Sturmschäden im Tharandter Wald
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17.08.2019 | 12:31 Uhr Sachsenwald in Gefahr - Experten suchen in Chemnitz nach Lösungen

Dem Wald geht es so schlecht, wie noch nie. Dürre, Stürme, Borkenkäfer, Pilzbefall. In Chemnitz kamen deshalb am Freitag Förster, Politiker und Kommunen zusammen - mit dem Ziel, schnelle Lösungen gegen das Waldsterben zu finden.

Sturmschäden im Tharandter Wald
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Während der Wald leidet, geht es dem Borkenkäfer blendend. Derzeit kann er sich nahezu ungestört vermehren. Bedingt durch Stürme und Trockenheit der vergangenen beiden Jahre ist der sächsische Wald massiv geschädigt. Und kann die Schädlinge kaum noch abwehren.

Das sieht erschreckend aus, wenn man das mit fachmännischen Augen sieht. Die Katastrophe ist viel größer, als sich das viele vorstellen.

Georg Schirmbeck Deutscher Forstwirtschaftsrat

Dies treffe auch auf den einen oder anderen Parlamentarier zu, so Schirmbeck. 5,2 Millionen Kubikmeter Schadholz in nicht mal zwei Jahren. Zuviel für die sächsische Forstwirtschaft. Der Holzpreis ist massiv gefallen und deckt die Kosten für Fällung und Abtransport der Stämme nicht mehr. Aus diesem Grund will der Freistaat Sachsen den Waldbesitzern helfen: Mit Geld und Logistik. Es gehe darum, das Schadholz schnell aus dem Wald zu bekommen. Auf der "Sachsenwaldkonferenz" in Chemnitz wurde daher beschlossen, eine Koordinierungsstelle im Umweltministerium zu schaffen, die bereits am Montag ihre Arbeit aufnimmt.

Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte
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Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt weist darauf hin, dass das Thema vielschichtig sei. So gehe es um verkehrsrechtliche Bestimmungen, um Versicherungsschutz und die einfache Bereitstellung von Geldern. "Da sitzen alle an einem Tisch. Wir müssen ganz schnell handeln. Dafür richten wir diese Stelle ein", sagt Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt. Das kann aber nur ein Anfang sein, sagen Experten. Parallel dazu müsse der Waldumbau weitergehen. Hin zu Mischwäldern. Denn die Fichtenmonokulturen sind ein Schlaraffenland für den Borkenkäfer.

Utz Hempfling - Dienstags direkt - 04.06.19
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Das flächenhafte Absterben wird auch dieses Jahr noch weitergehen. Wir werden sehen, was dann im neuen Jahr kommt. Das hängt im Wesentlichen von der Entwicklung der Niederschläge ab.

Utz Hempfling Landesforstpräsident Sachsen

Der sächsische Wald. Wirtschaftsfaktor. Erholungort. Kulturgut. Er braucht Hilfe - auch von ganz oben.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 16.08.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2019, 12:30 Uhr

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5 Kommentare

18.08.2019 20:20 Dr. Norman Pohl 5

"Ganz schnell handeln"? Nur die Motorsäge und die "Harvester", auf deutsch: die Abernter, sind schnell. Ansonsten ist der Waldbau eine Kulturform, die vor allem eines braucht: Zeit. Und die sollten sich alle Verantwortlichen nehmen, denn gefragt ist nicht der nächste Wirtschaftswald aus Pappeln und Douglasien, sondern ein Gesamtkonzept, das Feuchtigkeit in der Fläche hält. Und das bedeutet Waldbau mit Sachverstand, Wiedervernässung früherer Moore, Verzicht auf Ackerdrainagen und auf die Bebauung von Flussauen (u.a.m.). Sonst sponsert der Steuerzahler nur den Waldbesitzern die nächste Anpflanzung. Das aber wäre zu wenig.

18.08.2019 09:17 Silvio Viehofer 4

Vieleicht könnte es helfen die Voraussetzungen zur Brennholz-Selbstwerbung etwas zu lockern,
um das Schadholz schneller aus dem Wald zu bekommen.
VG. S. Viehofer

18.08.2019 08:10 Paulchen 3

Ich schaue Richtung Mittelmeer. Dort gabe es im trockenen Klima früher (vor dem Schiffbau) auch dichte Wälder, allerdings mit nur geringem Holzertrag. Man müsste einfach langfristiger denken, die Monokulturen der Forstwirtschaft des 19. Jhd. sollten vorbei sein... Olivenplantage? Aleppokiefer? :-X

17.08.2019 21:11 heribert54 2

Wenn der Wald nun mal geschädigt ist, könnte man dort nicht neue Windkraftanlagen hinbauen, da brauchten keine intakten Wälder, wie der Reinhardswald gerodet zu werden, und das Thema Leitungstrassen wäre zum Teil teilweise vom Tisch. (Ironie).

17.08.2019 18:56 Eulenspiegel 1

„Das sieht erschreckend aus, wenn man das mit fachmännischen Augen sieht. Die Katastrophe ist viel größer, als sich das viele vorstellen.“
Georg Schirmbeck Deutscher Forstwirtschaftsrat
Es wird immer deutlicher die Klimaveränderung nimmt fahrt auf. Offensichtlich ist sie schon schneller als der nachwachsende Wald. Wie werden unsere Wälder wohl in 30, 40 oder 50 Jahren aussehen? Kann man dann überhaupt noch von Wäldern reden?

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