26.07.2019 | 13:45 Uhr Chemnitzer machen bei internationaler Studie zu "Fridays for Future" mit

Auch in den Ferien steht die "Fridays for Future"-Bewegung nicht still. Wer geht dahin? Was treibt sie an? Das wollten internationale Wissenschaftler unter Beteiligung der TU Chemnitz in einer Studie herausfinden.

Dr. Piotr Kocyba bei der Befragung von Demonstranten.
Piotr Kocyba bei der Befragung von Demonstranten. Bildrechte: privat

Eine internationale Studie mit Beteiligung der Technischen Universität Chemnitz hat sich mit der "Fridays for Future"-Bewegung beschäftigt. Die Forscher haben den ersten weltweiten Aufruf vom 15. März zum Anlass genommen, Demonstrationsteilnehmer in 13 Städten in neun europäischen Ländern zu befragen. "Insgesamt wurden knapp 10.000 Fragebögen verteilt und wir haben rund 2.000 Rückläufer bekommen", sagt Piotr Kocyba, der für die TU Chemnitz an der Studie mitgearbeitet hat. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas. Kocyba führte für die Studie Befragungen auf der Demonstration in Warschau durch.

Der Fragebogen sei sehr ausführlich, so Kocyba. Deswegen wäre es schwer die Ergebnisse kurz zusammenzufassen. "Man kann aber sagen, dass es ein paar überraschende Momente gibt." Dass sich an einem Schülerstreik vorwiegend die Altersgruppe der 14- bis 19-Jährigen beteiligt, gehört nicht dazu. Dennoch wären die Teilnehmer der "Fridays for Future"-Demonstrationen gegenüber anderen Demonstrationsbefragungen auffällig jung.

Hoher Anteil weiblicher Teilnehmer an den "Fridays for Future"-Demonstrationen

"Wir haben auch ein sehr überraschendes Ergebnis, was die Zusammensetzung der Geschlechter anbelangt", sagt Kocyba. Zwei Drittel der Teilnehmer seien weiblich. "Man kann die Faustregel aufstellen, je jünger eine Demonstration war, desto weiblicher dominiert wurde sie." Üblicherweise hätten Demonstrationen ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Die zwei Ausnahmen sind feministische Demonstrationen, bei denen die Teilnehmer überwiegend weiblich sind und rechte Demonstrationen, bei denen häufiger Männer vertreten sind. Die Wissenschaftler führen die hohe weibliche Teilnehmerzahl auf die weiblichen Führungsfiguren wie Greta Thunberg zurück.

Teilnehmer einer 'Fridays for Future' - Kundgebung gegen den Klimawandel halten Schilder mit Losungen.
Teilnehmer einer "Fridays for Future"-Demonstration in Dresden Bildrechte: dpa

Außerdem stellt die Studie fest, dass viele Schüler bei "Fridays for Future" zum ersten Mal an einer Demonstration teilgenommen haben. Die überwältigende Mehrheit der Protestierenden ist auch weder Mitglied einer Umweltorganisation, noch unterstützt sie eine solche finanziell. Nur 9,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind aktive oder passive Unterstützer einer solchen Organisation. "Klassische Umweltorganisationen haben auch dementsprechend kaum Einfluss auf die Mobilisierungswege dieser 'Fridays for Future'-Teilnehmer gehabt", sagt Kocyba. Er glaubt, dass auch nach den Sommerferien große Mobilisierungswellen zu erwarten sind. Es gäbe für die Schüler genügend Gründe, um auf die Straße zu gehen.

Wir haben es hier mit jungen Menschen zu tun, die einerseits wütend sind, weil die Politiker nicht liefern, sich nicht um den Klimawandel kümmern und die Erwachsenen das Thema ignorieren in den Augen der Schülerinnen und Schüler. Wir haben andererseits aber Personen, die sehr hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und fest daran glauben, dass sie etwas verändern können und Personen, die auch politisch hoch interessiert sind.

Piotr Kocyba von der TU Chemnitz

Auch im Mai haben die Wissenschaftler Demonstrationsteilnehmer befragt. Kocyba hat dabei die Befragungen in Budapest unterstützt. Aktuell warten sie auf den Rücklauf der Fragebögen. Für Ende September ist eine weitere Befragung geplant, die dann auch über Europa hinausgehen soll.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 26.07.2019 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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6 Kommentare

28.07.2019 12:03 Dieter 6

Eulenspiegel:
Zweimal NEIN. Es gibt zwar eine Meinung der politischen Elite zum Klimawandel (vereinfacht, menschengemacht, mehr Geld, sonst sterben wir alle), aber keine einheitliche Meinung der Wissenschaftler zu Ursachen und Verlauf des Klimawandels (ist ein komplexes Problem, kompliziert). Es gab in letzter Zeit viele neue Artikel in Fachzeitschriften, insbesondere solche, die das CO2 Modell in Frage stellen (leider wird darüber bei uns in öffentlichen Medien nicht berichtet- man will wohl erst die CO2 Steuer durchdrücken).
Bei den technischen Lösungen ist man ebenfalls weit weg. Das E-Auto ist keine (zu umweltschädlich, technisch schlecht), neue Forschungen über die Energie und die Autos und Mobilität der Zukunft sind dringend nötig. Dort fehlt es. Wenn man wenigstens die Einnahmen der CO2 Steuer für solche Forschungen einsetzen würde- die werden wohl aber anderswo gebraucht.

[Sehr geehrter Nutzer,
bisher gibt es keine CO2-Steuer. Wie die Einnahmen verwendet werden, ob auch für "Forschungen über die Energie und die Autos und Mobilität der Zukunft", darüber ist bisher nichts bekannt. Ihre Behauptung ist daher reine Spekulation. Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

27.07.2019 17:45 Eulenspiegel 5

Hallo Dieter 4
„Man könnte auch über die Ursachen des Klimawandels forschen und darüber, mit welchen technischen Veränderungen man diesen bewältigen kann. Das wäre dann aber Wissenschaft.“
Aber über die Ursachen wird doch schon über viele Jahrzehnte geforscht. Und über die Ursache sind sich alle Wissenschaftler einig. Man ist sich auch einig mit welchen technischen Veränderungen man diesen bewältigen kann.
Jetzt geht es um die politische Umsetzung. Und da hapert es an allen Ecken und Kanten. Und die Wirtschaft hat angst um ihre Profitmaximierung und versucht wo es nur geht Arbeiter gegen Umwelt auszuspielen. Darum ist "Fridays for Future" in kurzer Zeit eine weltweite Bewegung geworden.

27.07.2019 15:57 Dieter 4

Für welchen Unsinn in unserem Land Steuergeld ausgegeben wird, lässt mich immer den Kopf schütteln.
Man könnte auch über die Ursachen des Klimawandels forschen und darüber, mit welchen technischen Veränderungen man diesen bewältigen kann. Das wäre dann aber Wissenschaft.

27.07.2019 11:57 Kirchenmitglied 3

@DasletzteAbendmahl (2), "Greta als Führungsfigur" meinen sie das ernst?

Nein, das meine ich nicht ernst. Deshalb versuche ich ja auch die Behauptung aus dem Beitrag, "Die Wissenschaftler führen die hohe weibliche Teilnehmerzahl auf die weiblichen Führungsfiguren wie Greta Thunberg zurück", zu widerlegen. Greta ist das Gesicht der Bewegung. Wenn man in die Geschichte schaut, braucht jede soziale Bewegung, egal ob sie progressiv oder rückwärts gewannt ist, ein Gesicht. Das hat etwas mit der Psychologie des Menschen zu tun. Die Wissenschaftler hätten da auch besser einen anderen Begriff als den der Führungsfigur verwenden sollen. Eines ist dennoch äußerst bemerkenswert: Greta hat eine Behinderung (eindeutig diagnostizierter Asperger-Autismus) und bringt sich dennoch in die Umweltbewegung in vorderster Front ein.

27.07.2019 09:40 DasletzteAbendmahl 2

#Kirchenmitglied: "Greta als Führungsfigur" meinen sie das ernst ? Bis jetzt habe ich von dieser "Führungsfigur" nichts sinnvolles gehört. Der älteren Generation im schroffen Tonfall vorzuwerfen angeblich nichts getan zu haben löst das Problem nicht. Konkrete Lösungsvorschläge wären eher angebracht von der Generation Handy die angeblich alles besser weiß.

26.07.2019 16:08 Kirchenmitglied 1

Die Tatsache, dass 2/3 der Teilnehmenden weiblich sind, überrascht mich nicht. Frauen bevorzugen Demos, auf denen es anständig zugeht, wo nicht gebrüllt, gegrölt oder gar gepöbelt wird und wo sie Menschen treffen können, mit denen eine Zwei-Wege-Kommunikation gegeben ist, die also Raum für das gegenseitige Zuhören lässt. Veranstaltungen mit schwätzerisch veranlagten Alleinunterhaltern in der Masse sind nicht so ihr Ding. Dass da nun die Greta als Führungsfigur weiblich ist, würde ich nicht so sehr als Grund ansehen.

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