Muslime mit zwei Spruchbändern: Liebe für alle, Hass für keinen und Wir sind alle Deutschland
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

09.11.2019 | 20:28 Uhr | Update "Liebe für Alle, Hass für Keinen" - Gedenken in Chemnitz

Der 9. November hat einen besonderen Stellenwert in der deutschen Geschichte: Revolution 1919, Reichspogromnacht 1938, Mauerfall 1989. In Chemnitz hat sich ein breites Bündnis zu Gedenken und Mahnung aufgestellt.

Muslime mit zwei Spruchbändern: Liebe für alle, Hass für keinen und Wir sind alle Deutschland
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

In Chemnitz hat das gemeinsame Gedenken mehrerer Vereine, Gruppen und Parteien anlässlich des Mauerfall-Jubiläums und der Reichspogromnacht begonnen. Zum Auftakt versammelten sie sich zu einer Kundgebung vor dem Karl-Marx-Monument, zu der unter anderem das Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus", das "Bündnis Chemnitz Nazifrei" und die "Buntmacher*innen" aufgerufen hatten. Gabi Engelhardt vom Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus" eröffnete die Kundgebung mit einer Gedenkminute: "Wir erinnern heute an die Opfer der Pogromnacht von 1938, aber auch an die Opfer rechter Gewalt aus jüngster Zeit."

Bildergalerie Lichterwege durch Chemnitz

In Chemnitz haben etwa 200 Menschen an die Ereignisse des 9. November erinnert. Dabei standen die Erinnerung an die Pogromnacht 1938 und das Gedenken an die politisch Verfolgten der DDR im Mittelpunkt.

Ein Wachturm und Reste einer Mauer mit Stacheldraht mit Gedenkinschrift.
Die Lichterwege führten auch zur Gedenkstätte am ehemaligen Gefängnis auf dem Chemnitzer Kaßberg. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Ein Wachturm und Reste einer Mauer mit Stacheldraht mit Gedenkinschrift.
Die Lichterwege führten auch zur Gedenkstätte am ehemaligen Gefängnis auf dem Chemnitzer Kaßberg. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Bei einer Gedenkfeier werden weiße Rosen auf einem Gedenkstein abgelegt.
Teilnehmer der Veranstaltung legten Blumen am Gedenkstein für die zwischen 1945 und 1989 inhaftierten politischen Gefangenen nieder. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Weiße Rosen auf einem Gedenkstein.
An einer Kerze, die zuvor von der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz zum Gedenkort gebracht wurde, entzündeten die Teilnehmer ihre Kerzen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Ein Saxofon-Quartett spielt auf einer Wiese.
Ein Saxofon-Quartett spielte am Gedenkort. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Demonstranten mit einem Banner: "Kein Schlussstrich - NSU-Komplex aufklären"
Den Lichterwegen schlossen sich Demonstranten an, die zuvor Chemnitzer Stolpersteine aufgesucht hatte. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Vor einer Synagoge bilden Teelichter auf einer Wiese einen jüdischen Leuchter.
Bereits am Nachmittag hatten die "Buntmacher*innen" vor der Chemnitzer Synagoge mit Teelichtern einen Menora-Leuchter nachgebildet. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Vor dem Karl-Marx-Monument stehen Menschen, dahinter als Projektion "Aufstand der Utopien".
Zum Abschluss des Gedenktages trafen sich die Teilnehmer noch einmal am Karl-Marx-Monument. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Auf der Jacke eines Zuhörers steht "Buntmacherinnen", dahinter auf der Bühne ein Chor.
Mit Chorgesang und Reden wurde nochmals der Opfer von Gewalt und Rassismus gedacht. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Auf einem kleinen Plakat steht "OMAS GEGEN RECHTS", dahinter eine Bühne mit Redner.
Auch einige der mittlerweile bundesweit bekannten "Omas gegen rechts" nahmen an der Kundgebung teil. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Christoph Magirius, ehemaliger Superintendent von Chemnitz und wichtige Person der Wendezeit 1989.
Der ehemalige Superintendent von Chemnitz und Mitbegründer der "Runden Tisches" von 1989 Christoph Magirius äußerte, dass unsere Gesellschaft nur im friedlichen Miteinander der Menschen aus verschiedenen Kulturen eine Zukunft hat. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Ein Schild: "Heute offene Gesellschaft", dahinter Kundgebungsteilnehmer.
Solche Aussagen war mehrfach am Veranstaltungsort zu finden. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
Kerzen stehen am Bühnenrand, dahinter singt ein Chor.
Mit gemeinsamen Gesang endete das Gedenken an den 9. November am späten Abend in Chemnitz. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich
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Blick nach vorn

Gabi Engelhardt von der Bewegung Aufstehen gegen Rassismus spricht auf einer Kundgebung
Gabi Engelhardt von der Bewegung "Aufstehen gegen Rassismus" Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Mit dem Bündnis, dem sich auch Parteien und Gewerkschaften angeschlossen haben, wolle man auch zeigen, dass man sich nicht spalten lasse, so Engelhardt. "Deshalb freue ich mich auch besonders, dass wir Vertreter muslimischer Organisationen und von der jüdischen Gemeinde heute hier begrüßen können".

Neben dem Erinnern soll auch ein Blick nach vorn gewagt werden. "Wir stehen für eine gemeinsame Zukunft in einer offenen Gesellschaft. Der Mauerfall 1989 war ja auch ein Aufbruch in diese Richtung. Heute diskutieren wir über verschiedene Utopien, wie die Gesellschaft in Zukunft gestaltet werden kann", so Engelhardt weiter.

Bis zum Abend sind noch mehrere Veranstaltungen geplant. Eine Gedenkdemonstration führt durch das Wohnquartier Kaßberg zu verschiedenen Stolpersteinen, um an die von den Nationalsozialisten deportierten und umgebrachten Chemnitzer Juden zu erinnern. Im Anschluss führen "Lichterwege" vom berüchtigten Kaßberg-Gefängnis zum Sächsischen Archäologiemuseum und zurück zum Karl-Marx-Monument. Dort soll gegen 20:15 Uhr die gemeinsame Abschlusskundgebung stattfinden.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.11.2019 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2019, 20:28 Uhr

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