde aber niemand. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen, weil ein fremdenfeindliches Motiv nicht auszuschließen ist. Wie die Polizei mitteilt, ging dem Feuer gegen 2.20 Uhr ein lauter Knall voraus. Kurz darauf drang Rauch aus dem Lokal. Aufgeschreckte Anwohner bemerkten drei Personen vor dem Restaurant, die davonliefen, in einen Pkw stiegen und damit in stadtauswärtige Richtung verschwanden. Die kurz darauf eintreffende Feuerwehr brachte das Feuer im Gastraum schnell unter Kontrolle. Die evakuierten Anwohner kamen bis zum Abschluss der Löscharbeiten in einem Bus der CVAG unter und konnten am frühen Donnerstagmorgen in ihre Wohnungen zurückkehren. Verletzt wurde niemand.

Polizei geht von Brandstiftung aus, Staatsschutz ermittelt

Erste Ermittlungen der Polizei haben bereits ergeben, dass das Feuer von Unbekannten gelegt worden ist. Zum genauen Hergang des Brandgeschehens laufen die Untersuchungen der Brandursachenermittler. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen werden durch das Dezernat Staatsschutz geführt, da sich gegenwärtig ein fremdenfeindliches Motiv nicht ausschließen lässt. Die Ermittlungen laufen derzeit in alle Richtungen. Den entstandenen Sachschaden beziffert ein Sprecher der Polizei mittlerweile auf einen sechsstelligen Betrag.

Sachsens Innenminister Roland Wöller hat den Brandanschlag auf ein türkisches Lokal in Chemnitz als verabscheuungswürdige Tat verurteilt. Er sei froh, dass keine Menschen zu Schaden gekommen seien, sagte der CDU-Politiker Donnerstag in Dresden. Die Ermittlungen würden von Kollegen der "Task Force Gewalt" unterstützt.

Bei den Ermittlungen soll auch geprüft werden, ob es Zusammenhänge gibt in Bezug auf die Übergriffe und die Anschläge auf das jüdische Restaurant "Schalom" oder das persische Restaurant "Safran". Polizei und Justiz würden intensiv an den Ermittlungen arbeiten.

Zeugin sieht mögliche Täter

Eine Zeugin, die auch die Rettungskräfte alarmiert hat, konnte die möglichen Brandstifter sehen: "Ich habe einen lauten Knall wahrgenommen, habe aus dem Fenster geschaut und gesehen, dass drei Männer zu einem Auto gerannt sind. Es war ein kleines rotes Auto. Dann habe ich gesehen, dass es aus dem Restaurant gequalmt hat und habe sofort den Notruf gewählt. Der Rauch ist bis zum Dach des Hauses aufgestiegen, alles war vernebelt." Die Leute hätten sich alle Sorgen gemacht um ihre Kinder und ihre Tiere. Sie selbst fühle sich sehr unwohl. "Man denkt immer, es ist alles ganz weit weg. Und nun ist es so nahe. Der Schock sitzt noch tief."

Polizei sucht Zeugen

Blick in einen verrussten Wintergarten eines Restaurants mit deutlichen Brandspuren
Der Sachschaden wird auf mindestens 30.000 Euro geschätzt. Bildrechte: MDR/Mario Unger

Der Polizei ist zu den drei Personen, die von Anwohnern unmittelbar nach Ausbruch des Feuers vor dem Restaurant beobachtet wurden, Folgendes bekannt: Es soll sich bei dem Trio um Männer im Alter von etwa 25 Jahren handeln, die zwischen 1,70 Meter und 1,80 Meter groß sein sollen. Alle waren dunkel gekleidet. Einer der Männer trug ein Basecap, ein weiterer fiel den Zeugen durch seine muskulöse Statur auf. Bei dem Fluchtwagen soll es sich zudem um einen roten bis dunkelroten Pkw der Kompaktklasse handeln.

Die Chemnitzer Kriminalpolizei sucht weitere Zeugen. Wer hat im Zusammenhang mit dem Knall- und Brandgeschehen in der Straße der Nationen weitere Beobachtungen gemacht? Wer kann weitere Angaben zu den drei Männern, ihrer Identität, ihrem möglichen Aufenthaltsort und ihrem Auto machen? Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0371 387-3448 entgegen.

Mehr Präsenz an gefährdeten Orten

Da dies bereits die vierte Attacke auf ein ausländisches Restaurant in Chemnitz innerhalb weniger Wochen ist, will die Polizei nun mehr Präsenz zeigen. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, sollen Streifen auf unbestimmte Zeit die Umgebung von Asylunterkünften und ausländischen Restaurants intensiv beobachten. Die Beamten werden deutlich sichtbar sein, hieß es.

Hintergrund Der Angriff auf das türkische Restaurant ist der vierte Angriff auf internationale Restaurants.

Das persische Restaurant "Safran" wurde am 7. Oktober von drei Unbekannte angegriffen. Der Wirt ist dabei schwer verletzt worden. Dem Angriff waren mehrere Attacken vorausgegangen. So wurden unter anderem Hakenkreuze an die Wände geschmiert und Scheiben eingeschlagen. In diesem Fall hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Das persische Restaurant "Schmetterling" wurde in der Nacht zum 22. September Ziel einer Attacke mit Steinen.

Das jüdische Restaurant "Shalom" wurde am 27. August angegriffen. Der Inhaber ist dabei ebenfalls verletzt worden.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.10.2018 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 12:21 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

80 Kommentare

19.10.2018 18:51 Snap 80

#78 Sachse 43
Ich werde sie zu gegebener Zeit an ihre Worte erinnern.

19.10.2018 16:29 mare nostrum 79

Für Pamukkale und Safranreis!
Gegen deutsche Einheitskost!

Für Weltoffenheit und Demokratie auf dem Teller!
Es lebe die Esskultur!

:)

19.10.2018 16:19 Sachse43 78

Also, man sollte wissen anstatt etwas zu behaupten was nicht bewiesen ist.

19.10.2018 13:06 Wolpertinger 77

@19.10.2018 09:58 sh
Da Ihnen die Rechtschreibung ja so wichtig ist: " was war denn nun die Ursache , das es in Chemnitz zu Unruhen gekommen ist, " dass mit Doppel s wäre richtig gewesen.

19.10.2018 10:32 peter 76

Ich frage mich, was hier los ist? Wird das jetzt zum Volkssport.
Chemnitz kommt nicht aus den Schlagzeilen.
Die Täter werden leider nie ermittelt werden. Polizei und weitere Organe sind aufgrund der Vielzahl solcher Fälle, fast täglich Neue überlastet und ohnmächtig!

19.10.2018 09:58 sh 75

Erstens stehen die Täter noch gar nicht fest, also zumindest für die Menschen, die einigermaßen ihren Kopf zum Denken benutzen. Zweitens ist Gewalt in jede Richtung abzulehnen, da sie keine Probleme löst, eher welche verursacht. Und drittens sei gefragt, was war denn nun die Ursache , das es in Chemnitz zu Unruhen gekommen ist, es wurde ein Mensch mit zahlreichen Messerstichen regelrecht abgeschlachtete. Viertens muss man resümieren, sind das nicht die Dinge vor den seit langer Zeit, hier an den Pranger gestellte, Parteien und Organisationen gewarnt haben. An 55 Gregor sei gesagt, wissen Sie wer mir hier alles nicht passt und wer unsere Kultur kaputt macht? Und "wir Deutschen" wird groß geschrieben.

19.10.2018 09:54 ossi 74

Und wenn die Besitzer / Betreiber Kurden oder andere Kritiker von Erdogan ... wie sieht es wirtschaftlich aus mit Versicherung ... ein "oh Merkel Hilf" wird schon kommen

19.10.2018 09:06 Gaihadres 73

@Nr.72: Da möchte ich Sie fragen, wie Linksextremismus definiert wird und welche Ziele er verfolgt. Bereits an diesem Punkt werden Sie feststellen, dass sich Tatobjekt und Ziel konträr verhalten. Die Wahrscheinlichkeit tritt damit zugunsten anderer Motive zurück. Linksextremisten würden sich vornehmlich gegen staatliche und/oder politische Einrichtungen richten. Ein Restaurant - egal welches - hat keine politische Aussage für diese Strömung. Ferner haben Sie den Kontext zu Ort (Chemnitz), Zeit (es gab bereits andere Anschläge auf ausländische Restaurants) und der Stimmungslage außer Acht lassen. Trittbrettfahrer sind möglich - Konkurrenz oder Glaubensdifferenzen auch, aber in diese Richtung wird der Staatsschutz genau so ermitteln. Da keines der anderen Opfer bisher über Erpressung oder Glaubensdifferenzen berichtet hat, treten auch deren Wahrscheinlichkeiten vorläufig zurück. Sie werden also zu dem Schluss kommen, dass Sie eine rechtsgerichtete Tat nicht ausschließen können.

19.10.2018 08:21 Wer war es denn? 72

Hier gibt es neben dem "fremdenfeindlichen Motiv" noch andere Möglichkeiten des Tatmotives! Z.B. nichtgezahltes Schutzgeld, unliebsame Konkurrenz, oder Glaubensstreitigkeiten. Alles ist möglich. Das kann sich der allseits gebildete Linke aber nicht vorstellen in seinem Wahn, überall nur Rechtsextreme zu sehen und dabei übersieht, daß auch Linksextreme die Täter sein könnten!

19.10.2018 08:20 Gaihadres 71

Sofern es Deutsche Täter mit einer rechtsgerichteten Gesinnung gewesen sein, so entbehrt es ja auch einer gewissen Ironie, wenn man gegen steuerzahlende, integrierte Bürger mit ausländischen Wurzeln vorgeht. Und es würde mich auch nicht wundern, wenn selbige am nächsten Tag einen Döner essen, Raki trinken und bei Amazon günstige Produkte aus China bestellen. Aber gut, warten wir erst einmal ab. @Nr.37: Wie eine Tat in die PKS eingeht ist ja auch nicht vom Täter, sondern von der Tat abhängig. Würde Flüchtlinge beispielsweise Autos der AfD anzünden, so würde diese Tat in der PKS unter Links aufgeführt. Der Grund, warum unbekannte Täter zumeist als Rechts eingestuft werden liegt vornehmlich in der Tat und den Umständen begründet. Eine gewisse Unschärfe gibt es natürlich trotzdem.

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Mehr aus Sachsen